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Milse

Geschichte:

Der Haupthof Milse war ein frühes Lehen der Reichsabtei Herford. Wahrscheinlich ist es das 1151 unter dem Namen "Milso" mit allem Zubehör an das Herforder Damenstift auf dem Berge übertragene Gut, sicher kommt es 1194 als "Milesou" vor. Nach den ältesten Heberegistern aus dem 12. Jh. umfasste der Villicus Milese fünf mansus: Milse (Milesou), Elverdissen, Büxten, Vinnen und Döldissen. 1261 wird ein Bertram von Milsouwe genannt. Nutznießer der curia "Schelepmilse" war 1269 Johann von dem Bussche. Noch 1361 begegnet die Familie in dieser Eigenschaft. 1425 kommt Ludolf Westfael als curiam von Mylese vor. Mit Johann von Varendorf erhielt 1443 eine im Osnabrücker Raum begüterte Ministerialenfamilie das Gut von der Herforder Äbtissin als Pfandlehen. Zum Gut Milse gehörten mehrere Kirchenstühle und Begräbnisplätze in der Kirche zu Heepen. Durch Heirat der Universalerbin Felicitas von Varendorff mit dem Obristleutnant und Generalwachtmeister des bayerischen Kurfürsten Johann von der Horst 1625 gelangte das Gut mit Einwilligung der Äbtissin an diese Familie. Johann verpachtete 1628 die Milser Ländereien seinem Eigenbehörigen Borchmeyer, ausgenommen Fischereirechte, Marstall und Schloss-Saal. Sein Enkel Johann Albert Dietrich verkaufte 1708 den zum Gut gehörigen Varendorfer Hof in der Bielefelder Neustadt an den Zwölfherrn Johann Willmans. 1719 ließ von der Horst Bleichen auf den Ländereien anlegen. Nach seinem Tode 1743 kam Milse an seinen Schwiegersohn, den kurpfälzischen Kammerherrn Philipp Ludwig von Hörde zu Schönholthausen. Spätestens seit 1751 fanden auf Milse katholische Gottesdienste statt. Im Gefolge des siebenjähigen Krieges plünderten 1759 französische Truppen das Gut und die Bleichen, nachdem tags zuvor der Herzog von Cumberland als Befehlshaber der alliierten Streitkräfte mit etwa 3.000 Soldaten in Milse Quartier bezogen hatte. Es entstand ein Schaden von über 15.509 Reichstalern. Um einer öffentlichen Versteigerung des Gutes durch seine Gläubiger zu entgehen, bewilligte König Friedrich II. von Hörde 1759 eine Stundung von 20.000 Reichtstalern; 1760 unterlag Milse der Zwangsverwaltung durch die Kriegs- und Domänenkammer Minden. 1787, ein Jahr vor Philipp Ludwigs Tod, wurde dessen Schwiegersohn, der aus Rietberg stammende Herforder Kammerrat Joseph Rolff, Lehnsbesitzer. Sohn und Erbe Wenzel Anton, 1803 in den Freiherrenstand erhoben und seit 1807 Besitzer, musste daher gutseigene Ländereien veräußern. 1824/25 gelangte Milse durch Kauf an die Reichsfreiherren von Fürstenberg-Borbeck zu Neheim, von denen es 1884 Gutsbesitzer Eduard Nacke aus Brake und Viehhändler H. Harleß aus Hannover erstanden. Die Ländereien wurden parzelliert, an Erb- und Zeitpächter sowie auswärtige Interessenten verkauft. 1886 erwarb die Familie Lott den Kern des Besitzes mit Schloss und Wirtschaftsgebäuden. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Untersuchungen zur Baugeschichte des befestigten Adelssitzes Milse liegen bisher nicht vor. Wann aus der "curia Milse" ein mit Wassergräben befestiger Adelssitz wurde, muss vorerst offen bleiben. Anhand des Baudekors datiert das Erdgeschoss des Ostflügels in die zweite Hälfte des 16. Jhs. (Ostfassade mit eingelassenen Steinkugeln, Spitzquadern, Bossenquaderband). Ein Portal mit Inschriftsturz im Westflügel entstand laut Bauinschrift 1689. 1704 erhielt der Südflügel ein repräsentatives Säulenportal mit Chronodistichon und Allianzwappen. Die verputzten Fachwerk-Obergeschosse beider Flügel werden auf das 18. Jh. datiert. 1757 wird eine Zugbrücke erwähnt. In einer Beschreibung von 1814 ist von mehreren Wohnzimmern, Kellern und Bodenräumen des Herrenhauses die Rede. Das undatierte Wirtschaftsgebäude, unweit nördlich des Herrenhauses gelegen, wurde vor wenigen Jahren für den Bau eines Wohnkomplexes abgerissen. 1765 entstand aus Steinen der Sparrenburg (siehe dort) ein neues Bleichhaus auf Milse. 1814 zählten außer dem Herrenhaus zwei Ökonomie-Gebäude, zwei Mühlen mit vier Gelinden, drei Bleicherwohnungen samt Bleiche und Bleichanstalten auf einer Fläche von über 7 ha, eine Schäferwohnung mit Schaftstall und mehrere Wohngebäude für Förster, Gärtner und Tagelöhner zu den Baulichkeiten des Gutes. Nach 1980 erhielten beide Flügel Dachgauben. Die Fenster auf der Ostseite des Anbaues und dessen Dachfenster sind modern bzw. modern erneuert. Ein eingeschossiger Anbau an der nördlichen Stirnseite des Ostflügels mit großen Rundbogenfenstern ist 1986 als Kapelle angesprochen worden und anhand einer fotografischen Aufnahme von 1895 frühestens um die Mitte des 19. Jh.s anzusetzen. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die Eingangsgeschosse des unterkellerten zweiflügeligen Herrenhauses sind in massiver Bauweise, das Obergeschoss jedes Flügels in Fachwerk ausgeführt. Das Kellergeschoss stützen auf der Ostseite kräftige Strebepfeiler. Die östliche Fassade des Eingangsgeschosses im Ostflügel trägt ein durchgehendes Band aus Bossenquadern, das zugleich die Fensterstürze bildet. Oben und unten fasst ein alternierend aus Steinkugeln und Spitzquadern gebildeter Fries die Fensteröffnungen ein, dem oberen Fries liegt ein Gesims auf. Je eine Steinkugel und ein Spitzquader gliedert abwechselnd die Fassade zwischen den Fensteröffnungen. Die verputzten Fachwerkobergeschosse ohne Überkragung sind verputzt, ein Dach mit zwei Walmgiebeln und modernen Gauben schließt den Baukörper nach oben hin ab. Der eingeschossige Anbau (aus Ziegelstein?) an der nördlichen Stirnseite des Ostflügels hat eine durch Pilaster und Rundbogenfenster gegliederte Fassade und besteht aus einem höheren südlichen Teil mit Satteldach und einen niedrigeren nördlichen Teil mit Flachdach. Die Fensteröffnungen des Anbaus sind modern überarbeitet. Die Hoffassaden sind mit Ausnahme der beiden Portale, die über Freitreppen erschlossen sind, schmucklos gestaltet und unregelmäßig durchfenstert. Im Portalsturz des Ostflügels neunzeilige Inschrift und zwei Wappen von 1689, das Säulenportal des Südflügels mit Allianzwappen, lateinischem Chronodistichon (Jahreszahl 1704) im Sturz. (Andreas Kamm)