EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Werburg

Geschichte:

Das älteste archäologische Fundstück führt die Ursprünge der Werburg ins 14.oder 15. Jh. zurück, dendrochronologische Untersuchungen weisen spätestens in die Zeit um 1448. Im Jahr 1450 waren zwei feste Häuser im Besitz der Familie, eines dürfte die Werburg gewesen sein (Leopold von Ledebur 1855). Als ältester Besitzer der Werburg ist Heinrich (von) Ledebur vor 1468 belegt. In diesem Jahr wird die Wasserburg bei einer Erbteilung unter seinen Söhnen mit den zugehörigen Ländereien und Einkünften erstmals als "Wederborch" erwähnt, darunter auch ein "kohus". Heinrichs jüngerer Sohn Johann erhielt die Werburg, sein Bruder Gerhard die benachbarte Mühlenburg (siehe Niedermühlenburg). Zur Burg gehörte vermutlich von Anfang an die Hausmühle südlich der Anlage. Lange Zeit war mit der Werburg das Erbjägermeisteramt des Hochstifts Osnabrück verbunden, das die Ledebur seit 1350 innehatten. Zunächst offenbar an den Besitz der Mühlenburg geknüpft, gehörte es 1505 zur Werburg und war bis 1773 mit ihm verbunden. Insofern könnte die Werburg ursprünglich zur Dözese Osnabrück gehört haben. Grablege der Werburg wie auch der Mühlenburg war die Pfarrkirche Sankt Martin zu Spenge. Die Ledeburs hatten das Patronat über die Kirche und eine 1450 von Heinrich Ledebur und dessen Sohn Heinrich gestiftete Vikarie inne. Bei einer Teilung des Gutes Mühlenburg 1505 kam ein Teil des Mühlenburger Besitzes (Höfe in Osnabrück) an Heinrich und Johann Ledebur zu Werburg. Zwischen 1535 und 1592 besaßen die Ledeburs zur Werburg auch die Güter Auburg und Wallenbrück (beide bei Melle, Krs. Osnabrück), außerdem einen Hof in Bielefeld und Osnabrück. 1578 brachte Anna von Ledebur zu Werburg die Anlage durch Heirat an Georg von Kettler, fortan nannte sich die Familie Ledebur-Kettler. Georg erhielt 1590 das Erbjägermeisteramt zu Osnabrück, außerdem war er Erbmarschall der Fürstabtei Herford. Akten überliefern einen 1585 beigelegten Streit mit den von Ledebur zur Mühlenburg um Mühlenpacht, den Stau der Werburger Mühle und Weiderechte. 1619 setzte Johann Ledebur-Kettler die Werburg zum Pfand wegen 500 Reichstalern, die er und Wilhelm Ledebur zur Mühlenburg Ernst Klencke zu Renkhausen schuldeten, wobei die offene Summe bis Ostern 1620 zu zahlen war. 1625 überfielen spanische Truppen die Werburg, im gleichen Jahr war außerdem eine halbe Kompanie kaiserlicher Dragoner in ihr einquartiert, wobei das Gut Schäden in Höhe von 5.000 Talern erlitt. Die Heirat Ilses von Ledebur-Kettler mit Stats Hartke von Münch-Benkhausen 1635 brachte das Gut an dessen Familie. 1721 kam zum Besitz eine Kurie des Kanonissenstiftes Schildesche bei Bielefeld hinzu. 1766 lebten 53 Personen auf den Gutsländereien, 1775 betrug die Besitzgröße 172,84 ha. Zwischen 1797 und 1813 waren in der Werburg wiederholt französische Truppen einquartiert. 1804 bis 1962 war die Werburg stets verpachtet. Wilhelm von dem Bussche-Münch verkaufte die Anlage 1814 für 80.000 Taler zusammen mit anderem Besitz (u.a. Gut Benkhaussen) seinem Bruder Georg. 1823 hatten die zu Werburg gehörigen Länderein eine Größe von 174,59 ha, wobei der Zuwachs gegenüber 1775 mit der Markenteilung zusammenhängen dürfte. 1886 kam das Anwesen in Besitz Clamors von dem Bussche-Ippenburg gen. Kessel, der den Namen Bussche-Münch annahm. 1900 fiel das Gut an dessen Neffen. 1941 verkaufte Alhard von dem Busssche-Münch es an die Gemeinde Spenge, deren Rechtsnachfolgerin seit 1969 die Stadt Spenge ist. Vom Verkauf ausgenommen war das Torhaus, das Johanne Märtens 1968 durch einen Tausch vom damaligen Besitzer erworben hatte. Sie verkaufte es 1991 an die Stadt Spenge. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Dem ältesten archäologischen Fundstück zufolge liegen die Ursprünge der Werburg im 14.oder 15. Jh. Ein auf diese Zeit datiertes Unterteil eines Gefäßes aus Schwarzirdenware fand sich auf der Hauptburginsel südlich der Scheune. Dort bildet eine waagerecht liegende Eichenholzkonstruktion das Fundament eines 1,1 m breiten Mauerzuges, der auf einen spätmittelalterlichen Gebäudebefund schließen lässt (darüber liegender Mauerzug, 0,6 m breit, möglicherweise erheblich jünger). Eines der Fundamenthözer wurde dendrochronologisch auf die Zeit um 1448 datiert. Vermutlich bestand die Anlage zunächst nur aus einer Insel (künftig Hauptburginsel) und der inneren Gräfte. Spätestens mit dem Bau des Torhauses 1596 dürfte die an der Nord- und Ostseite erhaltene äußere Gräfte angelegt worden sein. Der Vorgängerbau des Hauptgebäudes (im Dehio 1986 ist der Wohnbau fälschlich als Wirtschaftsgebäude bezeichnet) stammt laut archäologischen Befunden aus der Zeit um 1450. Es ist wegen des nassen Untergrundes auf Eichenpfählen fundamentiert und stand mit seiner nördlichen Giebel- und östlichen Längsseite direkt an einem heute völlig verschütteten Wassergraben. Der Zugang zur Hauptburginsel über die innere Gräfte der Werburg lag etwa 30 m nordwestlich des heutigen Torhauses. Er war durch eine Bastei (laut Best 2012 "Torbastion") direkt an der Gräfte gesichert, der Zugang selbst durch eine Feldsteinpflasterung befestigt. Die Bastei (12 x 11,5 m) ist an ihrem südöstlichen Abschluss 2 m stark gemauert und halbrund geschlossen, Mauervorlagen deuten an dieser Stelle auf ein schmales Gewölbe hin.
Zur ältesten Anlage dürften der Brunnen (1729 erwähnt: auf dem Burgplatz) und der 1764 abgebrochene Turm zählen. Ein "kohus" wird 1468 erwähnt. Der innere Wassergraben um die Hauptburginsel, ca. 14 m breit und ca. 2,8 m tief, war auf beiden Seiten mit Bruchsteinmauern befestigt. Zum Zeitpunkt seiner endgültigen Verfüllung betrug die Wassertiefe nur noch etwa 1 m, das Profil zeigte deutlich mehrere Phasen der Verfüllung und Verlandung. In der zweiten Hälfte des 16. Jh.s war die Werburg von einer 1,2 m starken Befestigungsmauer umgeben, deren Fundament auf das Jahr 1574 dendrochronologisch datiert ist. Das Hauptgebäude oder Herrenhaus, im Nordostwinkel der einstigen Mauer gelegen, stand baulich mit der Mauer in Verbindung. Über den Mauerwerksbefunden des 15. Jh.s entstand das heutige Hauptgebäude in mehreren Phasen im 16. Jh. Das Torhaus zur Vorburg in repräsentativen Renaissanceformen und zwei Schießscharten an seiner Ostseite wurde 1596 errichtet.
Eine Plünderung durch kaiserliche Truppen 1625 hatte auf der Werburg u.a. zerstörte Fenster sowie erhebliche Schäden an Hausgerät, Vieh und Vorräten zur Folge. Im gleichen Jahr entstand ein großes, "Vorwerk" genanntes Gebäude. 1644/46 führte ein Ofensetzer Maurerarbeiten aus, u.a. setzte er Steine im Fleischkeller, mauerte Löcher zu, reparierte den Backofen, besserte Kachelöfen in der Mägde- und Wohnstube aus und strich das Turmzimmer neu. Des weiteren führte er Arbeiten am Vorwerk und an der Braupfanne aus. Schlosserarbeiten sind für 1658/61 dokumentiert: Sie umfassten neben Waffenreparaturen die Anfertigung neuer Schlösser und Beschläge für Tür- und Fensterrahmen. 1666 erhielt die Werburg 78 neue Fensterscheiben, verbaut in des Gutsherrn Stube und Kammer, im Wohnzimmer der Herrschaft, in der alten Stube und zwei Ställen. Das in diesem Jahr erstmals erwähnte Lusthaus erhielt 30 neue Scheiben. Ein weiteres 1704 datiertes Torhaus ist nur noch archäologisch greifbar und stand unmittelbar an der inneren der doppelten Gräfte (sog. Birkenpforte, Grundmauern des Nordgiebels gut erhalten), wo es die Torbastei ablöste. Zahlreiche Keramikfunde und vier Münzen (eine mit Prägedatum 1736) sowie Schutt und Abfälle in der Torbastei zeigen an, dass die Anlage im 18. Jh. verfüllt wurde.
1717 ist ein Umbau auf der Werburg nachgewiesen, der eventuell das Hauptgebäude betraf, das sein heutiges Erscheinungsbild der Barockzeit verdankt. Wahrscheinlich Im 18. Jh. entstand ein geometrisch angeordnetes Kopfsteinpflaster mit sternförmig aufeinander zulaufenden Streifen auf der Hauptburg. Der letzten Ausbauphase des Herrenhauses im Barock ist eine geometrisch verlegte Pflasterung aus Feldsteinen in zwei Räumen auf der Westseite zuzuordnen. Ein Kamin im Innern des Hauptgebäudes ist auf 1746 datiert. Vor 1755 waren Teile der Anlage verfallen, die Häuser, insbesondere das Jägerhaus, sowie die Gräften in schlechtem Stand. Der Turm bzw. seine Ruine wurde 1764 abgebrochen, die Birkenpforte verschwand zwischen 1804 (älteste Planlegung) und 1837. Während eines Tumults im März 1848 gingen Türen und Fenster des Hautpgebäudes, in dem sich damals die Verwalterwohnung befand, zu Bruch. Aus dem 19. Jh. dürfte die Scheune gegenüber dem Hauptgebäude stammen. Ein Brand zerstörte 1925 das Vorwerk-Gebäude, im gleichen Jahr wurde es durch einen Neubau ersetzt (1961 abgerissen). Nach dem Ankauf durch die Stadt wurden im Hauptgebäude Wohnungen eingerichtet, wobei die Nutzung noch 1984 bestand. 1987 ließ die Stadt Spenge die Scheune sanieren, 2005/06 das Torhaus, das seither als Archiv und Trauzimmer dient. Das Herrenhaus wird seit 2008 renoviert (2011 noch nicht abgeschlossen). (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die heutige Gräfte an Nord-, Ost und Westseite der Werburg ist Teil einer äußeren Gräfte, die vom Spenger Mühlenbach gespeist wird. Die innere Gräfte, die den Wohnteil mit dem Hauptgebäude der Werburg umfasste, wurde im 18. Jh. zugeschüttet. Zum Baubestand der Werburg zählen seit 1961 vier Gebäude. Das einflügelige Herrenhaus oder Hauptgebäude, etwa 25 x 11 m lang, hat eine Grundfläche von 278,25 m². Keller- und Erdgeschoss bestehen aus massivem Bruchstein (Muschelkalk, Rhätquarzit), die Werksteine aus Sandstein (Meller Stein). Das Haus besitzt zwei Keller (der nördliche 20, der südliche 22 m²), das Erdgeschoss mit seinen großen Fenstern ist verputzt, das Obergeschoss aus Fachwerk gebaut. Spuren der Umbauten sind beispielsweise daran zu erkennen, dass Fachwerkständer und Sparren des großen Krüppelwalmdaches zweit- oder drittverwendet sind. Über dem Portal des Herrenhauses ist ein gänzlich verwitterter Wappenstein der Barockzeit in Form eines liegenden Langrunds eingelassen.
Das eingeschossige traufenständige Torhaus mit zentraler Durchfahrt aus verputztem Bruchstein und Werksteinen aus Sandstein enthält zwei Kamine und wurde 1596 (i) erbaut. Es besitzt Dreiecksgiebel sowie u.a. Kreuzstockfenster. Sein Pappelholztor hat Seltenheitswert und war einst über eine Zugbrücke zu erreichen, wie Zugkettenschlitze mit erhaltenen Rollen über dem Tor anzeigen. Das Gebäude hat zur Angriffsseite gerichtete Schlitzscharten, links und rechts der Durchfahrt befinden sich architekturgerahmte Wappensteine der Bauherren, jeweils eingefasst durch ein Paar kannellierter, bossierter und diamantierter Pilaster, oben in Karyatiden und ionischen Kapitellformen endend. Oben und unten bilden ein wulstiges Gebälk- und Gesimsprofil jeweils mit Zahnschnittfries die Rahmung, unter dem Gesimsprofil mit zwei Knäufen als Unterhang bildet eine Kartusche mit Volutendekor und Inschrift den unteren Abschluss. Je ein Puttokopf und ein Paar Kugelaufsätze bekrönen den Aufbau. Das Wappen Georgs von Ketteler südlich der Durchfahrt zeigt im Renaissanceschild einen rechtsgezahnten Kesselhaken, auf dem Spangenhelm mit abhängender Kette und Kleinod und Decken in Rollwerkformen ein Schildchen mit Kesselhaken zwischen zwei Federn. Die Beischrift in der Kartusche lautet: "IOR-GEN / KETTELER / 1596". Das Wappen der Anna Ledebur nördlich der Durchfahrt zeigt einen Sparren, auf dem gleich gebildeten und bedeckten Helm zwei Federn, jeweils mit einem Sparren belegt. Die Beischrift lautet: "ANNA / LEDEBVR / 1596". Die Beischriften sind als Renaissance-Kapitalis ausgeführt. Bossen-, Diamant- und Spitzquader sowie in die Wand eingelassene Kugelformen bilden den Bauschmuck des Torhauses. Die Schräge des südlichen Steilgiebels und der Kaminkopf auf der Südseite tragen Kugelaufsätze. Dem Herrenhaus steht im Abstand von etwa 30 m frontal eine rund 20 x 7 m große Fachwerkscheune aus dem 19. Jh. gegenüber. Rechtwinklig zur Scheune nahe der Nordostecke steht der frühere Schweinestall (20. Jh.). (Andreas Kamm)

Arch-Untersuchung/Funde:

Gerhard von Ledebur geht nicht näher auf Funde des 19. Jh.s ein, die damals zur Annahme einer sächsischen Kultstätte auf dem Gelände der Werburg geführt hätten. Die wissenschaftlichen archäologischen Untersuchungen sind nachstehend chronologisch gelistet.
1995: Eine Grabung neben der südlichen Giebelwand der Scheune lieferte in den untersten Schichten das Unterteil eines Gefäßes aus Schwarzirdenware (14./15. Jh.), unglasierte Ofenkacheln (15. Jh.), in den höheren Schichten grün unglasierte, schüsselförmige, oft mit einer Rosette verzierte Ofenkacheln (16. Jh.), Fragmente von Duinger Steinzeug (sp. 17./fr. 18 Jh.) sowie aus dem Sedimentbereich oberhalb des barocken Pflasters eine Schuhschnalle aus Buntmetall (18. Jh.).
2004: In und unter den Schuttkeilen der inneren Gräfte mit Bruchsteinen, Kalkmörtel und zahllosen Dachpfannenfragmenten erregten Fragmente eines Kachelofens besondere Aufmerksamkeit (Schüsselkachel mit Bodenrosette, Fragmente sorgfältig gearbeiteter polychromer Blattkacheln u.a. mit Darstellung einer betenden Frau in Renaissancetracht, eine halbrunde Bekrönungskachel, geformt als Fächerrosette mit Kugelaufsätzen). Weitere Funde des 16.-18. Jhs. waren Scherben von Krügen, Grapen, Flaschen und Gläsern, ein Teigschaber und Löffel aus Holz, eine geschmiedete Maurerkelle mit erhaltenem Holzgriff und anhaftenden Kalkmörtel, Reste eines Lederriemens und Schuhteile. Braun glasierte Löwenköpfe gehörten zu aufwändig gestalteter Gartenkeramik aus der Zeit um 1600. Reste eines bleiverglasten Fensters, das sich aus rautenförmigen Einzelgläsern zusammensetzte, konnten keinem konkreten Gebäude zugeordnet werden.
2005: Die im 18. Jh. mit Schutt und Abfällen verfüllte Torbastei gab Keramikfunde, vier Münzen (u.a. von 1736), ein Knochenkamm (Läusekamm), Knochen von Schwein, Rind und Geflügel, Austernschalen und Barschgräten frei.
2008: In der inneren Gräfte, v.a. im südöstlichen Schnitt kamen fast ganz erhaltene Grapengefäße, Teller, Schüsseln, Gläser und Flaschen, bearbeitete Hölzer und Reste von Lederschuhen ans Licht. Aus dem Barock blieb ein großer Mörser aus Ardennen-Marmor erhalten, außerdem ein Notizbuch, bestehend aus vier kleinen, in Holzrähmchen gefassten Schiefertafeln. Im Nordostwinkel des Herrenhauses fand sich die Scherbe eines Signalhorns rheinischer Produktion (15. Jh.), des weiteren lagerten in diesem Bereich zwischen und neben Mauerzügen, die zu einem um 1450 errichteten Vorgängerbau des Herrenhauses gehören ca. 1.600 Armbrustbolzen, vier eiserne und 50 steinerne Kanonenkugeln mit Durchmessern zwischen acht und zwölf cm für Feldschlangen oder leichte Sturmhaubitzen. Sie verdienen besondere Beachtung als größter Munitionsfund der Renaissance in Westfalen aus der Zeit um 1500. (Andreas Kamm)