EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Hornberg, Obere Burg

Geschichte:

Erst im Jahre 1366 ist von der Oberen Burg Hornberg erstmals die Rede. Dennoch ist davon auszugehen, dass bereits der im Jahre 1272 verstorbene Bischof Heinrich von Speyer (Episkopat 1245 - 1272) der Bauherr der Oberen Burg war, die die ältere Untere Burg deutlich überhöhte und vermutlich als Gegenburg gedacht war. Der Erwerb der Unteren Burg durch das Speyrer Hochstift in den Jahren 1259 und 1263 darf zwanglos als von vorneherein beabsichtigte Folge des Baues der Oberen Burg interpretiert werden. Trotz der von da an gleichen Eigentumsverhältnisse sollten beide Burgen noch für mehr als 200 Jahre baulich voneinander getrennt bleiben. Inwieweit die Obere Burg in der Zwischenzeit von Speyrer Ministerialen bewohnt und behütet wurde, ist noch nicht ausreichend geklärt. Spätestens seit 1263 teilte die Untere Burg das historische Schicksal der Oberen Burg, weshalb auf die Darstellung zu Ersterer verwiesen werden darf. Hinsichtlich der Rangordnung beider Burgen zog die bisherige Obere Burg zunehmend die Funktion der Kernburg an sich, während die ältere Untere Burg zur Vorburg degenerierte. Erst nachdem sich die vormalige Obere Burg im 17. Jahrhundert zur Ruine entwickelt hatte, drehte sich diese Entwicklung gewissermaßen um. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Die Obere Burg wurde durch spätere Baumaßnahmen im 15. und 16. Jahrhundert fast bis zur Unkenntlichkeit verändert. Rekonstruierbar ist noch, dass sie etwa rechteckige Umrisse mit Seitenlängen von 40 zu 20 m besaß. Die Angriffsseite im Norden wurde durch eine ungewöhnlich mauerstarke Schildmauergesichert, vor der sich sicherlich bereits von Anfang an ein Halsgraben befand. Über einen Bergfried verfügte die Obere Burg zunächst nicht. Ob das später von Lutz Schott umgebaute Steinhaus in der Südostecke der Oberen Burg in deren Gründungszeit zurückgeht, wie frühgotische Fenster vermuten lassen, oder in eine Ausbauphase im 14. Jahrhundert gehört, ist momentan noch nicht verbindlich geklärt. Völllig unklar ist, ob zur Oberen Burg ursprünglich eine Vorburg gehört hatte. Der Ausbau in späteren Jahrhunderten hat deren eventuelle Spuren verwischt.
Ein erster Ausbau der Oberen Burg wird in die 1340er Jahre datiert, vielleicht in Zusammenhang mit dem Versuch, die Talsiedlung Steinbach zur Stadt auszubauen. Erst in dieser Periode entstand in mehreren Bauphasen der ca. 33 Meter hohe Bergfried, der auf der Mauerstärke der Schildmauer fundamentiert wurde. Der ungewöhnliche, hinten abgeplattete runde Grundriß nimmt auf die Konturen der Schildmauer Rücksicht. Spätestens in dieser Phase entstand auch das Steinhaus in der Südostecke der Oberen Burg, das später von Lutz Schott umgebaut werden sollte.
Weitere, offenbar umfangreiche Baumaßnahmen sind für die Mitte des 15. Jahrhunderts überliefert. Ihnen werden ein erster Zwinger um die Obere Burg zugerechnet, zu dem die beiden südlichen runden Türme gehören. 1452 wurde angeordnet, einen Neubau in der Burg zu errichten und vorhandene Bauten zu renovieren. Inwieweit dies ausgeführt wurde, ist aufgrund der Bautätigkeit der späteren Burgherren nicht wirklich klar zu beurteilen. Verbindlicher sind die Spuren der Ära Lutz und Konrad Schott, obwohl diese eher kurz war. Laut Inschrift ließ Lutz Schott 1471 das Steinhaus im Südosten der Burg umbauen. Ebenso war er der Bauherr der an Schildmauer und Bergfried angelehnten Burgkapelle, die das Schott´sche Wappen trägt. Seinem Sohn Konrad wird das Steinhaus im Westen der Kernburg zurechnet. Die beiden Schotts ließen auch Obere und Untere Burg durch eine gemeinsame äußere Ringmauer verbinden und erweiterten die um die Obere Burg befindlichen Zwinger, u.a. mit drei weiteren runden Flankierungstürmen. Nun erst war aus zwei Burgen die bestehende eine Burg Hornberg geworden.
Dem berühmten Götz von Berlichingen, der die Burg 1517 von Konrad Schott erwarb, werden kaum Bautätigkeiten auf dem Hornberg zugerechnet. Erst sein Sohn Hans Jakob sollte dies gewissermaßen nachholen. Bemerkenswert ist sein Ausbau der Oberen Burg, die nunmehr zur Kernburg der Gesamtanlage geworden war und nun jede eigenständige Verteidigungsfähigkeit verlor. Hans Jakob ließ in ihre Nordostecke ein neues Steinhaus mit Küche einbauen für das die dicke Schildmauer teilweise abgetragen wurde. Zur Erschließung von Steinhaus und Bergfried wurde ein polygonaler Treppenturm errichtet. Auch die Zwinger um die Kernburg wurden durch die Berlichingen nochmals ausgebaut.
Mit der Bauphase Hans Jakob von Berlichingens war Burg Hornberg derart ausgebaut worden, dass das Problem der reinen Erhaltung der Bausubstanz von da an vorprogrammiert war. Es kann nicht wirklich überraschen, dass Hornberg bereits 1611 in schlechtem baulichem Zustand war und die Gebäude der Kernburg von den Herren von Gemmingen, die Hornberg 1612 erwarben, alsbald nicht mehr erhalten werden konnten. Die 30 Kriegsjahre von 1618 bis 1648 und die folgende Nachkriegszeit taten ein übriges, um die vormalige Obere Burg zur Ruine zu machen. Dennoch blieb der Verlust an Bausubstanz überschaubar. Nur die Untere Burg wurde im 18. Jahrhundert wieder für Nutzung und Bewohnung hergerichtet, die Obere Burg bzw. Kernburg ist dagegen ein Anziehungspunkt für den Tourismus. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Der Besucher betritt die Burg normalerweise durch die heutige Vorburg, die ehemalige Untere Burg (siehe dort), deren Gebäude heute noch überwiegend unter Dach befindlich sind. Die weiter nördlich befindliche Kernburg, ehemals Obere Burg, ist durch einen langen Torzwinger mit drei ehemaligen Zwischentoren zu erreichen. Das innerste Zwischentor war durch einen großen Rundturm geschützt, der sehr weit nach Westen in den Steilhang vorspringt. Seitlich davon befindet sich der Zugang zur Kernburg, deren Ringmauer spätestens infolge des Ausbaues unter den Herren von Berlichingen ihre fortifikatorische Funktion zugunsten der vorgelagerten Zwingermauern verloren hat. Von den Gebäuden der Kernburg beansprucht der von Lutz Schott um 1471 umgebaute Wohnbau in der Süddostecke aufgrund der frühgotischen Fensterreste besonderes Interesse. Dieses Gebäude könnte in die Gründungszeit der Oberen Burg zurückgehen. Nördlich schließt sich der Wohnbau der Herren von Berlichingen in schlichten Renaissanceformen an, zu dem die relativ gut erhaltene Burgküche gehört. Auch der nördliche Treppengiebel dieses Gebäudes, das nur wenige Jahrzehnte in Nutzung gewesen sein kann, überdauerte die späteren Jahrhunderte. In der Nordwestecke duckt sich die eher kleine Burgkapelle hinter die Schildmauer. Ihr Gewölbe trägt das Wappen der Herren Schott. Alle Gebäude der Kernburg dürften Bauteile aus Fachwerk besessen haben, die im heutigen Ruinenzustand naturgemäß fehlen. Der mit 33 m ungewöhnlich hohe Bergfried wurde durch einen polygonalen Treppenturm mit dem Wohnbau der Herren von Berlichingen verbunden. Beide Türme sind für die Silhouette der Burg sehr charakteristisch und ästhetisch. Die ehemalige Schildmauer, die auch den Bergfried trägt, kommt infolge der jüngeren Bauphasen heute kaum noch zur Geltung. Die im Bereich der Kernburg immer wieder anzutreffenden Buckelquader sind sekundär verwendet und stammen von älteren Bauten. An den Zwingermauern und -türmen ist die Entwicklung der Schießschartenformen im 16. Jahrhundert gut ablesbar. Einer der Türme diente zugleich als Gefängnisturm. Besonders bemerkenswert ist das an ein Stadttor erinnernde Nordtor der Burg, bestehend aus Torturm und Vortor. Im Obergeschoß des Torturmes ist als große Seltenheim ein Einbau aus Holzbohlen mit kleinen Schießscharten für Gewehre erhalten. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Funde liegen bisher nicht vor.