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Böckel

Geschichte:

Die älteste Geschichte des im Rödinghauser Ortsteil Bieren gelegenen Hauses Böckel ist ungewiss. 1472 kommt als ältester nachweisbarer Besitzer die ritteradelige Familie von Quernheim vor. Zuvor sind möglicherweise die von dem Bussche-Gesmold Besitzer des Hauses gewesen sein, denn wie später die von Quernheim trug bereits um 1350 Alhard von dem Bussche den Meyerhof Schwenningdorf vom Kloster Iburg zu Lehen, der zu den Lehnspertinenzen des Gutes zählt. Für diese Annahme würde auch ein Schlussstein mit dem Wappen der Familie im Gewölbe der Kirche in Rödinghausen sprechen. Durch Heirat kam die Anlage um 1555 an die Familie von Voß. Zur Herrschaft über Böckel gehörte auch das halbe Holzgericht der Kilver Mark (siehe Kilver). Heinrich von Voß und Magdalene geb. von Steinberg ließen ab 1680 den bis heute erhaltenen barocken Schlossbau errichten. Nach der Familie von Voß heißt die Anlage auch Voßböckel, um sie vom benachbarten Gut Altenböckel (Hakenböckel) zu unterscheiden. Spätestens 1660 waren beide Güter, die vermutlich ursprünglich zusammengehörten, vereinigt. 1730 erwarben die von Voss Haus Groß-Eickel, ein adeliges Gut im nahe gelegenen Lübbecke, das Beata Elisabeth von Voß, verwitwete von Vincke, später an ihren Sohn Ernst Idel von Vincke abtrat. Böckel erhielt ihr Sohn Viktor Heinrich von Voß. Dem britischen Oberhauptmann gehörte auch Gut Vellinghausen, doch beide Güter waren damals hoch verschuldet. Eine Eheverbindung mit der Familie von Vincke zu Waghorst (siehe Waghorst) konnte zunächst den Konkurs abwenden. Sie ermöglichte es ihm außerdem, inzwischen stark verfallene Gebäude auf Böckel instand setzen oder erneuern zu lassen. Nach seinem Tode stand die Witwe mit ihrer Tochter Dorothea Friderika weiter im Grundbuch. Diese heiratete Wilhelm Rudolf von Buttlar zu Ellerburg, der zunächst als Mitbesitzer, nach dem Tode seiner Schwiegermutter 1767 als alleiniger Besitzer Böckels erscheint. Idel Jobst von Vincke zu Ostenwalde ersteigerte 1771 das überschuldete, 1768 in Konkurs gegangene Gut. Die von Vincke verkauften es 1809, danach wechselten noch dreimal die Besitzer, bevor das Wasserschloss an die bürgerliche Familie Delius kam. Sie verkaufte es 1874 an den russischen Staatsrat König aus Petersburg, dessen Enkelin, Schriftstellerin Hertha König, auf Böckel aufwuchs und hier bis zu ihrem Tode 1976 lebte. Sie hieß als Gäste auf Böckel u.a. Rainer Maria Rilke und Martin Heidegger willkommen. 1976-1991 war das Schloss im Besitz ihres Großneffen Halvor Jörgensen, seit 1991 gehört es der Familie von Oeynhausen-Leffers. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Die Wasserburg Böckel lag einst auf zwei Inseln (Ober- und Unterburg), wobei die Binnengräfte an der Nordostseite laut Urkataster später zugeschüttet wurde. Nördlich und westlich sind weitere Gräften und eine Mühle vorgelagert. Das dreiflügelige Herrenhaus auf der Hauptinsel, inschriftlich auf 1682 datiert, erscheint im Urkataster dreiflügelig mit offener Seite nach Osten. Die Hauptfront im Norden enthält die Durchfahrt und ist seitlich durch quadratische Eckpavillons ausgezeichnet. Die beiden rückwärtigen Flügel wurden 1884/85 weitgehend umgebaut.
Die etwas kleinere Vorburginsel ist mit einem nach Süden offenen Dreiflügelbau besetzt. In den breit gelagerten Mittelflügel auf der Nordseite ist das um 1800 veränderte Torhaus integriert, das auf der Feldseite über der Durchfahrt eine Wappenkartusche Voß-Steinberg mit Inschrift 1680 zeigt. Die Seitenflügel dürften zu Wirtschaftsgebäuden bestimmt gewesen sein. Die Feldseite des Vorburg-Westflügels ist mit drei Schlüssellochscharten besetzt, eine Wappentafel an der Hofseite des dortigen Ostflügels datiert 1751. 1694 wurde eine Hauskirche errichtet, sie stand 1825 nicht mehr. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Auf der Hauptinsel steht das dreiflügelige Herrenhaus von 1682 mit Durchfahrt in der Hauptfront, die seitlich durch quadratische Eckpavillons betont wird. Die Seitenflügel sind jüngeren Datums.
Auf der Vorburginsel steht ein nach Süden hin geöffneter Dreiflügelbau, das Torhaus ist etwas aus der Achse gerückt. Auf der Feldseite ist über der Durchfahrt das Wappen Voß-Steinberg angebracht. Die Feldseite des Vorburg-Westflügels ist mit drei Schlüssellochscharten besetzt. Eine Wappentafel an der Hofseite des dortigen Ostflügels entstand 1751. Nördlich und westlich der Hauptinseln sind eine Umflut und zusätzliche Gräften angelegt. (Andreas Kamm)