EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Biedenkopf

Geschichte:

Die Anfänge des Landgrafenschlosses Biedenkopf reichen sehr wahrscheinlich bis in die zweite Hälfte des 12. Jhs. zurück. Im Hochmittelalter gehörte der Raum Biedenkopf zum Herrschaftsbereich der hessischen Grafen Werner, deren dortiger Besitz 1121 an die in der Nähe der Stadt Wetter ansässigen Gisonen fiel. Ein Jahr später, 1122, folgten der mit Giso IV. erloschenen Familie der Gisonen die Landgrafen von Thüringen als Inhaber bedeutender Herrschaftsrechte in Oberhessen. Ursprünglich gehörte die in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. errichtete Burg Biedenkopf, zu deren Burgmannschaft der 1196 erwähnte Ministeriale Hartmothus de Biedencap zählte, zum Besitz der Herren von Hohenfels. In den Jahren 1231-34 zogen die Landgrafen von Thüringen verschiedene Güter - u. a. auch Biedenkopf - an sich. Konrad, ein Bruder des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen, gründete sehr wahrscheinlich unmittelbar nach der Besitzübernahme 1231/32 unterhalb der Burg die 1254 erstmals als Stadt (oppidum) bezeichnete Talsiedlung Biedenkopf. Nach dem Aussterben der thüringischen Landgrafen aus dem Hause der Ludowinger erhob 1247 Sophie von Brabant, die Tochter der Heiligen Elisabeth von Thüringen, für ihren Sohn, den späteren Landgraf Heinrich I. von Hessen, Ansprüche auf die Grafschaft Hessen. Während den militärischen Auseinandersetzungen mit dem Erzstift Mainz bildeten Burg und Stadt Biedenkopf einen wichtigen Eckpfeiler des sich formierenden Territoriums der hessischen Landgrafen. In dem Konflikt zwischen Landgraf Heinrich I. und seinen Söhnen Otto und Heinrich, wurde die Burg Biedenkopf vermutlich um 1290 zerstört, und in der Folgezeit von Otto als "Nebenresidenz" in Teilen wiederhergestellt. Der rückwärtige Teil der langgestreckten Anlage blieb Ruine. Infolge der Teilung Hessens nach dem Tode Philipps des Großmütigen 1567, gelangten die Ämter Biedenkopf und Battenberg (ursprünglich mainzisch, seit 1564 hessisch) zum Oberfürstentum Hessen-Marburg, 1648/50 kamen Biedenkopf und Battenberg nach einem langjährigen Erbfolgestreit mit Hessen-Kassel um das Vermächtnis Ludwigs III. von Hessen-Marburg (+1604) an Hessen-Darmstadt. Bedingt durch die Randlage am äußersten nördlichen Rand des Fürstentums Darmstadt verlor die nun als "Hinterland" bezeichnete Region ihre Bedeutung. 1866 wurde Biedenkopf preußisch. (J.F.)

Bauentwicklung:

Wesentliche Erkenntnisse zur baulichen Entwicklung des Biedenkopfer Landgrafenschlosses konnten im Zuge einer umfassenden Sanierung der Anlage zu Beginn der 1990er Jahre ermittelt werden. Der nördliche Teil der Burg, der vermutlich in den 1290er Jahren zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde, konnte in den 1930er Jahren freigelegt werden. Der schlanke runde Hauptturm an der Südseite des Burggeländes ist dendrochronologisch entweder in das Jahr 1158 oder - eher noch - in das Jahr 1175 zu datieren. Wigand Gerstenberg notierte in seiner ab 1493 entstandenen Hessischen Chronik, Landgraf Otto (+1328), habe in den Jahren 1293-1297 das Schloss Biedenkopf vorne auf dem Berg errichtet, das vormals dahinter gelegen habe. Bei dieser Baumaßnahme handelt es sich um die teilweise Wiederherstellung der Gebäude im Südteil der Burg. Zum Baubestand dieser Anlage des ausgehenden 13. Jhs. zählt u. a. ein 1961 nachgewiesener rechteckiger Wohnturm, dessen Fundamente 1964 durch die nordwestlich an den so genannten "Palas" anschließende Hausmeisterwohnung überbaut wurden. Um 1360/65 entstand an der Nordwestecke des heutigen Schlosses ein zweiter Wohnturm, dessen Mauerwerk in den 1455 begonnenen Bau des Hauptgebäudes ("Palas)) miteinbezogen wurde. Der Brunnen- oder Zisternenschacht in der Erdgeschosshalle des Wohnbaus lag ursprünglich frei im Hof und wurde erst 1455 überbaut. Das imposante Dachwerk des als "Palas" bezeichneten Kemenatenbaus ist nach dendrochronologischer Datierung 1458 aufgerichtet worden. Etwa zur gleichen Zeit wie den Wohnturm, integrierte man in den 1360er Jahren den runden Bergfried in die Ringmauer und schuf einen neuen, durch die Zwingeranlage an der Südseite gesicherten Zugang zur Burg. Das seit 1520 leerstehende Hauptgebäude diente von 1579-1842 als Fruchtspeicher. 1843 ergänzte der hessen-darmstädtische Kreisbaumeister Sonnemann die Ringmauern und den Bergfried mit einem neuen Zinnenkranz. In den seit den 1840er Jahren zu Lagerzwecken genutzten Räumen des Hauptgebäudes wurde 1908 das Hinterlandmuseum eröffnet. 1950-55 entstand an der Außenseite des Südzwingers ein Gastronomiebetrieb. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die auf einem Berggrat gelegene, langgezogene Anlage setzt sich aus dem noch erhaltenen Südteil und dem lediglich in Ruinen bestehenden Nordteil zusammen. Deutlich erkennbar ist der Anschluss der Burg an die Stadtbefestigung, deren Mauer sich in südliche Richtung hangabwärts zieht und mehrere Schalentürme aufweist. Der heutige Zugang zur Burg wurde um 1360 angelegt und erfolgt durch den Zwinger an der Südseite der Burg, vorbei an dem runden Bergfried (dendrodatiert in das Jahr 1175; Durchmesser 7 m) zum Tor des Innenhofs der Hauptburg. An der Ostseite des Hofes befindet sich die als "Palas" bezeichnete Kemenate, die 1455 unter Einbeziehung eines älteren Wohnturms (11.5 m x 9,5 m) begonnen wurde. Der imposante Dachstuhl des zweigeschossigen Gebäudes wurde dendrochronologisch in das Jahr 1458 datiert. An der nördlichen rückwärtigen Front befindet sich ein Aborterker. Im Zuge des Kemenatenbaus wurde auch ein urprünglich frei im Hof stehender Brunnen- oder Zisternenschacht überbaut, dessen Reste sich in der Eingangshalle erhalten haben. Unter der in den 1960er Jahren errichteten Hausmeisterwohnung - es handelt sich um einen Anbau an die Kemenate - stieß man 1964 auf die Reste eines zweiten querrechteckigen Wohnturmes. Sowohl die Zinnen der Ringmauer als auch des runden Bergfriedes, dessen ursprünglicher Hocheingang an der Nordseite erkennbar ist, stammen aus dem Jahr 1843. Die westliche Ringmauer der nach Zerstörung um 1290 wüst gefallenen Nordburg weist an der Westseite zwei halbrunde Schalentürme und an der Nordwestecke einen dreiviertelrunden Flankenturm auf. Der Zugang erfolgte offenbar von Norden durch ein einfaches Kammertor an der Nordostecke. Dem rechteckigen Bering folgt eine ovale Zwingermauer. Beachtung verdienen die Fundamente eines Rundturms auf einem mottenähnlichen Hügel im Bereich des Zwingers vor dem Nordende der Ringmauer. Vermutlich handelt es sich bei dem Rundturm im Norden um ein Pendant zum dem noch erhaltenen Bergfried an der Südseite des Burggeländes. Auf dem Gelände der Nordburg wurden in den 1930er Jahren Reste verschiedener Gebäude ergraben und deren Mauerreste gesichert. (J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

In den 1930er Jahren wurden Teile der Ende des 13. Jhs. zerstörten und nicht wiederhergestellten Nordburg freigelegt. Im Bereich der Südburg stieß man 1961 auf die Fundamente eines Wohnturmes an der Nordwestseite. (J.F.)