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Niedermühlenburg

Geschichte:

Die Anfänge der Niedermühlenburg, meist Mühlenburg genannt, liegen vermutlich im Jahr 1505, als die Brüder Wilhelm und Gerhard von Ledebur das väterliche Erbe Gut Mühlenburg in Nieder- und Obermühlenburg teilten. Wilhelm erhielt den Besitzteil Niedermühlenburg und setzte, nach von der Horst, die Ledebursche Hauptlinie fort. Gerhard bekam das fortan Obermühlenburg genannte Erbteil. 1696 kaufte Heinrich Ledebur zu (Nieder-)Mühlenburg Gut Obermühlenburg, wodurch beide Güter wieder vereinigt waren. Seither nannte sich die Besitzerfamilie "von Ledebur zu Ober- und Niedermühlenburg". 1633 liegt ein Inventar der Mühlenburg vor, neun weitere datieren zwischen 1733 und 1798. 1726 wurde der Familienfideikommiss Mühlenburg gestiftet, nachdem Mühlenburg jeweils dem ältesten Sohn zufallen sollte. Nach dem Erwerb des Hauses Crollage in Preußisch Oldendorf (siehe Crollage) 1759 verlegten die Ledeburs ihren Wohnsitz dorthin. 1804 betrug der Wert des Mühlenburger Besitzes 100.000 Taler. Für 1809 ist ein Verzeichnis zum Verkauf anstehender Einrichtungsgegenstände überliefert, zwei Beschreibungen des Hauses liegen für 1797 und 1812 vor. Die Verwaltung des Hauses Mühlenburg ging zwischen 1809 und 1829 von einer Ledeburschen Familienadministration aus, wie Akten des Familienarchivs von Bodelschwingh zu Velmede nachweisen. 1829 kam die Gutsleitung an Justizkommissar Beckhaus in Bünde. Seit 1845/46 stand der Besitz unter Zwangsverwaltung. 1849 sind Akten über die Einrichtung des Hauses und 1853/59 über Versteigerungssachen überliefert. Der Kölner Kaufmann und Raffineriebesitzer Johann Peter vom Rath erhielt im Zuge einer Zwangsversteigerung 1858 für 104.000 Taler den Zuschlag für das Anwesen und verkaufte es 1875 an die Familie Bertelsmann aus Bielefeld, 1885 kam es durch Kauf an die Familie Baum, die 1913 geadelt, den Namen von Baum-Mühlenburg annahm. Der Kreis Herford erwarb die Mühlenburg in den 1960er Jahren. Nach zwei Besitzwechseln kaufte Theodor Bruning die Anlage ca. 1970. Sie ist seither in Besitz der Familie. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Der südwestliche Eckturm des Schlosses und die Umfassungsmauern des östlich anschließenden Wohngebäudetrakts scheinen aus ältester Zeit zu stammen. In der zweiten Hälfte des 17. Jh.s ist die Mühlenburg zum Schloss mit zentraler Durchfahrt umgebaut worden. Ein Wappenstein über der feldseitigen Durchfahrt trägt das Allianzwappen von Ledebur/von Hatzfeld-Wildenburg mit der Beischrift "V. LEDeBUHR . V. HATzFeLT / 1678". Das Wappen des Ehemannes zeigt einen Sparren, das der Ehefrau im gevierten Schild vorne oben und hinten unten das Stammwappen Hatzfeldt mit einem Wolfseisen, hinten oben und vorne unten das Wappen Wildenburg mit drei (2:1) fünfblättrigen Rosen. West- und Osttrakt bildeten spätestens seit dem späten 17. Jh. den Wohnbau der Mühlenburg.
Auf bauliche Veränderungen deutet vermutlich auch ein am Eckturm eingelassener Sandstein mit dem Allianzwappen des Heinrich v. Ledebur (ein Sparren) und der Rosimunda Lucretia v. Alvensleben (zwei Balken, der obere mit zwei, der untere mit einer Rose belegt) und der Jahreszahl "1705" (keine Beischriften).
Eine Ansicht aus der Mitte des 19. Jh.s zeigt das Herrenhaus südseitig direkt an der Gräfte. Der Westtrakt mit acht Fensterachsen (alle Fensteröffnungen mit gleicher Sturz- und Brüstungshöhe) steht mit der Durchfahrt unter einem Dach, das westlich mit einem Walm schließt. Über der Durchfahrt saß ein hoher, verschieferter, runder Dachreiter mit welscher Haube. Die Fassade des höheren Osttrakts mit vermutlich 11 Fensterachsen (wie heute) zeigt westseitig einen Krüppelwalm und ostseitig einen Eckturm. Eine Brücke überspannte den Wassergraben und gab den Weg über die Durchfahrt in den Hof frei. Vom Rath ließ die Gräfte 1862 zuschütten und legte auf dem südlichen und östlichen Vorgelände einen Landschaftspark an, von dem nur noch wenige alte Bäume (ein Ahorn, je eine Kiefer, Buche, Platane) und weite Rasenflächen erhalten sind (heute etwa 2 ha groß). Nach dem Besitzwechsel 1885 erhielt der Osttrakt seine heutige Gestalt auf alten Grundmauern, über der Durchfahrt entstand ein massiver Turm. 1894 teilte von der Horst mit: "Die Grundmauern des alten Hauses stehen noch. Inwendig ist das selbe jedoch vollständig umgebaut und sind auch sämtliche Wirtschaftsräume neu." 1899 ist das Richtfest für den Umbau bezeugt. Die Jahreszahl 1899 steht auch auf dem Zifferblatt der Turmuhr. Der Westtrakt wurde nach dem Ankauf durch den Kreis Herford entkernt und zu Wohnungen umgebaut, einige Fenster der Südfassade zu Türöffnungen verändert. Der Osttrakt erhielt ein Restaurant und wird bis heute als Gastronomie bzw. Tanzclub genutzt. Langgestreckte Wirtschaftsflügel schließen nördlich an das Herrenhaus an und bilden auf diese Weise einen West- und Ostflügel und gehen anscheinend auf den Ausbau nach 1885 zurück. Die verputzte Westwand des Westflügels enthält eventuell noch älteres Mauerwerk, wie die Ansicht des 19. Jh.s vermuten lässt. Der Westflügel, ursprünglich als Kuh- und Schweinestall genutzt, setzte sich einst in der Mühlenanlage fort. Vor 1986 wurden Teile der Anlage renoviert, spätestens seit 1986 beherbergt der Bau zusammen mit dem nördlich vorgelagerten Wohnhaus eine Kegelbahn (heute "Bundeskegelbahn Schloss Mühlenburg"). Der östliche Teil des Herrenhaus-Osttraktes zählt mit seinem höheren Nordende zum Wohnbau, der nördlich aufschließende Baukörper mit niedrigerem First dient als Wirtschaftsgebäude. Ein Brunnen in Formen der Neorenaissance (Ende 19. Jh.) bildet den Mittelpunkt des so umschlossenen Hofraums. Die beiden Wohnhäuser an der Nordflanke des Hofes gehen vermutlich auf das Ende des 19. Jh.s zurück. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die etwas unregelmäßige Anlage besteht aus drei Flügeln. Die Durchfahrt aus der Barockzeit mit dem aufgesetzten Torturm des 19. Jhs. bildet das Zentrum des Südflügels. An den Turm schließt westlich ein zweigeschossiger niedrigerer Trakt an, dessen Südwestecke ein zweigeschossiger Ecktturm mit Eckquaderung und flachem Zeltdach verstärkt (Horizontalachsen des Eckturms weichen von denen der Südfassade etwas ab). Östlich des Torturms setzt ein höherer zweigeschossiger Baukörper an. Er ist zweiflügelig angelegt. Sein nach Norden ausgezogener Ostteil leitet zum niedrigeren Wirtschaftflügel über. Ein Fassadenturm mit welscher Haube, Freitreppe und Balustraden (zur Hofseite), ein Erker (im östlichen Hofwinkel), eine Loggia und zwei Zwerchgiebel (zur Parkseite) sowie ein Eckturm - nach einem Umbau mit Plattform statt Zeltdach - an seiner östlichen Ecke gliedern die Fassaden des Osttrakts. Architekturelemente und Dekore zeigen historistische Formen der Spätgotik, der Renaissance und des Barocks. An seiner östlichen Stirnseite endet der Trakt in einem eingezogenen Kapellenbau mit schmalen Spitzbogenfenstern. An das Herrenhaus schließen hofseitig West- und Ostflügel als Wirtschaftsgebäude auf, wenigstens teilweise aus Ziegelmauerwerk (Westwand des Westflügels und Hofseite des Ostflügels vollständig überputzt). Die drei Flügel umfassen auf diese Weise einen Hofraum, dessen Zentrum ein Brunnen bildet. Die Nordflanke des Hofes begrenzen zwei ähnlich ausgeführte, miteinander durch einen Torbogen (Segementbogen) verbundene Wohnhäuser in Ziegelbauweise. Zwischen ihnen ist eine Durchfahrt angelegt. (Andreas Kamm)