EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Aldeberg

Geschichte:

Bei dieser Anlage handelt es sich um eine der größten Motten des Rheinlandes. Sie liegt in einem Waldgebiet, rund 1,1 Kilometer nordwestlich der Ortsmitte von Arsbeck auf einem Höhenrücken, der auf der Westseite vom Helpensteiner Bach und auf der Nord- und Südseite von zwei kleinen Bächen begrenzt ist. Die Burg war Sitz der Herrschaft Arsbeck (bis 1561 "Orsbeck" geschrieben), wobei die Herren von Arsbeck erst ab 1211 historisch bekannt sind. Lehnsrechtlich unterstand Arsbeck der Herrschaft Helpenstein. Wie die Helpensteiner in den Besitz von Arsbeck gekommen sind, ist unklar. 1223 bezeugt Ritter Arnold von Arsbeck eine Schenkung des Hendrik von Kessenich. Eine die Burg betreffende Urkunde datiert in das Jahr 1312. Zu dieser Zeit wurde Johann von Rischmühlen (auch Rismulen) mit dem Hause Arsbeck und dem Gestüt der Wildpferde im Meinwegwald belehnt.
In einem Güterverzeichnis der Söhne Gerhards von Helpenstein aus der Zeit um 1320 sind die Einkünfte aus der Herrschaft Arsbeck aufgeführt. 1334 nannte sich Friedrich von Helpenstein auch "von Arsbeck".
Um 1350 werden Eberhard von Heinsberg und der Ritter Stephan von Arsbeck mit Teilen der Burg und des Gestütes vom Herzog von Brabant belehnt. Eine weitere schriftliche Erwähnung mit den zugehörigen Gütern erfolgte 1439, als Wilhelm von Vlodrop den Brüdern Thoenis und Engelbrecht von Arsbeck die Herrschaft abkaufte und damit 1441 durch Johann von Loen-Heinsberg belehnt wurde. Ob die Burg zu dieser Zeit noch Mittelpunkt der Herrschaft war oder schon der benachbarte "Burghof", geht aus der Belehnungsurkunde nicht hervor.
Eines der wichtigsten Güter war das schon 1312/1350 erwähnte Gestüt (in den Urkunden "stoot" oder "stoit" genannt, was ursprünglich ein umzäuntes Gelände bezeichnet) der Wildpferde. Es wird auch bei der Belehnung des Johann von Vlodrop im Jahr 1506 extra erwähnt: "de alde borch gelegen in dem kyrspel van Ersbeck myt der stoit der wylder perden up den Meyn wege" (GILLESSEN 1971, 132). Und 1563 gehörte zum Besitz des benachbarten "Burghofes", der inzwischen zumindest die Wirtschaftsfunktion der Vorburg übernommen hatte, "vurzeiden eine alde Borgh, davan ditt Lehen den Namen behalten". So ist der Name der Motte zu erklären, die vor dem 16. Jahrhundert aufgegeben worden sein muss. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand eine Kapelle auf dem Burghügel, die 1907 aufwändig restauriert, aber 1970 abgerissen wurde. Seit 1973 steht dort ein Kreuz. (Markus Westphal)

Bauentwicklung:

Ob die Burg tatsächlich bereits im 11. Jahrhundert angelegt wurde, ist unklar und lässt sich auf der Grundlage des bisherigen Kenntnisstandes nicht sagen. Nach den archäologischen Untersuchungen gab es bei den Wohn- und Wehranlagen sowohl Holz- als auch Steinkonstruktionen. Ein Brandhorizont dürfte das Ende der Burg anzeigen, die maximal bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts genutzt wurde. Eine frühere Aufgabe im 14. Jahrhundert ist nach den Keramikfunden nicht auszuschließen. Einen in der Literatur gelegentlich hergestellten Zusammenhang der Burg mit der rund 300 Meter nördlich verlaufenden Landwehr gibt es nach derzeitigem Forschungsstand nicht.
(Markus Westphal)

Baubeschreibung:

Die Hauptburg besteht aus dem 12 - 15 Meter hohen, kegelstumpfförmigen Mottenhügel von rund 60 Meter Basisdurchmesser. Oben auf dem steil geböschten Hügel befindet sich ein Plateau von 20 Meter Durchmesser. Für diesen künstlichen Hügel sollen rund 30.000 Kubikmeter lehmiger Sand und Kies aufgeschüttet worden sein. Das Erdmaterial könnte aus zwei nordöstlich und südöstlich der Vorburg gelegenen Mulden stammen, eventuell auch aus dem Innenbereich der Vorburg. Die Motte ist ringsum von einem Graben von bis zu 16 Metern Breite umgeben, der im Norden kaum ausgeprägt war oder inzwischen zugeschüttet worden ist. Eine Verbindung zur Vorburg ist nicht auszumachen.
Die trapezförmige Vorburg mit einer Innenfläche von 60 mal 50 - 60 Metern schließt sich östlich an. Nach Osten ist sie von einem bis zu sechs Meter hohen Wall begrenzt, der in der Mitte einen Zugang aufweist. Auf der Südseite verläuft ein niedrigerer Wall. Die gesamte Vorburg ist von einem Graben umgeben, der besonders auf der Ostseite tief eingeschnitten und hier bis zu 16 Meter breit ist. Mit Ausnahme der Ostseite sind Haupt- und Vorburg außen vor den Gräben mit einem Wall gesichert. Der östliche Graben der Vorburg ist nach Norden und Süden verlängert und teilweise von einem inneren Wall begrenzt. Eine weitere muldenförmige Wall-Graben-Anlage liegt nordöstlich der Vorburg. Schließlich befindet sich nordwestlich der Motte noch ein bogenförmig verlaufender Wall, der innen von einem Graben begleitet wird. Grund für dieses aufwändige Wall-Graben-System war das fehlende Wasser, es konnten an diesen Stellen nur Trockengräben errichtet werden. Die im Norden und Westen liegenden Fischteiche sind erst im 19. und 20. Jahrhundert angelegt worden. (Markus Westphal)

Arch-Untersuchung/Funde:

Auf dem Plateau des Mottenhügels fanden um 1900 archäologische Grabungen statt. Hierbei konnte an mehreren Stellen eine rund 70 Zentimeter dicke Kulturschicht nachgewiesen werden, die im oberen Bereich Hinweise auf einen Brand enthielt. So konnten verbrannte Hölzer, Holzkohle, hart gebrannte Lehmbrocken und Backsteine (einer wies Maße von 26 x 14 x 7 cm auf), Tuffsteine (mit ähnliche Maßen wie die Backsteine!), Reste von Dachziegelplatten (eine hatte das Format 28 x 16 cm), Eisennägel, Keramikscherben, Knochen und eine Bleifassung für Fensterglas aus der Schicht geborgen werden.
Die Keramik unter den bis heute geborgenen Lesefunden auf und um den Mottenhügel herum lässt sich auf das 12. bis 14. Jahrhundert datieren, wobei die meisten Scherben aus der Zeit zwischen Mitte des 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts stammen. Aus den rund 80 Kilogramm Scherben konnten unter anderem Reste von über 60 verschiedenen Krügen und 18 runden Bechern nachgewiesen werden. Das Gros der Gebrauchskeramik stammt aus der näheren Umgebung von Töpfereien an der Schwalm, aus Brüggen und Elmpt. Einige besondere Stücke können der Pingdorfer, Andenner und Schinvelder Keramik zugeordnet werden. Im Jahr 2003 wurde im Kölner Labor für Archäobotanik eine vom Aldeberg stammende eiserne Pfeilspitze mit Tülle untersucht, in der noch der Rest eines Eschenholzschaftes steckte. (Markus Westphal)