EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Godelheim, Brunsburg

Geschichte:

Die fränkischen Reichsannalen berichten, dass Karl der Große 775 zum Brunsberg an der Weser zog, dort die Sachsen besiegte und den Weserübergang erzwang. Eine Befestigung auf dem Berg wird dabei aber nicht erwähnt. Dennoch geht die Geschichtsforschung davon aus, dass zu dieser Zeit dort eine sächsische Wallburg bestanden hat. Es gibt keinen Hinweis für eine Weiterverwendung der Befestigung durch die Franken.
Abt Widukind von Corvey (1189-1203) hat dann auf dem Brunsberg eine Burg errichten lassen. Da er 1198 dort urkundete, dürfte sie damals fast oder ganz fertig gestellt gewesen sein. Die Burg diente fortan den Äbten als Nebenresidenz. Es ist möglich, dass sie am Ende des 13. Jhs. an Albert dem Älteren von Amelunxen verpfändet war. Nach einer Überlieferung aus dem 15. Jh. ist die Burg 1294 von dem Paderborner Bischof und dem Grafen von Schwalenberg zerstört worden. Nach den historischen Zusammenhängen ist zumindest ein Zeitraum zwischen 1288 und 1303 für ihre Aufgabe, sei sie gewaltsam gewesen oder nicht, anzunehmen. Aus dem 14. Jh. stammt ein bei Ausgrabungen erfasster Kalkbrennofen auf der Burg. Weitere Zerstörungen fanden zu Beginn des 19. Jhs. statt, als das Steinmaterial für den Chausseebau verwendet wurde. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die auf dem Burgareal aufgelesene frühmittelalterliche Keramik kann nicht einzelnen Baustrukturen zugewiesen werden. Es wird angenommen, dass der nur schwach ausgebildete Stein-Erde-Wall an der südwestlichen und westlichen Hangkante in die Karolingerzeit gehört. Die nördlichste Wall-Graben-Anlage, die das Plateau vom Berg abschneidet, wird ebenfalls in diese Zeit datiert.
Die Corveyer Landesburg wurde in den 1190ern errichtet. 1221 wird eine Burgkapelle indirekt erwähnt. Um 1300 ist die Burg aufgegeben worden. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Der sächsischen Burg werden Befestigungen am West- und Südwestrand und im Norden des Bergsporns zugewiesen. Daraus ergibt sich eine Fläche von ca. 6,6 ha. Diese Wälle zeigten bei Ausgrabungen eine Basisbreite von ca. 6 m bei einer erhaltenen Höhe von 1,40 m. Die Wallschüttung bestand aus dem anstehenden Boden, vermischt mit Kalksteinen ohne Verstärkung der Wallfront.
Die 1,9 ha große, hochmittelalterliche Abtsburg ist auf drei Seiten durch einen 16 - 24 m breiten, tief in den Fels getriebenen Graben gesichert gewesen, der im Süden in eine natürliche Spalte übergeht. Zusätzlich war sie durch eine 1,40 m breite Ringmauer aus vermörtelten Kalksteinen gesichert. Mehrere weitere Befestigungsstrukturen wie ein vorburgartiges Gelände im Norden, drei kurze Abschnittswälle auf dem Berghals und ein sogenanntes "Castell" im Süden entziehen sich bisher einer Datierung und Zuordnung. Eine Toranlage befand sich wohl im Südosten. Von der Innenbebauung sind nur Schutthügel und Vertiefungen erhalten, u. a. drei Brunnen oder Zisternen und ein 48 x 23 m großer Palas. Im Bereich der nördlichen Ringmauer liegt unter einem Schuttkegel der Bergfried mit einem angrenzenden Gebäude. Auch ein quadratischer Turm mit 6,60 m Seitenlänge liess sich identifizieren. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Kleinräumige Ausgrabungen 1997, 2006/07 und Begehungen