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Bentheim

Geschichte:

Die Burg Bentheim war der Stammsitz des bedeutenden Grafengeschlechts von Bentheim. Ihre Ersterwähnung im Jahr 1116 in den Aufzeichnungen des "Annalisto Saxo" meldete gleichzeitig ihre Zerstörung durch Lothar von Supplinburg. Der Grund dafür und ihr damaliger Besitzer bleiben dabei aber unerwähnt. Vor 1150 gelangte die Burg auf unbekanntem Weg in die Hände von Otto von Salm-Rhieneck. Nach seinem Tod im gleichen Jahr ist die Burg im Erbgang an die Grafen von Holland übergegangen. 1165 wird die Burg "castrum Bintheim" genannt, Lehnsherr war der Bischof von Utrecht. Balduin von Holland, 1178-1196 Bischof von Utrecht, soll zugunsten seines Bruders Otto von Bentheim auf die Rechte an der Burg, die damit zum Allod wurde, verzichtet haben. Dieser Otto war gleichzeitig der erste Graf von Bentheim, sämtliche Versuche, eine frühere Existenz der Grafschaft Bentheim zu postulieren, sind nicht stichhaltig. 1421 starb das Haus Holland mit dem Tod von Graf Bernhard I. im Mannesstamm aus, der Erbe war sein Großneffe Everwin von Götterswick, dessen Familie noch heute die Grafen von Bentheim stellt. 1223 wurden 13 Burgmänner genannt, 1346 21 und 1487 sechs. Das letzte Burglehen wurde erst 1864 allodifiziert. Die Grafen von Bentheim besitzen seit der Mitte des 15. Jhs. auch die Herrschaft Steinfurt. Heute wird die Burg vom Schloss Burgsteinfurt aus verwaltet. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Trotzdem die Burg sich seit dem Spätmittelalter im Besitz des gleichen Geschlechts befindet, sind nur wenig Urkunden zur Baugeschichte überliefert.
Über die hochmittelalterliche Baugeschichte bis zur Errichtung einzelner Teile der heutigen Burg im 13. Jh. ist nichts bekannt. Im 14. Jh. dürfte der Zwinger, "Bögelbahn" genannt, errichtet worden sein, der später zu einer Batterie ausgebaut wurde. 1415 wird die Burgkapelle erstmals erwähnt, sie ist aber wohl schon im 13. Jh. errichtet worden. Im 15. Jh. wurde der Bergfried, der sog. Pulverturm, in der Südostecke des oberen Burghofs als verfallen bezeichnet, unter Everwin II. (1473-1530) wurde er wieder aufgebaut sowie der Runde Turm und ein Gebäude mit Speisesaal und Küche errichtet. 1584 sind eine Mauer und ein runder Turm an der Nordseite eingestürzt, mit seinem Wiederaufbau wurde nach 1598 begonnen. Graf Ernst Wilhelm (1643-1693) entfachte eine besonders umfangreiche Bautätigkeit. Weitere Erneuerungstätigkeiten fanden zu Beginn des 18. Jhs. statt. 1761 sprengte die hannoversche Besatzung bei ihrem Abzug Teile der Nordmauer samt angrenzender Gebäude in die Luft. Bei der Belagerung durch die Franzosen im Jahr 1795 wurden Kanzlei und Galerie wie der Verbindungsbau nördlich des runden Turmes in Brand geschossen und niedergelegt. Von 1894 bis 1910 wurde der Palas, die "Kronenburg", in historisierenden Formen erneuert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Gestalt der 1116 zerstörten Burg ist vollständig unbekannt. Aus dem 13. Jh. stammen einige Bestandteile der heutigen Burg wie Teile der Nordmauer der unteren Burg, das Haupttor, die Katharinenkirche und die Kronenburg in der Nordwestecke. Der heutige Burgkomplex ist ungefähr hälftig in Haupt- und Vorburg geteilt, zwischen denen bis ins 18. Jh. ein Graben verlief. Die Ringmauer der Hauptburg ist mit fast 3 m deutlich stärker als die der Vorburg. Die Vorburg enthält heute neben der Kirche nur noch ein Torgebäude und den Schlossgarten. Zwischen Haupt- und Vorburg liegt südlich des früher doppelten Haupttores eine zwingerartige Anlage, die sog. Bögelbahn. Vor dem Tor steht die später als Remise genutzte Katharinenkirche, deren quadratischer Turm evtl. früher als Wehrturm diente. Das Torhaus selbst aus dem 17. Jh. enthält Teile eines älteren Torgebäudes mit Tonnengewölbe. Im Hauptburghof wird das Tor durch ehemals zwei, heute noch ein Wachgebäude flankiert. Südlich von ihnen folgten im Uhrzeigersinn die nicht mehr vorhandene Kanzlei, der quadratische Bergfried mit achteckigen Eckwarten, ein Wohngebäude und ein runder Schalenturm an der Ecke mit Geschützschießscharten (Durchmesser 21 m, Mauerstärke 8 m). Auf der Westseite liegt das ungefähr hufeisenförmige Hauptgebäude, die Kronenburg. Sie stammt im Kern aus dem 13. Jh. war aber immer wieder Gegenstand von Erneuerungs- und Ausbauarbeiten. Der fast quadratische Rittersaal mit Mittelstütze erinnert an einen Donjon. Der Nordwestraum diente bis 1868 als Schlosskapelle, war aber ursprünglich profan genutzt. Die Kronenburg wurde gegen Ende des 19. Jhs. durch den Architekten Nordhoff im neogotischen Stil restauriert, er baute auch den Verbindungsgang zum südlichen Gebäude. Im Norden folgte auf die Kronenburg ein nicht mehr erhaltenes Gebäude, neben dem eine Ausfallpforte lag. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine