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Leuchtenburg bei Seitenroda

Geschichte:

Die durch archäologische Grabungen gesicherten Anfänge der hochmittelalterlichen Leuchtenburg bei Seitenroda reichen bis in die Zeit um 1200 zurück. Von dieser Anlage, nach der sich 1227 mit Hermann von Leuchtenburg ein Mitglied der edelfreien Familie aus dem Hause der Lobdeburger benennt, ist die ebenfalls durch archäologische Untersuchungen nachgewiesene Siedlung auf dem Burgberg (Lichtenberg) zu unterscheiden, die sich aufgrund des Fundgutes in die Zeit vom 9. bis zum ausgehenden 12. Jh. nachweisen lässt. Unklar ist nach derzeitigem Kenntnisstand, ob es sich um eine befestigte oder unbefestigte Siedlung gehandelt hat.
1256 wird die hochmittelalterliche Leuchtenburg erstmals als Ausstellungsort einer Urkunde erwähnt. Bereits in der dritten Generation setze der allmähliche Niedergang der Edelherren von Leuchtenburg aus dem Hause Lobdeburg ein, und um 1310 befand sich die Leuchtenburg offenbar zusammen mit Kahla im Pfandbesitz der Grafen von Schwarzburg.
1333 veräußerten die Vettern Johann I. und Albrecht IV. von Lobdeburg-Leuchtenburg die Burg sowie die Stadt Kahla an die Grafen von Schwarzburg, die dort den Sitz einer Vogtei (1350) einrichteten. 1389 versetzte Graf Johann II. von Schwarzburg-Wachsenburg die Leuchtenburg an den Erfurter Bürger Heinrich von dem Paradies und drei Jahre später bemächtigten sich die Wettiner der Anlage. Die von Johann Rothe 1421 vollendete Thüringische Chronik schildert die kampflose Einnahme der Burg. 1396 geht die Leuchtenburg schließlich gegen eine Abfindung an die Grafen von Schwarzburg über und dient in der Folgezeit als Mittelpunkt eines Amtes.
Gemäß den Bestimmungen der Leipziger Teilung von 1485 fiel die Leuchtenburg an die ernestinische Hauptlinie der Wettiner. Im Sächsischen Bruderkrieg (1446 - 1451), einer Auseinandersetzung zwischen Herzog Wilhelm III. und dem Kurfürsten Friedrich II. von Sachsen, befand sich die Leuchtenburg als Pfandbesitz in der Verfügungsgewalt des Apel Vitzthum, der Herzog Wilhelm unterstützte. Nach Beendigung der Auseinandersetzung überfiel Apel Vitzthum eine kurfürstliche Gesandtschaft. Er nahm verschiedene Personen gefangen und provozierte so eine Belagerung der Leuchtenburg sowie diverser anderer Burgen (u. a. Kapellendorf), durch eine Allianz, bestehend aus Herzog Wilhelm und Kurfürst Friedrich sowie der Stadt Erfurt. Am 16. Dezember 1452 erfolgte die Einnahme der Leuchtenburg. Im Zusammenhang mit diesen kriegerischen Ereignissen ist wohl auch die Verstärkung der Burg durch eine Zwingeranlage mit Flankentürmen in den 1450er Jahren zu sehen. Eine weitere Verstärkung der Wehranlagen erfolgte 1552/53. 1602 und 1658 suchten schwere Brände die Burg heim. Sie bedingten umfangreiche Baumaßnahmen. 1700 wurde der Amtssitz auf der Leuchtenburg, die 1672 an das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg gefallen war, nach Kahla verlegt. Die Burg wurde in der Folgezeit als Zucht-, Armen- und Irrenhaus genutzt (umfangreiche Baumaßnahmen 1720 – 1724).
Nach der Auflösung des Zuchthauses 1871 wurden verschiedene Gebäude niedergelegt, 1886 der Bergfried zum Aussichtsturm ausgebaut und 1889 eine Gastronomie innerhalb der von zahlreichen Sommerfrischlern aufgesuchten aussichtsreichen Burg angelegt. Bis 1919 verblieb die Anlage im Besitz der Herzöge von Sachsen-Altenburg (seit 1826). Als Eigentümer folgte 1919 das Land Thüringen und 1945 der Kreis Jena. 1921 entstand in der Leuchtenburg eine der ersten Jugendherbergen Thüringens, die bis 1997 Bestand hatte. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) veräußerte die Leuchtenburg 2007 an die Stiftung Leuchtenburg, die die Anlage bis heute betreibt und museal, gastronomisch und kulturell nutzt. Im Zusammenhang mit einer grundlegenden Sanierung und der Umsetzung der Ausstellung "Porzellanwelten Leuchtenburg" wurden Teilbereiche der Burg durch moderne Ein-und Umbauten überformt, die das Erscheinungsbild der Anlage stark beeinträchtigen. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Bedingt durch zahlreiche bauliche Veränderungen sowie die wechselvolle Nutzungsgeschichte lässt sich die Bauentwicklung nur ansatzweise mittels archäologischer Grabungen und bauhistorischer und archivalischer Forschungen rekonstruieren. Die ältesten Siedlungsspuren auf dem Lichtenberg, die im Zuge einer archäologischen Grabung 2009 - 2011 ermittelt wurden, reichen in die Zeit vom 9. bis zum ausgehenden 12. Jh. zurück. Um 1200 wurde das Gelände planiert und für eine Burggründung der Lobdeburger vorbereitet. In den Schriftquellen ist die Burg in der ersten Hälfte des 13. Jh. greifbar. Der Baubestand aus hochmittelalterlicher Zeit ist nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Um- und Ausbauten bis zum 19. Jh. sehr dürftig. Ein wichtiges Zeugnis der Burg des 13. Jh. stellt der schmale runde Bergfried im Bereich der Kernburg dar. Umfangreicher ist der Baubestand des Spätmittelalters, zu dem u. a. die die Hauptburg umgebende polygonale Zwingermauer mit vier runden, für die Verteidigung mit Feuerwaffen bestimmten Flankentürmen gehören (Mitte 15. Jh.; u. a. Dendrodatierung 1458/59). Dem 15. Jh. gehören auch Teile des Mauerwerks der „Kirche“ an, die sich im Hauptburgbereich unmittelbar an den runden Bergfried anschließt. Eine Verstärkung der Wehranlagen erfolgte 1552/53. 1602 und 1658 wurden Teile der Burg durch schwere Brände zerstört. In der Kernburg entstand bis 1670 unter Einbeziehung des mittelalterlichen Bergfrieds das Amtshaus. Weitere Baumaßnahmen auf dem Areal der Vorburg erfolgten 1720 - 24 im Zusammenhang mit der Einrichtung des Zucht- und Armenhauses (Arbeitshaus und Männerzuchthaus). 1745/46 wurde die in ihrer Substanz ältere Kirche umgebaut und 1837/38 wurde im Torhaus der Vorburg die neue Kaserne eingerichtet, während in den älteren Kasernen in der Kernburg das „Weiberzuchthaus“ untergebracht wurde. Der Auflösung des Zuchthauses 1871 folgte 1873 der Abriss des „Weiberzuchthauses“ und der Ökonomiegebäude. Das Arbeitshaus und das Männerzuchthaus wurden zum Logierhaus (Hotel) mit Gastronomiebetrieb. 1886 erhielt der Bergfried einen neuen steinernen Helm mit Umgang und umlaufendem Zinnenkranz.
Problematisch ist die zeitliche Einordnung eines 1994 im Zuge der Neupflasterung innerhalb des Burgareals aufgedeckten Gebäudes (Kellergeschoss), das in der Literatur gelegentlich als romanischer Wohnturm des 13. Jh. angesprochen, jedoch nach Ausweis der bauhistorischen Befundung in die Zeit um 1500 zu datieren ist.
Moderne Einbauten und „architektonische Zutaten“, die den Erlebniswert der Burg steigern sollen und im Zusammenhang mit der Einrichtung der Ausstellung „Porzellanwelten Leuchtenburg“ erfolgten (Eröffnung 2014), führten zu einer modernen Überformung der Gesamtanlage.
(Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die weithin sichtbare Leuchtenburg bei Seitenroda erhebt sich auf dem 395 m hohen Lichtenberg. Das Erscheinungsbild der Gesamtanlage ist vor allem durch spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Baubestand geprägt und wird in Teilbereichen durch moderne architektonische Eingriffe beeinträchtigt.
Die Gestalt der im Nordwesten gelegenen Vorburg ist bedingt durch bauliche Veränderungen des 17. und 18. Jh. kaum mehr zu erschließen. Durch archäologische Untersuchungen ließ sich lediglich der Abschluss des Vorburggeländes an der Westseite nachweisen. An die Vorburg schließt sich das etwa 30 x 35 m messende Gelände der Kernburg mit dem runden Bergfried an, das seinerseits von der noch gut erhaltenen spätmittelalterlichen Zwingeranlage (Mitte 15. Jh.) umgeben ist. Ursprünglich handelte es sich bei der Kernburg um eine geschlossene Vierflügelanlage mit der Kirche an der Nordseite, dem L-förmigen „Weiberzuchthaus“ an der Ost- und Südseite sowie dem Amtshaus im Westen, in dessen Winkel zur Kirche sich der runde Bergfried befindet. Der 26 m hohe Turm weist bei einer Basismauerstärke von 2,30 m einen Durchmesser von 8,70 m auf und wird im Inneren durch vier balkengedeckte Geschosse gegliedert. Der ehemalige Turmeingang liegt in 11 m Höhe über dem heutigen Hofniveau. Der steinerne Helm mit Umgang und kleinen Zinnen ist Resultat der Umgestaltung des Turmes zu einem Aussichtsturm 1885/86.
Durch eine recht komplizierte bauliche Entwicklung zeichnet sich die Kirche aus, die Bauphasen des 17. bis 20. Jh. aufweist. Bei dem Amtshaus handelt es sich um einen zweigeschossigen Putzbau mit Satteldach, das nach Norden abgewalmt ist. Der Bau (14,90 x 28,60 m) wurde 1665/66 neu aufgeführt. Besondere Aufmerksamkeit verdient die spätmittelalterliche Zwingeranlage aus der Mitte des 15. Jh. mit vier Flankentürmen. Die Türme weisen Schießscharten in umgekehrter T-Form, in Schlüssel- und Steigbügelform sowie im Inneren gewölbte Schartenkammern auf. An der Nordseite wurde dem Arbeitshaus im Vorburgbereich ein moderner Betonbau vorgeblendet, der in seiner nüchternen Architektur mit den Neubauten vor dem Torhaus korrespondiert.
(Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Freilegungen in Teilbereichen der Kernburg 1994 sowie grundlegende Untersuchung vor allem des Vorburgbereichs 2009-2011. (Jens Friedhoff)