EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Riegel

Geschichte:

Eine Kirche St. Michael (das Patrozinium der jetzigen Kapelle auf dem Berg) wird für Riegel bereits 971 oder 996 erstmals genannt. Der Zähringerherzog Bertold IV. und sein Gefolgsmann Werner von Roggenbach gründeten um 1150/70 eine Burg auf dem Michaelsberg. Vielleicht waren sie Vögte des in Riegel begüterten Klosters Einsiedeln, oder sie maßten sich ihre Stellung auch nur an. Jedenfalls geschahen ohne Absprache mit dem Einsiedler Abt Baumaßnahmen auf dem Berg. Diese wurden erst im Nachhinein durch eine Absprache sanktioniert, wobei man in der Urkunde ängstlich den Begriff Burg vermied, um nicht einen Präzedenzfall zu schaffen.
Seit 1238 sind die Üsenberger auf der Burg fassbar. Verpfändungen und Öffnungen der Burg im 14. Jh. gehen auf finanzielle Probleme zurück, die in der Jahrhundertmitte in den Verkauf von Burg und Dorf an die Snewlin im Hof und weiter an die Malterer mündeten. Gegen 1400 scheint die Burg abgegangen zu sein, und im frühen 15. Jh. erscheint eine Niederungsburg im Dorf, die jedoch noch nicht genau lokalisiert ist. (Heiko Wagner)

Bauentwicklung:

Vor allem die Bauentwicklung der Kirche und ihres Umfelds ist gut bekannt. Die frühe Kirchennennung im 10. Jh., die Fehlinterpretation spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Urkunden hinsichtlich der Baugeschichte der Wallfahrtskapelle, die Existenz der Burg sowie überraschende Dendrodaten von 1281 und 1292 im Dachwerk der Kapelle warfen zahlreiche Fragen zur zeitlichen Abfolge auf. Das Dach der Kapelle weist im östlichen Teil eine Dendrodatierung auf 1282 auf; der westliche Teil stammt von 1293. Im Osten wurde ein Sparrendach errichtet, im Westen ein Rofendach mit stehendem Stuhl.
Anlässlich der Sanierung der Kapelle wurden baubegleitende archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen durchgeführt, die viele Fragen klärten. (Heiko Wagner)

Baubeschreibung:

Im 10. oder 11. Jh. entstand eine ansehnliche Kirche auf dem Berg. Ein älterer Sakralbau ist durchaus denkbar, konnte jedoch nicht erfasst werden. Der Kirchenbau störte jedenfalls einen älteren Friedhof oder ein Gräberfeld. Für die Errichtung der Burg um 1150/70 wurde ein tiefer Halsgraben durch den Löss getrieben und das Material u.a. auf der Nordseite der Kirche etwa 2 m hoch angeschüttet. Dadurch sollte offenbar eine Erhöhung und Versteilung des Geländes erreicht werden. Die Kirche sank zur Burgkapelle ab, die Nordtür wurde vermauert, die Südwand wurde nach innen verschoben, der Westteil abgetrennt. Südlich der Kirche ist auf der Kernburg mit einem Wohnturm zu rechnen (nicht ergraben). Reste der Ringmauer, teilweise umgefallen, sind noch an der Nordseite der Kapelle vorhanden.
Nach Norden erstreckte sich - etwas unterhalb und ehemals durch einen Graben abgetrennt - eine ausgedehnte Unterburg (Vorburg).
Während der Laufzeit der Burg wurde die Kapelle im späten 13. Jh. etwas erhöht und mit einem prachtvollen gotischen Chor ausgestattet. Damit stellt sie die besterhaltene - und bisher nicht erkannte - Burgkapelle im Breisgau dar. Nach dem Abgang der Burg wurde sie von ihrem Ringmauerkorsett befreit und zur Wallfahrtskapelle umgewidmet. (Heiko Wagner)

Arch-Untersuchung/Funde:

Zahlreiche Lesefunde von vielen Begehungen und aus der archäologischen Untersuchung außen und innen an der Kirche. In der Sondage vor der ehemaligen Nordtür der Kirche grobe Keramik (ca. 9.-11. Jh.). Wenige Scherben nachgedrehter Keramik (12. Jh.) in der Lössauffüllung. Zahlreich spätmittelalterliche und neuzeitliche Keramik. (H.W.)