EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Kronsegg

Geschichte:

Um 1250 erscheint im Passauer Urbar erstmals der Name "Chranzek". Als Burgherren jener Zeit werden die Hrn. v. Maissau vermutet. 1309 wird der Kuenringer Gefolgsmann Arnold der Praunsdorfer als Besitzer von "Chrantzekk" genannt. 1354 verkauft Ulrich der Neidegger, ein Lehensmann der Kuenringer, die "Vest ze Chranczekk" an Eberhard v. Wallsee. Ob damals bereits eine Oberlehensschaft der Bgfn. v. Nürnberg über die Kuenringer auf Kronsegg bestanden hat, lässt sich nicht feststellen. Vor 1381 muss sie jedoch bestanden haben, denn in diesem Jahr belehnt Bgf. Friedrich v. Nürnberg Heinrich v. Zelking mit der "Veste Kranczek", die zuvor Leopold Weißenberger innehatte. Seit A. d. 15. Jhs. sind die Schad v. Lengenfeld als brandenburgische Lehensträger auf Kronsegg festzustellen. Nach dem Aussterben der Schad, 1492, wechseln die Besitzer sehr rasch. 1497 ist Wolfgang Meillendorfer Besitzer, 1499 Veit v. Fürst, 1503 Georg der Seisenegger, 1530 Johann Fuchsberger und Ambros Wisent, ab 1542 Johann Weißenberger, ab 1548 die Hrn. v. Mühlwang, 1567 Helmhard Jörger, und ab 1569 die Hrn. v. Leisser. Christoph Leisser, ab 1629 Burgherr, führt schlossartige Umbauarbeiten durch. 1646 hält Heinrich Konrad Schreyer als schwedischer Truppenführer die Burg besetzt, von der er Überfälle in die Umgebung verübt. 1663 werden die Frhn. v. Geymann belehnt, mit dem Auftrag, die Burg wieder instand zu setzen. Ab 1679 Besitz des Karl Frh. v. Hackelberg u. Landau. Die Hackelberg, bis 1733 im Besitz, führen letztmals Bauarbeiten durch. Danach erwirbt Frh. v. Heuel die bereits baufällige Anlage. Ab 1736 im Besitz von Franz Reinholt Frh. v. Andlern, ab 1757 Hrn. v. Moser, ab 1783 die Gfn. Fuchs. In diesem Jahr gelangen die Brandenburgischen Lehen an den österreichischen Landesfürsten. 1850 an Karl Wolfgang Gf. Aichelburg, 1928 an die Stadtgemeinde Langenlois. 1988 - 1994 erfolgen großzügige Sicherungs- und Erschließungsarbeiten durch die Gemeinde Langenlois und das Land Niederösterreich und danach die Öffnung der Burg für Besucher. (G.R.)

Bauentwicklung:

Die durchschnittlich große, gemäß der Topographie in W - O-Richtung orientierte Burganlage bietet durch ihren ausgezeichneten Erhaltungszustand und durch ihre markante Ausbildung ein außergewöhnlich wertvolles Beispiel für den Burgbau des späten 13. und 14. Jhs. Die enggeschlossene Hochburg umschließt ein Areal von ca. 50 x 16 m und geht in ihrer Grundkonzeption auf eine Anlage der 2. H. d. 13. Jhs. zurück. Von dieser stammen der bergseitig gestellte, westl. Bergfried, ein quadratischer Turm mit rund 8 m Seitenlänge und 2,00 - 2,40 m starken Mauern, Teile des Berings und der Erstbau des quergestellten, ca. 15 x 8 m großen Palasbaues. Im 14. Jh., naheliegend ab der Übernahme durch die Wallseer 1354, erfolgte ein großzügiger Neubau unter Einbeziehung älterer Bauteile. Teile des nördl. Berings wurden durch Mauerdublierungen auf eine Stärke von rund 2 m gebracht, im S ist mit einem völligen Neubau, einhergehend mit der Errichtung des östl. Tor- und Kapellenturmes, zu rechnen, doch dürften auch hier ältere Baulinien größen- und richtungsbestimmend gewesen sein. Als bemerkenswerter Umstand ist die Weiternutzung des bislang mauerschwachen Palasbaues zu sehen, dessen Mauern durch allseitige Mauerdublierungen auf eine Stärke von 2,00 - 2,70 m gebracht wurden und vermutlich eine gleichzeitige Erhöhung erhielten. Mehrere randständige Gebäude (Küche, Wirtschaftsgebäude) im Zuge des Beringneubaues, die noch deutlich Rücksicht auf wehrtechnische Aspekte nehmen, vervollständigten den Ausbau. Der schlanke, bewusst an die Zugangsseite gestellte östl. Turm sichert und dominiert das benachbarte Tor und beherbergt im 1. Obergeschoß einen bemerkenswerten Kapellenraum, dessen räumliche Beengtheit durch stark konisch erweiterte Tür- und Fensteröffnungen und Wandnischen gemildert wird. In der Laibung der östl. Altar- und Fensternische finden sich Reste einer Freskenausstattung, die von Lanc in das späte 14. Jh. datiert wird.
Folgebauphasen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit verengten durch weitere Gebäude den Raum der beiden, durch die Quersituierung des Palas gebildeten Höfe. Besonders der 4-gesch. Palas ist durch eine überdurchschnittliche Fülle architektonischer Details des 13. - 15./16. Jhs. geprägt. Die noch für die Barockzeit nachweisbaren baulichen Tätigkeiten treten heute kaum mehr in Erscheinung. Eine kleinräumige, bereits mehrphasige, spätmittelalterliche Zwingeranlage im O der Burg wurde in der Folge durch eine weitergespannte Vorburg im S und W der Hochburg ergänzt. Ein älterer Zugang im O wurde zugunsten des heutigen zugbrückengeschützten Burgtores im W aufgegeben. Der tiefe, aus dem Felsen geschrämte Halsgraben im W kann auf Bauphasen des ausgehenden Hochmittelalters zurückgehen. Auf dem durch weitere Grabenanlagen im W abgegrenzten Felsgrat sieht Schwammenhöfer ein ehem. Wirtschaftsareal. Über eine eigene Zufahrt war ein südl. ausgegliederter, heute privat bewohnter Meierhofkomplex des späten Mittelalters erschlossen. Der talwärts gegen O ziehende Felsgrat lässt weitere Grabensicherungen erkennen. Die zwar mehrtorigen, aber eher einfach konzipierten Vorwerke lassen keinerlei Reaktion auf den Einsatz von Feuerwaffen erkennen und eine dementsprechend frühe Errichtung, spätestens in der 1. H. d. 15. Jhs. vermuten. Trotz Benutzung bis ins 18. Jh. erhielt die Burg auch später keinerlei zeitgemäße Wehranlagen.
Die Burg bildet ein ausgezeichnetes Beispiel für den regional wenig überlieferten Burgbau des 14. Jhs., der hier trotz spätmittelalterlicher und (geringer) neuzeitlicher Umbauten bis heute sichtbar geblieben ist. Trotz zeitgemäßer Details lässt die Anlage das noch stark dem Hochmittelalter verbundene, wehrtechnisch geprägte Konzept und die Tradierung von Baumodellen des 13. Jhs., u. a. der sog. "2-Türme-Burgen" erkennen. Die Verwendung überlieferter, bereits vermehrt als Rangabzeichen und Statussymbol dienender, repräsentativer Bauteile ist ersichtlich. Nach Abschluss der Restaurierungs- und Erschließungsarbeiten durch die SG Langenlois 1994 ist die Burg heute für Besucher geöffnet und bietet interessierten Besuchern ein selten authentisches Burgerlebnis.