EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Sayn-II

Geschichte:

Historisch zuverlässige Nachrichten oder bauliche Reste, die eine eindeutige Datierung der Burg Sayn auf dem Kehrberg in die Zeit um 1150 ermöglichen, fehlen. Die urkundlich Ersterwähnung der 1152 im Zuge einer Fehde zerstörten Burg Sayn kann sich auch auf die unweit der Burg auf dem Kehrberg auf einem Bergsporn über dem Brexbachtal gelegene Alte Burg (Sayn-I) beziehen. Es ist zu vermuten, dass die Burg Sayn auf dem Kehrberg spätestens 1192 zum neuen repräsentativen Wohnsitz der Grafenfamilie geworden ist. 1984 durchgeführte Grabungen im Westbereich der Burg haben gezeigt, dass der Kehrberg seit dem frühen 12. Jh. kontinuierlich besiedelt gewesen ist. Sehr unklar und kaum sicher belegbar sind Hinweise auf eine weitere, in das 9./10. Jh. zurückreichende Siedlungsphase, die dann möglicherweise mit einer - ebenfalls unklaren - Holz-Erde-Befestigung an der Stelle der jetzigen Burg zu verbinden wären. Spätestens seit dem letzten Viertel des 13. Jhs. diente Burg Sayn neben der um 1170 errichteten Burg Blankenberg an der Sieg (NRW) den Grafen von Sayn als Residenzburg. Im Jahr 1200 werden mit dem Burggrafen Arnold und dem Schenken Giselbert erstmals Amtsinhaber (Hofämter) erwähnt. In den insgesamt neun "ministeriales comitis de seine" von 1202 wird man Mitglieder der Burgmannschaft auf Burg Sayn erkennen müssen. Nach dem Ableben des Grafen Heinrich III. von Sayn (+1246/47) und der Zersplitterung des großflächigen saynischen Herrschaftsbereichs verlor die Burg Sayn ihre Bedeutung als "Residenzburg". Sie fungiert weiterhin als administrativer Mittelpunkt eines Amtes. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Sayn 1633 zerstört. Die Burg, bereits 1606 vom Erzstift Trier als erledigtes Lehen eingezogen, gelangte schließlich zu Beginn des 19. Jhs. an Preußen. 1848 erwarb Ludwig Adolph Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (später Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn), das barock umgestaltete, im Kern spätmittelalterliche vormals Reiffenberger Burghaus zu Füßen der Burg. Noch im selben Jahr schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. dem Fürsten die Burg, deren Ruinen in einen englischen Landschaftsgarten einbezogen wurden. (Reinhard Friedrich, Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Burg Sayn auf dem Kehrberg ist bislang noch nicht eingehend untersucht worden. In der Literatur wird im Wesentlichen zwischen zwei Hauptbauphasen unterschieden: Wichtige Bestandteile der bis zu 110 m langen und bis zu 40 m breiten stauferzeitlichen Kernburg bilden der übereck gestellte quadratische Bergfried, der den ursprünglichen Zugang zur Burg über die Nordflanke deckte, die 1983/84 im Zuge von Sanierungsarbeiten wiederentdeckte Burgkapelle, der südliche Abschnitt der schildmauerartig gestalteten Ringmauer (der nördliche Abschnitt entstand nach 1200) an der Ostseite des Berings sowie die wenigen baulichen Reste des in der Südostecke gelegenen Palas, dessen Außenmauer mit der südlichen Ringmauer identisch ist. Zum Bestandteil der stauferzeitlichen Burganlage gehört auch der 25 m tiefe Brunnen im Westteil der Kernburg. In gotischer Zeit fand eine grundlegende Umgestaltung der Burg statt. Der Ostteil der Kernburg mit einem Hof und dem Palas wurde durch eine schildmauerartige Verbindung zur gegenüberliegenden Ringmauer abgeriegelt, so dass der Bergfried die Funktion eines Flankenturmes übernahm. Die östliche Ecke wurde mit dem nördlichen Ringmauerabschnitt verbunden. An der Südflanke der Burg entstand ein 90 m breiter und bis zu 28 m breiter Zwinger mit Schießscharten und runden Flankentürmen. Der Zugang wurde in gotischer Zeit an das Westende der Burg verlegt. Dort entstand eine Barbakane (Mitte 14. Jh.). Auf der Nordseite der Burg errichtete man auf halber Berghöhe eine Mauer mit Halbschalenturm, die ihre Fortsetzung bis in den Halsgraben fand. An der südlichen Bergflanke wurde ein kleines Rondell angefügt, das auf zwei Ebenen kleinere Geschütze aufnehmen konnte. (Reinhard Friedrich, Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Zu dem Ensemble der sich insgesamt über eine Länge von 300 m erstreckenden Burgengruppe Sayn zählt die im Kern stauferzeitliche ovale Kernburg (110 m x 40 m) und die beiden vorgelagerten Ministerialenburgen, der mittlere Burgsitz und das darunter gelegene Stein'sche Anwesen. Der im Tal gelegene dritte Burgsitz der Herren von Reiffenberg wurde barock umgestaltet und Mitte des 19. Jhs. zum fürstlichen Schloss Sayn ausgebaut. Wesentliche Bestandteile der stauferzeitlichen Kernburg bilden der 20 m hohe quadratische Bergfried (Seitenlänge 10 m), die 1983/84 sanierte Doppelkapelle im Westteil der Burg, der 25 m tiefe Burgbrunnen sowie Teile der Ringmauer, die an der Ostseite über dem Halsgraben als Schildmauer konzipiert wurde (der nördliche Teil der Ostschildmauer entstand freilich nach 1200). Von dem an der Südostseite gelegenen Palas (30 x 10 m) haben sich nur bescheidene Reste erhalten (Reste einer aufwendigen Fensteranlage: Doppel- und Dreierarkade unter überfangenden Rundbögen). In spätgotischer Zeit wurde der Zugang der Burg auf die Westseite verlegt, eine Barbarkane sowie eine umfangreiche Zwingeranlage mit Flankentürmen erbaut. Im Kernburgbereich entstand zwischen dem Bergfried und der gegenüberliegenden Ringmauer eine innere, westliche Querverbindung (Schildmauer). Von den an der Westsspitze der Kernburg gelegenen Gebäuden haben sich nur bescheidene Ruinen mit dem Rest eines polygonalen Treppenturmes aus der Zeit der Renaissance erhalten. (Reinhard Friedrich, Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Zu den bemerkenswerten archäologischen Befunden im Bereich der 1983/84 ergrabenen Burgkapelle zählt der aus Tonplatten hersgestellte Schmuckfußboden. Das Hauptmotiv bildet eine große Rosette. Vergleichbare Schmuckfußböden finden sich im niederrheinischen Raum.