EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Ludwigstein

Geschichte:

Die auf einem Bergkegel über dem Werratal unmittelbar an der Grenze zum thüringischen Eichsfeld gelegene Burg Ludwigstein zählt zu einer kleinen Gruppe von Burgen, deren Gründung von Landgraf Ludwig I. von Hessen initiiert wurde. Außer Ludwigsstein wurden Ludwigseck und die vollständig abgegangene Burg Ludwigsau nach dem Landgrafen benannt. In den Schriftquellen wird Burg Ludwigsau erstmals 1415 in der Rechnungsüberlieferung als im Bau befindlich erwähnt und im Mai 1416 wurde Hans von Dörnberg zum Amtmann auf der fertig gestellten Burg Ludwigstein ernannt. Die Burggründung diente dem Schutz der landgräflich hessischen Interessen in diesem Teil des Werratals und richtete sich insbesondere gegen die gegenüber gelegene Ganerbenburg Hanstein auf dem thüringischen Eichsfeld, die einen wichtigen Stützpunkt des Erzstifts Mainz bildete. Burg Ludwigstein bildete von 1416 bis 1664 den administrativen Mittelpunkt des Amtes Witzenhausen und gelangte amts- und pfandweise an verschiedene Adelsfamilien. 1632 bis 1834 bildete die Burg einen Bestandteil der Grafschaft Hessen-Rotenburg. 1835 verpachtete man Burg Ludwigstein als Staatsdomäne. Nach 1919 wurde die seit 1870 unbewohnte Anlage zu einer Jugendburg ausgebaut und beherbergt heute neben der Jugendherberge das Archiv der Deutschen Jugendbewegung. (J.F.)

Bauentwicklung:

Der Baubeginn der gut erhaltenen Hauptburg von Ludwigstein datiert kurz vor 1415. In diesem Jahr ist in einer Renteirechnung des Amtes Homberg von Bauarbeiten auf der Burg Ludwigstein die Rede. Die Fertigstellung der wohl rasch aufgeführten Gegenburg zu Hanstein erfolgte bereits im Frühjahr 1416. Am 16. Mai 1416 wurde Hans von Dörnberg zum Amtmann auf Burg Ludwigstein ernannt und bezog die Burg. Der Gründungsanlage von 1415/16 gehören vom erhaltenen Baubestand die Ringmauer mit dem spitzbogigen Burgtor und der runde Bergfried an, während die sich unmittelbar an die Ringmauer anlehnenden Wohnbauten im Inneren nur in Teilen dem 15. Jahrhundert entstammen und ihr heutiges Erscheinungsbild Umbauten des 16. Jahrhunderts verdanken. 1464 lassen sich bauliche Aktivitäten des Amtmanns Georg von Buttlar nachweisen, der ein Haus mit Keller auf der Burg errichten ließ. Die renaissancezeitlichen Umbauten datieren in die 1530er bis 1560er Jahre. Eine außerhalb der Hauptburg gelegene Burgkapelle wurde von 1672 für Taufen genutzt. Im 19. Jahrhundert setzte der Verfall der Anlage ein. Sowohl 1835 als auch zwischen 1862 und 1872 erfolgten Abbrüche verschiedener Bauten, insbesondere im Bereich der vollständig verschwundenen Vorburg. Im Zuge der Nutzung als Staatsdomäne erfolgte der Einbau einer Brauerei mit Malzboden. Der Bergfried erhielt 1857 ein neues flaches Kegeldach. Seit 1870 unbewohnt fanden 1914 einige notdürftige Reparaturen statt. Auf dem Areal der Vorburg stieß man 1925 bei Grabungen auf Fundamentreste. 1920-1922 wurde die baulich teilweise verwahrloste Burg zu einer Jugendburg ausgebaut und umfassend restauriert. Moderne Umbauten (Archiv der Deutschen Jugendbewegung und Hallenbad sowie Meißnerbau) traten in den 1960er und 1970er Jahren hinzu. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die auf einem von drei Seiten von der Werra umflossenen Bergkegel errichtete Burg Ludwigstein beeindruckt ungeachtet ihrer nicht sehr großen Ausdehnung von 22 x 37 m (Hauptburg). Es handelt sich um eine kompakte rechteckige Anlage mit einem schmalen sechsgeschossigen Bergfried, der in die westliche Ringmauer eingebunden ist und den unmittelbar angrenzenden spitzbogigen Zugang zum Innenhof der Hauptburg schützt. Der sechsgeschossige Hauptturm mit gewölbtem Kellergeschoss und Hocheingang weist unter den Fenstern Schlüssellochscharten auf und erhielt 1857 ein neues flaches Kegeldach. Die Wohnbauten der Hauptburg lehnen sich direkt an die Ringmauer an. Der so genannte Landgrafenflügel gegenüber dem Zugang zur Hauptburg wurde mit Ausnahme des 1520 aufgeführten älteren Erdgeschosses unter dem Amtmann Christoph von Steinberg zwischen 1530 und 1538 errichtet und weist im Fachwerkobergeschoss Renaissance-Rosetten auf. Ein wenig älter sind die an den Außenfassaden erkennbaren Vorhangbogenfenster, die unter dem Amtmann Christian von Hanstein (ab 1515) in den Bau eingefügt wurden. Unter Christoph Hülsing, 1554-1568 Amtmann auf Ludwigstein, erfolgte 1561 die Innenausstattung des so genannten Fürstensaales. Die ehemals prächtige Wandvertäfelung existiert heute nicht mehr. Den Zustand des beginnenden 17. Jahrhunderts gibt eine von Wilhelm Dilich 1605 geschaffene Ansicht wieder. Deutlich erkennbar ist die im 19. Jahrhundert abgebrochene Vorburg mit Burgtor, ein um ein Geschoss höherer Mittelbau der Kernburg mit Erker und Quergiebel sowie ein Vorwerk mit einer Kapelle. Fundamenteste der Vorburg wurden 1925 aufgefunden. Das Innere der vom Verfall bedrohten Burg wurde zu Beginn der 1920er Jahre einer grundlegenden Restaurierung unterzogen, weist jedoch noch einige architektonische Details, wie z.B. Renaissancekamine auf. Zu den bemerkenswerten Details der Hauptburg gehören ferner zwei spätmittelalterliche Neidköpfe, der Schreier und der Rufer. (J.F.)