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Alt-Schieder

Geschichte:

Die älteste schriftliche Nachricht über die Burg in den Schenkungsnotizen an das Kloster Corvey stammt aus Jahre 822 und bezieht sich vermutlich auf die ältere Anlage. Durch Schenkungsurkunde König Arnulfs aus dem Jahr 889 wird Corvey der Besitz bestätigt. Otto III. schenkte den königlichen Hof 997 an das Erzbistum Magdeburg; danach entstand vermutlich die Kirche. 1005 erfolgte eine Bestätigung durch Heinrich II., der 1009 die freien Familien "ad civitates Schideri et Angri" unter Magdeburger Recht stellte. 1231 ist Schieder als Kirchort aufgelistet, ab 1350 taucht der Name "Alt-Schieder" auf, die Anlage verfiel in der folgenden Zeit. Die Kirche ist 1438 nicht mehr in Gebrauch. 1484 übergab Bernhard VII. zur Lippe den "Alten Hof zu Schieder" dem Augustiner-Chorherrenkloster in Blomberg, das hier einen klösterlichen Wirtschaftsbetrieb einrichten wollte und die Kirche wiederherstellte. 1530 gaben die Mönche den Hof, auf dem noch eine Glashütte stand, auf. (R.Pieper)

Bauentwicklung:

I. Die ältere, der 170-m-Höhenlinie angepasste Anlage ist 1,9 ha groß und liegt westlich der späteren Burg, die den östlichen Teil der älteren Anlage beseitigte. Sie stammt spätestens aus dem 9. Jahrhundert, ist vermutlich aber älter. Grabungen fanden im Burginneren wegen des Baumbestandes nicht statt.
II. Die jüngere, 4.2 ha große und regelmäßigere Anlage schließt nach Osten als ottonische Civitas an die ältere Befestigung an, die offenbar fortan als eine Art Vorburg diente. Die Kirche und zwei Steingebäude wurden errichtet. Zeitlich dürfte die Neuanlage in das 11. Jahrhundert oder früher zu datieren sein.
Die Kirche St. Laurentius stammt vermutlich aus der 2. Hälfte des 10. Jh. Eine Erweiterung um den Turm ist in das 11./12. Jh. zu datieren, die Einwölbung des Schiffes und Anfügung eines wohl basilikalen Nordseitenschiffes in die Zeit um oder nach Mitte des 12. Jh. Die beiden Wohn- bzw. Wirtschaftsgebäude zeigten vermutlich ebenfalls eine differenzierte Bauentwicklung, die aber nicht dokumentiert ist. (R.Pieper)

Baubeschreibung:

Alt-Schieder besteht aus zwei Wallburgen, wobei die jüngere Hauptburg in den Ostteil der Älteren, die später als Vorburg diente, eingeschnitten wurde.
Die ältere Anlage ist unregelmäßig oval und im Südwesten durch Mergelgruben stark gestört. Der Zugang erfolgte möglicherweise durch ein Hohlwegbündel von Norden an der Nahtstelle zur jüngeren Burg. Ein Spitzgraben von 1,75 m bis 2,70 m Tiefe und 2,10 m bis 4,50 m Breite mit Wall umgab die Anlage.
Die jüngere Anlage bzw. Hauptburg mit Wall und Spitzgraben (1,70 m bis 2,60 m tief) war zusätzlich mit einer Bruchsteinmauer in Kalkmörtel (1,25 m bis 1,70 m breit) gesichert (im Südwesten sichtbar erhalten). Im Südwesten stand auch ein Zangentor mit Torhaus (Grundfläche ca. 4,40 m x 6,55 m) und ca. 10 m langer Torgasse; zur Sicherung vorgelagert war eine Art runde Bastion. Von einem weiteren Tor, das davor stand, fanden sich nur Standspuren.
Die Kiche war ein Saalbau von 15,7 m x 13,1 m Größe; der querrechteckige, schmalere Chor maß 3,2 x 7 m. Die Mauerstärken betrugen zwischen 0,9 m und 1,2 m. Der Westturm war mit einer Baunaht an den Saalbau gefügt und 5 m x 7,6 m groß bei Wandstärken um 1 m; die Südwand war 2,8 m stark und verlief bündig mit der Südwand der Kirche (Turmaufgang?). Eine Wölbung erfolgte nachträglich über eingestellte Wandvorlagen. Ebenfalls nachträglich angefügt wurde ein schmales und daher wohl basilikales Nordseitenschiff. 14 Bestattungen lagen außerhalb der Kirche. - Künftige archäologische Untersuchungen sollten klären, ob die ältere Anlage nicht Hauptburg blieb und um eine stadtähnliche Siedlung ergänzt wurde. (R.Pieper)

Arch-Untersuchung/Funde:

1899 durch C. Schuchhardt und O. Weerth, 1938 durch L. Nebelsiek, 1967 durch F. Hohenschwert. Fund von 11 Ost-West ausgerichteten Körpergräbern an der Ostseite der ergrabenen Kirche. Keramik wohl E. 10. Jh. bis spätestens Mitte 13. Jh. Kamm. Zahlreiche Metallfunde. (R. Pieper)