EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Weitra I

Geschichte:

Zwischen 1201 und 1208 erfolgt die Gründung von Burg und Stadt durch Hadmar II. v. Kuenring als Mittelpunkt eines ziemlich geschlossenen, kuenringischen Herrschaftsbezirkes. Ein Vorgänger ist im heutigen Altweitra zu sehen, wo bereits im 12. Jh. pfarrliche Rechte vorhanden sind, die nach der Gründung der neuen Stadt auf diese übertragen werden. Hadmars Nachfolger ist sein Sohn Heinrich II. v. Kuenring, der 1228 von Hzg. Leopold VI. zum Marschall von Österreich ernannt wird. Heinrich V. v. Kuenring, seit 1274 Marschall von Österreich, wendet sich gegen Rudolf v. Habsburg und flieht nach Weitra. Nach der Niederlage Ottokars II. 1278 wird Weitra durch Stephan v. Maissau belagert, die Kuenringer verlieren die Hft. Weitra. In weiterer Folge wird es vom Landesfürsten, Kg. Rudolf I., eingezogen und 1282 seinen beiden Söhnen anvertraut. 1295 kurzfristig an Leuthold v. Kuenring verliehen, der sich jedoch 1295 auch gegen den Herzog erhebt. Weitra bleibt in der Folge landesfürstlich und wird durch Bgfn. verwaltet. 1332 werden Burg und Stadt von den Böhmen belagert. Zwischen 1376 und 1429 sind die Hrn. v. Maissau im Lehensbesitz der Burg. 1426 und 1431 durch die Hussiten, 1486 durch ungarische Truppen belagert. 1508 ist die Hft. an Laslav v. Prag, Frh. z. Windhag verpfändet. 1582 schenkt K. Rudolf II. die Hft. seinem Kämmerer Wolf Rumpf, Frh. v. Wullroß. 1606 gelangt sie an die Gfn. v. Fürstenberg-Heiligenberg. 1645 erfolglos durch schwedische Truppen belagert. Das Gut befindet sich noch heute im Besitz der Fam. Fürstenberg. (G.R.)

Bauentwicklung:

Ob die langgestreckte Gestalt mit den beiden abschlussbetonenden Turmbauten bereits zur urspr. Planung des beginnenden. 13.Jhs. gehört, ist fraglich. Im Hinblick auf die Turmbauten ist mglw. mit Ausbauphasen des 13. Jhs. zu rechnen.
Das heutige Schloss stammt aus dem ausgehenden 16. Jh. und lässt in seiner aufgehenden Struktur keine Reste des Burgbaues des 13. Jhs. mehr erkennen.

Baubeschreibung:

Der heutige Schlossbau überbaut unmittelbar die ehem. hochmittelalterliche Burganlage, des beginnenden 13. Jhs. Alten Plänen zufolge ist die Burg als leicht unregelmäßiger, 4-seitiger Bau mit eingestellten Gebäuden im W, N und O (Palas?) sowie 2 Turmbauten an der östl. und westl. Schmalseite zu rekonstruieren. In den Kellerräumen des O-Traktes sind Mauerteile aus großformatigem Quadermauerwerk sichtbar, die naheliegend als Teile des östl. Berings und der S-Wand des östl. Bergfriedes rekonstruiert werden können. Dieser urspr. Burgbau weist in seiner ausgedehnten, gestreckten Form (durch die historischen Pläne wäre etwa eine Größe von über 80 m Länge und 30 m Breite festzustellen), insbesonders durch die beiden abschlussbetonenden Turmbauten, auf einen qualitativ hochstehenden Burgtypus hin.
Der heutige Baukörper stammt aus dem ausgehenden 16. Jh. (Pläne von 1588) und lässt in seiner ab dem Erdgeschoß aufgehenden Struktur keine Reste des Burgbaues des 13. Jhs. erkennen.
Der nun 3-gesch., unterkellerte 4-Flügelbau, ein bemerkenswerter Bau der Renaissance mit äußerlich geringen späteren Veränderungen zeigt einen über der nördl., stadtseitigen Torhalle situierten, zentralen Turmbau. Der 35 m hohe Turm erhielt nach einem Brand von 1747 seinen heutigen, reduzierten Abschluss. Der rechteckige Innenhof mit west- und ostseitigen, 3-gesch. Pfeilerarkaden wird durch eine repräsentative Toranlage im Zentrum der N-Front, die neben einem mittleren Fahrtor seitlich flankierende Nebenpforten besitzt, erschlossen. Die kraftvoll rustizierte, sonst schmucklose Toranlage zeigt noch Rollen der ehem. Zugbrücke. Eine im S-Trakt angelegte, spiegelgleich angeordnete Toranlage, die feldseitig folglich der unterkellerten Sockelzone eine beträchtliche Höhenlage aufweist, kann naheliegend als Sekundärzugang spezieller, nicht zuletzt repräsentativer Funktion gedeutet werden. Durch die 4-fach gestaffelten Grabendächer des W- und O-Traktes und die vorgelegten, barocken Volutengiebel ist das heutige, charakteristische Erscheinungsbild gegeben, das bereits auf dem Vischer-Stich von 1672 erkennbar ist.
Div. Umbauten des 17. bis 19. Jhs., die sich vorrangig auf den Innenausbau beziehen, vervollständigen den Bau. Als bemerkenswerter Ausdruck adeliger Hofhaltung ist das im 1. Obergeschoß des W-Traktes eingebaute Schlosstheater aus dem 18. Jh. zu sehen, das 1885 historisierend im Rokokostil umgebaut wurde, Platz für 155 Personen bietet und nach der Restaurierung von 1983 noch heute fallweise bespielt wird. 1758 entstand auch die neue, im Erdgeschoß des N-Traktes eingebaute Schlosskapelle, ein stuckverzierter 3-achsiger Raum mit Stichkappengewölbe und angebauter, zentraler Apsis. Zahlreiche Innenräume zeigen Kachelöfen des Barock und späterer Epochen. Die nach dem Brand des 18. Jhs. entstandene, heute noch erhaltene Dachstuhlkonstruktion, die im Zuge der Turmbesteigung einsehbar ist, kann als Meisterwerk barocker Zimmermannskunst gesehen werden. Die Obergeschoße des Turmes besitzen neben dem intakten Uhrwerk 2, aus den Jahren 1606 und 1756 stammende Glocken. Die im Inneren unverputzten Turmgeschoße lassen hier die spolierten Quader der abgebrochenen Burg des 13. Jhs. erkennen, die im neuzeitlichen Zwickelmauerwerk neben Ziegel sekundär verwendet wurden.
Das Schloss ist an der N- und O-Seite mit einem ausgedehnten Bastionärbering umgeben, der an der nördl. Zugangsseite auf einer 5-seitig vorspringenden Bastion eine vorgelagerte Toranlage ausbildet. Vom talwärts im O situierten Wirtschaftskomplex, der stadt- und feldseitig Toranlagen aufweist, führt eine steile Auffahrtsrampe zum Schloss. Die Vorwerke, die aufgrund ihrer Detailformen im Kern aus dem 16. Jh. stammen, zeigen mit ihren zahlreichen Zinnen und Schießscharten, die z. T. nur noch repräsentative Funktion besitzen, die bedingte Wehrhaftigkeit zeitgenössischer "Fester Schlösser". Ihre jetzige Gestalt erhielten die tlw. bewohnten und bewirtschafteten Wirtschaftsgebäude im 19. Jh. Der Schlosskomplex mit seinen Vorwerke ist Ausgangspunkt für die ausgedehnte, streckenweise gut erhaltene Stadtbefestigung, die in wesentlichen Teilen dem ausgehenden 13. Jh. zuzuweisen ist. (G.R.)