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Eidinghausen, Ovelgönne

Geschichte:

Die Ursprünge der Wasserburg Ovelgönne und ihres Vorgängerbaus (siehe Ovelgönne, Alter Schlossplatz) liegen in einem erstmals 922 im Besitz des Klosters Abdinghof in Paderborn belegten königlichen Meyerhofes. 1126 wird der Hof als "ein kleines Gut in Eidinhusen" erwähnt.
1353 erhielt Bischof Dietrich von Minden Gut, Mühle und Patronatsrecht über Eidinghausen durch einen Tauschvertrag vom Abdinghofkloster, worauf sich die Angabe der ersten indirekten Erwähnung bezieht. 1362 verpfändete Bischof Gerhard Ovelgönne an den Vlothoer Burgmann Ludolf von Mönnichusen (1338-1398). 1392 waren seine Söhne Statius und Johann Herren auf Ovelgönne.
Statius von Münchhausen, bei einer Fehde in Gefangenschaft geraten, verpfändete das Eidinghauser Gut 1400 als Lösegeld an die Edelherren Simon und Bernhard von der Lippe. 1421 wurde es wieder eingelöst. 1458 (Ludorff gibt 1459 an) kommt Ovelgönne erstmals als befestigte Anlage vor, als es osnabrückische Söldner in der Fehde zwischen Osnabrück und Minden bis 1461 besetzen.
Durch Eheschließung der Agnes von Münchhausen, Tochter Alberts mit Bernd von Reden-Pattensen um 1550 fiel Ovelgönne an dessen Familie, 1559 erscheint er als Besitzer. Sein Sohn Bernd Ernst von Reden (gest. 1643), Landdrost von Minden und lüneburgischer Drost zu Liebenau, war 1593 wegen Ovelgönne Mitglied der Ravensberger Ritterschaft. Sein Sohn Ernst starb 1643 ohne Nachkommen, Ernsts Schwester Meta erbte Ovelgönne und brachte es an ihren Ehemann Kort Plato von Schloen genannt Gehle. Ihr Sohn Moritz (1667-1714) starb ohne Nachkommen, Ovelgönne fiel an seine Witwe Anna Lucretia von Amstenradt (1656-1733) und deren unverheiratete Schwester Margarethe Magdalene. Als Erben setzten sie 1733 die katholische Mission in Vlotho ein, die es auf Anweisung der Regierung verkaufen musste.
1738 erwarb Johann Friedrich von Weißenfels, königlich-preußischer Major im von Borckeschen Infanterieregiment das Rittergut für 22.410 Reichstaler. Sein Sohn Carl Ludwig (geb. 1735) erbte Ovelgönne 1775, nach dem Tode seiner Mutter. Carl Ludwig starb 1790 ohne Nachkommen, seine jüngste Schwester Juliane Sophie Charlotte (geb. 1738) im Jahr darauf. Ovelgönne kam damit 1791 an Ernst Ludwig von Puttkammer, den Sohn von Carl Ludwigs ältester Schwester Elisabeth Anna Luise (1724-1757) und Ehefrau Georg Ludwigs von Puttkammer (1715-1759). Ihr Sohn Georg Heinrich Friedrich von Puttkammer starb 1866 wie seine Geschwister ohne Nachkommen, Ovelgönne fiel daher durch Testament an einen entfernten Vetter, Oscar von Puttkammer aus Barnow (Pommern), der es 1874 an Otto Graf von Königsmarck-Ober-Lesnitz verkaufte. 1882 veräußerte er das Gut an den Berliner ehemaligen Gymnasiallehrer Bolle, 1891 wurde Ovelgönne aus der Matrikel der Rittergüter gestrichen. 1904 erwarb Kaufmann Fritz Schäffer aus Werste die Besitzung, 1919 der Paderborner Gärtner August Karmstedt. 1921 folgte Gutsbesitzer Karl Gentil aus Den Haag, 1925 Gutsbesitzer Ernst Niebuhr aus Bochum. 1940 kaufte die Gemeinde Eidinghausen das Anwesen für 50.000 Reichsmark. Nach 1945 diente das Haus u.a. als Altenheim. Mit der Gemeindeneugliederung 1973 folgte die Stadt Bad Oeynhausen als Rechtsnachfolger im Besitz Ovelgönnes. Nachdem die Anlage ab 1983 zunächst von der Stadt Bad Oeynhausen als Bürgerhaus genutzt wurde, ist sie gegenwärtig verpachtet und kann für Veranstaltungen (Hochzeiten, Ausstellungen, Präsentationen, Firmenmessen) gemietet werden. (Andreas Kamm)

Bauentwicklung:

Johann Friedrich von Weißenfels baute die Wasserburg 1740 (Inschrift)) zu einer barocken Schlossanlage aus, größere Umbauten fanden um 1855 statt. Vermutlich entstand damals an der Ostseite der schmale einachsige Anbau.
Nachdem das Schloss in der 12. H. 20 Jh. zunehmend verfiel, ließ es die Stadt Bad Oeynhausen 1981-83 tiefgreifend sanieren (Teilentkernung), um es als Bürgerzentrum zu nutzen. Dabei wurden u.a. die originale Dachkonstruktion verändert und vier bauzeitliche schmiedeeiserne Gitter an den Kellerfenstern sowie Einbauten des 19. Jh.s entfernt. (Andreas Kamm)

Baubeschreibung:

Die Burginsel, als leicht unregelmäßiges Rechteck angelegt, ist von einer breiten umfassenden Gräfte umgeben. Der Zugang erfolgte um 1825 wie heute über eine Brücke von Westen, eine weitere war im Süden angelegt. Von dort aus war und ist es möglich, in den südlich der Insel gelegenen Gutspark zu gelangen.
Das bestehende Herrenhaus, südlich mit Hauptfront in nördlicher Richtung gelegen, ist ein neunachsiger verputzter Bruchsteinbau mit hohem durchfenstertem Kellergeschoss und Mansardwalmdach, an der Ostseite befindet sich ein schmaler einachsiger Anbau (wohl 19. Jh.). Im Innern wurde das Schloss mehrfach umgestaltet.
Gegenwärtig können ein großer Saal mit Bühne, Theke und kleine Küche, ein kleiner Saal mit Theke, ein Terassensaal und ein großer Gewölbekeller mit Theke für Veranstaltungen gemietet werden.
Nördlich des Herrenhauses standen 1825 noch ein kleineres und ein größeres Nebengeäbude. Das größere war etwa halb so groß wie das Herrenhaus und stand parallel dazu nahe der nördlichen Gräfte. (Andreas Kamm)