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Deesberg

Geschichte:

Das Gut Deesberg wird 1290 erstmals genannt. Damals waren die Edelherren vom Berge, Vögte des Bistums Minden, Besitzer. Von der Horst verortet die "curia Deesborch" inmitten der vorgeschichtlichen bzw. frühmittelaltelrichen Wallburg auf dem Amtshausberg, der damals noch den Namen Deesberg trug. Die Anlage stand demnach sicher außerhalb des Berings der um 1258 angelegten hochmittelalterlichen Burg Vlotho (siehe Amtshausberg Vlotho). Als die Edlen vom Berge ihren Anteil an der Höhenburg Vlotho in diesem Jahr an den Erzbischof von Köln verkauften, blieb Gut Deesberg bei den Edelvögten vom Berge. Spätestens 1315 war es geteilt in einen oberen und unteren Hof Deesberg. Möglicherweise erfolgte die Teilung bald nach 1290. Das untere Hofgut, um das es hier geht, lag im Tal, in Rehme. Es gehörte 1315 den Grafen von Ravensberg, die es damals an Gottfried von Quernheim verpfändeten. Als Vlotho 1347 in die Pfandschaft Waldecks geriet, dürfte Deesberg ebenfalls in dessen Hand gekommen sein. 1362 gelangte die Anlage an Jülich-Berg. 1567 traten sie Haus Deesberg pfandweise an den Drosten des ravensbergischen Amtes Vlotho, Bertram von Landsberg (gest. 1567) ab. Ihm diente die evangelische St. Stephanikirche in Vlotho als Grablege. Johann von der Horst folgte als Besitzer und Drost. Dessen Enkel, Drost Arnold Christoph, kaufte das Gut 1655 von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg. Weil es in den 1670er Jahren in Vlotho noch kein katholisches Gotteshaus gab, fand der katholische Gottesdienst damals auf Deesberg statt. Sein Sohn Friedrich Arnold (gest. 1735) bekleidete das Drostenamt bis 1720. Um 1719 brach über Deesberg der Konkurs aus, die mindische Regierung ließ 1724 das Inventar verzeichnen. Die Gläubiger Arnold Christophs von der Horst erhielten bis 1736 die Pachtgelder und strengten einen Domanialprozess mit dem Fiskus an, der 1737 zugunsten der Gläubiger entschieden wurde (u.a. Amalie von Donop geb. Remy-Montigny). Das Gut konnte danach zwangsversteigert werden. Der preußische König erwarb es für 14.000 Taler als Staatsdomäne, doch war die Kaufsumme 1753 noch nicht beglichen. Bis Anfang 19. Jh. blieb der preußische Staat Besitzer. Seit dem 18. Jh. war Deesberg zusammen mit dem Amtshausberg vererbpachtet. In der 2. H. 18. Jh. bis 1962 betrieben die Besitzer des Gutes eine Ziegelei. 1822 gehörte Deesberg Obereinnehmer Haccius, dessen Witwe es dem Gutsbesitzer Hentzen übertrug. Dessen Familie besaß es noch 1894. Bis 1889 gehörten Deesberg und der Burgplatz auf dem Amtshausberg zusammen. 1909 ist eine Frau Major Blecken von Schmeling als Eigentümerin der Ziegelei belegt. Seit 1914 gehört Deesberg der Familie Rolfsmeyer. Sie betrieb auf dem Besitz neben der Ziegelei Milchviehwirtschaft und von 1958-1987 Champignonanbau. Seit 2008 ist das Gut zwischen Arnulf (Waldbau und Forst) und Daniel Rolfsmeyer (ökologischer Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung) geteilt. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Zur Baugeschichte des spätmittelalterlichen Adelssitzes Deesberg sind keine zuverlässigen Angaben möglich. Zwei Ansichten des Fleckens Vlotho 1581 enthalten auch eine Skizze des Hauses Deesberg. 1556 war im "alten huiß" eine Balkenlage in schlechtem Zustand und sollte ausgetauscht werden, doch wurde das Haus anscheinend neu errichtet: 1557 werden der "hoefplatz mit dem graven, daruff eine gude neuwe wonung sambt der schuyren spyker, mußgaden, misten etc." genannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand mit dem noch erhaltenen Villenbau ein neues Hauptgebäude. (Andreas Kamm)


(Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Zum Grundriss und zur Baugestalt des abgegangenen spätmittelalterlichen Burgsitzes Deesberg liegen keine Mitteilungen vor.
Das bestehende Hauptgebäude, ein Villenbau aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs., ist ein siebenachsiger Baukörper mit 2,5 Geschossen, übergiebeltem Mittelrisalit und Flachwalmdach. Die Fenster im Eingangsgeschoss sind rundbogig und im ersten Obergeschoss rechteckig angelegt. Nördlich schließen sich Wirtschaftsgebäude an. (Andreas Kamm)