EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rheda

Geschichte:

Vermutlich gab es schon um 1000 eine Turmhügelburg in der Emsschleife. 1086/88 werden Höfe mit einem Haupthof und einer Eigenkirche im Kirchspiel Rheda erwähnt. Burg Rheda wurde von Widukind von Rheda in Stein ausgebaut und erstmals 1170 erwähnt. Nach 1191 errichteten die Edelherren zur Lippe den Kapellenturm (1220/30). Vor der Burg entstand ein Flecken mit Burgmannshöfen und einem Holz-Erde-Wall. Simon zur Lippe, Dompropst zu Paderborn, besetzte 1244 die Burg Rheda. Sein Bruder Bernhard III. konnte sie nur durch Belagerung und mit Hilfe Bischofs Ludolfs von Münster zurückerobern. 1245 erkannte Bernhard III. die Lehnshoheit Münsters an. 1365 fiel die Anlage an Otto von Tecklenburg. Durch Heirat gelangten Burg und die Herrschaft Rheda 1562/57 in den Besitz der Grafen von Bentheim. 1606 wurde die Herrschaft Rheda an die Linie Bentheim-Tecklenburg-Rheda vererbt. Seit 1707 war das Schloss zeitweise Residentz, ab 1757 dauernd. Es entstand ein vielfältiges Hofleben und weitere repräsentative Bauten. Heute ist das Schloss privat bewohnt. (H.T.)

Bauentwicklung:

Das imposante Wasserschloss wurde um 1170 erbaut, größere Umbauten fanden in den Jahren von 1221 bis 1235 statt. In dieser Zeit entstand auch der wichtige und sehr ungewöhnliche, schwer befestigte Turm, in dem sich die Funktion als Tor- und Kapellenturm sowie als Wohntrakt verbinden. Die drei äußeren Seiten sind aus Bruchsteinen, die Innenseite aus Ziegeln erbaut und deuten auf den Einfluss des Klosters Marienfeld, wenn nicht sogar auf die gleiche Bauhütte hin.
Ein weiterer Ausbau der Burg erfolgte im 15. Jahrhundert, 1612 kam der Weserrenaissance-Galierieflügel hinzu sowie 1702 der Schlossgarten und das Torhaus 1719. Der Haupttrakt, ein Ziegelbau mit Freitreppe aus der Zeit von 1745-1747 auf dessen Gartenseite eine Säulenloggia verläuft, wurde nach einem veränderten Entwurf des Osnabrücker Ingenieuroffiziers Treu erbaut. Von 1745 stammt der Barockflügel mit Rokoko-Festsaal. Bis 1756 erfolgte der Innenausbau mit großzügigem Treppenhaus. Bei weiteren Baumaßnahmen entstand der Marstall 1760 und das Komödienhaus und die Kanzlei 1780,
Im 19. Jahrhundert wurde der obere Turmabschluss verändert und eine große Zeltdachhaube aufgebracht. 1963-64 wurde der Kapellenraum und 1988 der außerhalb der Schlossinsel liegende, 1623 angelegte geometrische Garten nach Plänen aus dem 19. Jahrhundert restauriert. (H.T.)

Baubeschreibung:

Die L-förmige Anlage gliedert sich in einen massiven Kapellenturm, einem Wohnflügel im Weserrenaissancestil und einen barocken Haupttrakt.
Der stauffische Turm ist viergeschossig, im unteren Geschoss befindet sich der alte Eingang zur Burg mit vier tonnengewölbten Seitenräumen. Ursprünglich konnten die Räume von der Kapelle aus mit Fallgattern verschlossen werden. Im zweiten und dritten Stock befand sich die evangelische Kapelle, die dem heiligen Romanus geweiht war. Sie bildet ein Bindeglied zwischen dem Typ der älteren Doppelkapelle und der neu enstehenden Kapelle mit freier Raumeinteilung. Der hohe Mittelraum ist in zwei Joche geteilt und verläuft nur durch die Emporenanlage an der Nord-, Süd- und Ostseite über zwei Geschosse. Im Westen liegt hinter einer dreiteiligen Arkade eine doppelläufige Treppenanlage. Im Norden betritt man die Kapelle über eine Freitreppe aus jüngerer Zeit und gelangt in eine Vorhalle mit verziertem Säulenportal. Im unteren querrechteckigen Altarraum liegt außerdem die Sakristei. An drei Seiten läuft ein tonnengewölbter Umgang mit Emporen, der einen sehr wehrhaften Eindruck vermittelt. Es ist anzunehmen, dass sich dort über der Sakristei ehemals der herrschaftliche Bereich und im Osten ein weiterer Altar befand. Eine zweite Treppe verbindet den unteren Altarplatz mit der Empore. Die obere Altarnische ist seitlich von je drei gewölbetragenden Säulen eingefasst. Das Rosettenfenster findet gegenüber eine Entsprechung in einem schlichten Kreisfenster (Westseite).
Die teilweise aus Schiefer bestehenden Säulen des Treppenaufganges lassen auf fremde Einflüsse schließen.
Im vierten Geschoss des Turmes lag ein beheizbarer Raum mit Abortanlage aus der Zeit um 1270-80, der spätgotisch verändert wurde. Der Wohnraum war von der Vorhalle im ersten Obergeschoss direkt über eine Wendeltreppe zugänglich. Das Besondere diese Turmes ist die Verbindung westfälischer Bauelemente aus der Zeit um 1230 mit den Besonderheiten der westeuropäischen Donjons und die eindeutige Verbindung zu den syrischen Kreuzfahrerburgen des 12. Jahrhunderts.
Im Süden schließt die Torhallevon 1719 mit schlichtem Rustikaportal an sowie der Wohntrakt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Zum Hof öffnen sich mehrere reizvolle Portale, ein wappengeschmückter Erker und eine Galerie im Obergeschoss. Der Südgiebel ist im Stil der Lipperenaissance gestaltet. Der Festsaal des Hauptgebäudes ist mit Jagdmotiven in Rokokostuck von Joseph Geitner verziert (1754). Der Prunkkamin aus Hohenlimburger Marmor stammt von Tobias Sultzer (1747/48) und in vier Räumen finden sich noch Tapeten aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Im Nordwesten befindet sich ein Wohnturm mit Schornstein und Steinkreuzfenstern aus der Zeit um 1400 und das jüngere Zeltdach mit Ecktürmchen.
Im Westen vor dem Schloss liegen hauptsächlich Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert, darunter die fürstliche Kanzlei von 1780 und die Wassermühle von 1772. (H.T.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Eine kurze archäologische Untersuchung verlief 2004 ohne Befund.