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Schune

Geschichte:

In der Wasserburg Vlotho im Wesertal, seit 1343 unter dem Namen Schune greifbar, lebten vermutlich seit etwa 1150 bis zum Anfang des 13. Jhs. die Edlen von Vlotowe. Ihr Name begegnet zum ersten Mal in einem undatierten Diplom des Mindener Bischofs Anno (1173-1185), worin eine Schenkung des "Godefridus de Vlotowe" für das Kloster Loccum beurkundet wird.
Die Forschung lokalisiert die Anlage unmittelbar an der Weser, südlich der Einmündung des Forellenbaches. Zur Sicherung der ungedeckten Südseite war vermutlich anfangs ein künstlicher Arm vom Forellenbach nach Osten zur Weser hin abgeleitet.
Ende des 12. Jhs. verbürgte sich ein dominus "A. de Flotuwe", vermutlich ein Sohn Gottfrieds, zusammen mit den Gebrüdern von Schonenberg, "Wedekindus de Schalicsberg" (Schalksberg; Edelvogt vom Berge) und Hermann von Itter für die Brüder Bertold und Thietmar von Büren gegenüber Bischof Bernhard II. von Paderborn. Dabei handelte es sich vermutlich um jenen Edelherrn Adolphus, der zwischen 1184 und 1188 dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg die Burg für 60 Mark verkaufte (1829 und 1888 sind fälschlich 600 Mark mitgeteilt). Obwohl in diesem Falle zwar nicht belegt, ist davon auszugehen, dass der Kölner wie bei seinen anderen Burgenkäufen dem Verkäufer eine Hälfte wieder als Lehen zurückgab. Damit gelang es ihm wie an vielen anderen für Köln wichtigen strategischen Plätzen in Westfalen (Lippstadt, Burgen Krukenberg, Ohsen und Pyrmont), feste Vorposten zu schaffen. Ein Adolphus bzw. Arnoldus de Flotowe erscheint 1211 als letzter Angehöriger dieser Familie. Da die Grafen von Ravensberg 1214 auf der Vlothoer Burg erscheinen (Biermann), müssen die Edelherren in kürzester Zeit ausgestorben sein. Zunker zufolge dürfte Vlotho 1217 an Ravensberg gekommen sein.
Im Zuge einer Erbteilung 1226 kam außer dem "castrum" die "curia in Vlotowe", der zur Burg gehörige Haupt- oder Meierhof, in Besitz Ottos von Ravensberg-Vechta, der sich wiederholt Graf von Vlotho nannte. Dieser Hof ist in räumlicher Nähe zur Talburg zu suchen, gleiches gilt für die zugehörige Mühle (1258 erwähnt). Die Herrschaft mit Burg, Münz- und bedeutender Zollstätte ging nach Ottos Tode (gest. 1244) über seine Erbtochter Jutta auf Graf Heinrich von Tecklenburg über (Eheverabredung 1238). Nach Heinrichs Tode 1248 verwalteten seine Schwäger Otto von Bentheim (Ehemann seiner Schwester Mechthild) und Heinrich der Bogener von Oldenburg-Wildeshausen (Ehemann seiner Schwester Elisabeth) den Besitz gemeinsam, wobei die Burg vor 1258 in Alleinbesitz Oldenburgs überging; Ottos Anteil an der Herrschaft Vlotho, der sich auf nicht näher beschriebene Güter bezog, fiel 1267 an seinen Bruder Egbert.
Durch die Anlage einer neuen Höhenburg auf dem Amtshausberg (siehe Amtshausberg) um 1258 und der Umwandlung der Niederungsburg in ein Kloster gingen ihre Rechte und der Name Vlotho auf die Höhenburg über. Die Niederungsburg hieß später "Schune" (als "slot scune" erstmals 1343 belegt). In einer Urkunde vom 16. März 1258 wird sie als "antiquum castrum" bezeichnet, offenbar um sie von der Neugründung zu unterscheiden. Der Wortlaut legt zugleich nahe, dass die Höhenburg damals im Wesentlichen fertiggestellt war. Mit der Urkunde übertrugen Heinrich und Elisabeth von Oldenburg die Talburg einem Zisterzienserinnenkonvent. Das Kloster sollte fortan den Namen "vallis benedictionis" (Segenstal) führen und war zur Grablege der Stifter bestimmt. Hermann von Lerbeck (um 1345-1410) nennt die Burg "das alte Schloß Scure". Der Name Scure oder Scune bedeutet Scheuer bzw. Scheune. Er ist vermutlich auf ein Gebäude für die herrschaftlichen Gefälle zu beziehen, das zum genannten Meierhof gehörte. Gaul und Engel 1966 zufolge sei in der Talburg eher eine befestigte Zehntscheune bzw. der Wirtschaftshof einer älteren Höhenburg derer zu Vlotowe zu sehen, wobei diese Auffassung nicht überzeugt.
Nach Lerbeck verließen die Nonnen das Kloster bereits wenige Jahre später wegen seiner unbequemen, von Überschwemmungen bedrohten Lage. Sicher ist, dass sie spätestens 1289 neue Klostergebäude an der Stelle der Stephanikirche in Vlotho bezogen. In diesem Jahr erteilten der Mainzer Erzbischof, vier andere Erzbischöfe und acht Bischöfe allen Gläubigen, die die Nonnen beim Bau des neuen Klosters unterstützen würden, einen Ablass von 40 Tagen. In der Folgezeit fehlen bis 1343 sichere Hinweise auf die Besitzer der Niederungsburg. Ob sie zusammen mit der Höhenburg und der Herrschaft Vlotho zur Abfindung Hedwigs, Tochter Graf Ottos IV. von Ravensberg-Bielefeld und Ehefrau Herzog Wilhelms von Braunschweig-Lüneburg, gehörte oder in der ersten Hälfte des 14. Jh.s als Pfandobjekt in Lüneburger Hände kam, bleibt offen. 1343 verpfändete Herzog Wilhelm von Braunschweig Stadt und Höhenburg Vlotho an Otto von Waldeck, das Schloss "Scune" war davon ausdrücklich ausgenommen. 1348 verpfändeten Otto und Wilhelm von Braunschweig eine Hälfte Schunes für 200 Mark Bremer Silber und 67 Mark lötigen Silbers an Friedrich de Wendt und seinen Sohn Lutbracht. Vermutlich wegen ihrer Abhängigkeit von den Mindener Bischöfen löste Herzog Wilhelm das Pfand bis Mai 1356 vollständig wieder ein und vergab es im November für acht Jahre an Graf Adolf von Schaumburg und Edelherr Otto von der Lippe, dieses mal für 300 Mark lötigen Silbers. Werde das Schloss ("slot") Schune eingenommen, seien beide verpflichtet, 100 bewaffnete Männer nach Schune zu entsenden, um es wieder zu erobern. Der Herzog würde von seiner Seite zuvor je 50 Mann als Unterstützung nach Lippe und Schaumburg schicken. Der Herzog behielt sich dabei das Öffnungsrecht für Schune vor. Die Edelherren zur Lippe gaben ihre Hälfte an Hermann de Wendt weiter, der 1364 für sich und seine Tochter Kunigunde bescheinigte, ihm sei das Schloss für 220 Mark verpfändet und könne von Lippe zu dieser Summe wieder eingelöst werden. In Kriegszeiten stehe dem Edelherrn das Haus offen, außerdem habe er dort Anspruch auf so viele Gemächer und Herbergen, wie er für sich und seine Freunde bedürfe.
1368 nahmen Mindener Bürger Vlotho und Vahrenholz ein und zerstörten sie, vermutlich auch die Burg Schune. Wenige Jahre später war die Wasserburg von den Edelherren zur Lippe an die Brüder Lubbrecht und Lubbert, die Westfalinger genannt, verpfändet. Diese verpflichteten sich, Simon zur Lippe 100 weitere Taler zu leihen, wofür sie lebenslang im Pfandbesitz Schunes blieben, sofern das Schloss Lippe jederzeit offenstehe. 1390 verpfändete Bischof Dietrich von Osnabrück die Burg an Heinrich und Dietrich von Münchhausen. Wenig später dürfte sie verfallen sein. Der Burgplatz befand sich um 1550 im Besitz der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg in ihrer Eigenschaft als Grafen von Ravensberg. Zu den landesherrlichen Gütern in Vlotho zählte um 1550 "der Scheuernwinkel, ein Steinhaufen". (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Die baulichen Anfänge der Niederungsburg Vlotho liegen um die Mitte des 12. Jhs. 1258 wurde sie Kloster, was sicherlich Umbauten nach sich zog. Der Konvent zog 1289 in die Stadt Vlotho, danach wurde die Anlage wieder als Burg gebraucht. Ihre nächste Erwähnung findet sie erst 1343 als "slot scune". 1356 verpflichteten sich Otto zur Lippe und Adolf von Schaumburg als Pfandbesitzer, das Schloss in Verteidigungsstand zu setzen und 160 Mark lötigen Silbers auf ihm zu verbauen. 1390 ein weiteres mal neu verpfändet, dürfte die Burg kurze Zeit später verfallen sein. Als Hermann von Lerbeck zwischen 1395 und 1410 die Mindener Bischofschronik schrieb, war die Burg offensichtlich aufgelassen, denn er gibt an, das Kloster sei an der Stelle gegründet worden, wo einst die Burg Schune stand. Um 1550 war von der Burg nicht mehr als ein Steinhaufen übriggeblieben. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die bereits für die zweite Hälfte des 12. Jahrhundert nachweisbare Wasserburg wird bereits im 16. Jahrhunderts als ruinös bezeichnet und ist in der Folgezeit vollständig abgegangen. Oberirdisch haben sich keine baulichen Reste der Anlage erhalten. (Jens Friedhoff)