EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rheda

Geschichte:

Die Anfänge einer an der alten Handelsstraße Münster-Paderborn-Kassel gelegenen Burg reichen vermutlich bis in das 11. Jahrhundert zurück und werden in der Literatur gelegentlich mit einem 1086/88 genannten Haupthof im Kirchspiel Rheda in Verbindung gebracht. Der archäologische Nachweis der Anlage steht noch aus. Eine indirekten Hinweis auf die Existenz einer Burg bietet die Nennung des Widukind von Rheda im Jahr 1170. Nach dem Tod dieses Edelherrn, der während der Belagerung von Akkon auf dem Dritten Kreuzzug starb (1189/91) gelangte die Burg an die Edelherren zur Lippe. Bernhard II. zur Lippe nutzte Rheda als einen bevorzugten Herrschaftsmittelpunkt und begann wohl Ende des 12. Jh. mit dem Um- und Ausbau der Anlage. Spätestens unter Hermann II. zur Lippe wurde der Burghügel zu einer Hochmotte aufgeschüttet und die Toranlage durch den noch erhaltenen, bis heute die Silhouette des Schlosses bestimmenden Tor- und Kapellenturm ersetzt (um 1200 bzw. 1220/30). Unter Hermann II. zur Lippe entstand wohl auch der Burgflecken mit diversen Burgmannensitzen, der um 1300 neu befestigt wurde und 1355 schließlich Stadtrechte erhielt. Simon zur Lippe, Dompropst zu Paderborn, besetzte 1244 in Abwesenheit seines Bruders Bernhard III. Burg Rheda, so dass letzterer erst nach einer Belagerung, die von Bischof Ludolf von Münster unterstützt wurde, erneut von Rheda Besitz ergreifen konnte. 1245 erfolgte die Anerkennung der Lehnshoheit des Hochstifts Münster durch Bernhard III. zur Lippe. Bereit Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Rheda zum Mittelpunkt einer eigenständigen Herrschaft, die 1365 im Erbgang an die Grafen von Tecklenburg fiel. Die Eheschließung Everwins III. von Bentheim (1536-1562) mit der Erbin von Tecklenburg, Anna (1532-1582) ermöglichte nicht nur die Akquisition der Grafschaft Tecklenburg sondern auch der Herrschaft Rheda. Seit 1707 diente das in der Frühen Neuzeit um- und ausgebaute un dmit repräsentativen Bauten versehene Schloss zeitweise und ab 1757 schließlich dauerhaft als Residenz. Schloss Rheda befindet sich bis heute im Bestiz des 1817 in den Fürstenstand erhobenen Hauses Bentheim-Tecklenburg. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Wertvolle Erkenntisse zu den hochmittelalterlichen Anfängen des Schlosses Rheda ermöglichte eine baubegleitende archäologische Untersuchung von Teilbereichen der Anlage im August/September 2017 durch die LWL-Archäologie für Westfalen. Die Sanierung der Brücke und des Zuwegs zur Hauptburg ermöglichten Einblicke in den hochmittelalterlichen Aufbau der Motte. Im Zuge der Arbeiten stieß man auf Reste des hochmittelalterlichen Mauerwerks der Ringmauer, die auf einer Länge von 5.20 m freigelegt werden nonnte. Es handelt sich um Reste der in Nord-Süd-Richtung verluafenden Ringmauer, die sich an den quadratischen Tor- und Kapellenturm anschließt. Darüber hinaus ermöglichten Baubefunde an dem Wohnturm am Ostende der Motte Aufschlüsse über die ehemalige Ringmauer, die sich im rechten Winkel an diesen Turm anschloss. Tor- und Kapellenturm sowie die archäologisch nachweisbaren Ringmauerreste entstanden sehr wahrscheinlich zeitgleich um 1200. Einer spätmittelalterlichen Ausbauphase des Schlosses gehört der vermutlich in die Mitte des 14. Jahrhunderts datierende Wohnturm an der Ostseite des Burgareals an, der wohl um oder nach 1500 um zwei Stockwerke erhöht worden ist. Der im Südwesten der Hauptburg gelegene Galerieflügel entstand 1612. Unklar ist die Datierung eines sich anhand von Bauspuren an der Südwand des Kapellen- und Wohnturms ablesbaren Torbaus, der in einem Inventar von 1623/24 auch ein Backhaus beherbergte. Sehr wahrscheinlich löste dieser Bau die ursprüngliche Toranlage in dem Tor- und Kapellenturm ab. Nach dem Brand des Schlosses 1718 wurde dieses Torgebäude mit Backhaus offenbar aufgegeben und durch das heute noch erhaltene Torhaus abgelöst. 1745 bis 1747 entstand eine neues barockes Hauptgebäude. Zu den weiteren, der Residenz zuzuordnenden Gebäuden gehören Komödienhaus und Kanzlei 81780) sowie der Marstall (1760). Im 19. Jahrhundert wurde der obere Turmabschluss verändert und ein großes Zeltdach aufgebracht. Die bedeutende stauferzeitliche Kapelle wurde 1963-64 renoviert und und 1988 erfolgte die Revitalisierung des außerhalb der Schlossinsel gelegenen, 1623 angelegte Garten auf der Grundlage von Plänen aus dem 19. Jahrhundert. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die L-förmige Anlage gliedert sich in einen massiven Kapellenturm, einen Wohnflügel im Weserrenaissancestil und einen barocken Haupttrakt.
Der staufische Turm ist viergeschossig, im unteren Geschoss befindet sich der alte Eingang zur Burg mit vier tonnengewölbten Seitenräumen. Ursprünglich konnten die Räume von der Kapelle aus mit Fallgattern verschlossen werden. Im zweiten und dritten Stock befand sich die evangelische Kapelle, die dem heiligen Romanus geweiht war. Sie bildet ein Bindeglied zwischen dem Typ der älteren Doppelkapelle und der neu entstehenden Kapelle mit freier Raumeinteilung. Der hohe Mittelraum ist in zwei Joche geteilt und verläuft nur durch die Emporenanlage an der Nord-, Süd- und Ostseite über zwei Geschosse. Im Westen liegt hinter einer dreiteiligen Arkade eine doppelläufige Treppenanlage. Im Norden betritt man die Kapelle über eine Freitreppe aus jüngerer Zeit und gelangt in eine Vorhalle mit verziertem Säulenportal. Im unteren querrechteckigen Altarraum liegt außerdem die Sakristei. An drei Seiten läuft ein tonnengewölbter Umgang mit Emporen, der einen sehr wehrhaften Eindruck vermittelt. Es ist anzunehmen, dass sich dort über der Sakristei ehemals der herrschaftliche Bereich und im Osten ein weiterer Altar befand. Eine zweite Treppe verbindet den unteren Altarplatz mit der Empore. Die obere Altarnische ist seitlich von je drei gewölbetragenden Säulen eingefasst. Das Rosettenfenster findet gegenüber eine Entsprechung in einem schlichten Kreisfenster (Westseite).
Die teilweise aus Schiefer bestehenden Säulen des Treppenaufganges lassen auf fremde Einflüsse schließen.
Im vierten Geschoss des Turmes lag ein beheizbarer Raum mit Abortanlage aus der Zeit um 1270-80, der spätgotisch verändert wurde. Der Wohnraum war von der Vorhalle im ersten Obergeschoss direkt über eine Wendeltreppe zugänglich. Das Besondere dieses Turmes ist die Verbindung westfälischer Bauelemente aus der Zeit um 1230 mit den Besonderheiten der westeuropäischen Donjons und die eindeutige Verbindung zu den syrischen Kreuzfahrerburgen des 12. Jahrhunderts.
Im Süden schließt die Torhalle von 1719 mit schlichtem Rustikaportal an sowie der Wohntrakt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Zum Hof öffnen sich mehrere reizvolle Portale, ein wappengeschmückter Erker und eine Galerie im Obergeschoss. Der Südgiebel ist im Stil der Lipperenaissance gestaltet. Der Festsaal des Hauptgebäudes ist mit Jagdmotiven in Rokokostuck von Joseph Geitner verziert (1754). Der Prunkkamin aus Hohenlimburger Marmor stammt von Tobias Sultzer (1747/48) und in vier Räumen finden sich noch Tapeten aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Im Nordwesten befindet sich ein Wohnturm mit Schornstein und Steinkreuzfenstern aus der Zeit um 1400 und das jüngere Zeltdach mit Ecktürmchen.
Im Westen vor dem Schloss liegen hauptsächlich Fachwerkgebäude aus dem 18. Jahrhundert, darunter die fürstliche Kanzlei von 1780 und die Wassermühle von 1772. (H.T.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Eine kurze archäologische Untersuchung verlief 2004 ohne Befund.