EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Fürstenau

Geschichte:

Die Burg Fürstenau wurde als Stiftsburg durch den Osnabrücker Bischof Gottfried von Arnsberg (1321-1340) zur Sicherung der nördlichen Bistumsgrenzen um 1340 gegründet. An Burgmännern sind 1351 zwei und 1449 vier namentlich überliefert. Nach mehrmaligen Ausbauten wurde die Burg in der Mitte des 16. Jhs. zum regulären Wohnsitz der Fürstbischöfe, Amtssitz eines Drosten war sie schon vorher. Im 30jährigen Krieg wechselte sie mehrfach den Besitzer zwischen der katholischen und protestantischen Seite. Mit der Säkularisation gelangte die Burg 1803 an das Königreich Hannover. 1974 erwarb die Samtgemeinde Fürstenau das Schloss und siedelte dort ihre Verwaltung an. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die erste Burg bestand laut der Abbildung auf einem Siegel aus einem Bergfried mit anschließendem Wohngebäude. Unter Bischof Heinrich I. von Holstein (1402-1410) erhielt die Burg eine Palisadenbefestigung. Er soll auch zwei Bergfriede errichtet haben, die ansonsten aber nicht nachgewiesen sind. Eventuell sind mit dieser Angabe in Wirklichkeit Tortürme gemeint. Bischof Konrad IV. von Rietberg (1482-1508) baute die Anlage mit Wällen, Gräben und einem Saalbau weiter aus. Unter Bischof Jonannes IV. Graf von Hoya zu Stoltzenau (1533-1574) erhielt sie ihre endgültige Gestalt in Form einer Vierflügelanlage. Im 30jährigen Krieg wurde sie zu einer Festung ausgebaut und erhielt vier Eckbastionen mit nach außen abfallendem Glacis sowie eine Sternschanze im Westen. 1630 ist auch der Turm von Grund auf neu erbaut worden. Danach verlor sie ihre militärische Bedeutung und verfiel langsam. Um 1750 wurden die Stadtwälle abgetragen und der Schlossgraben trocken gelegt. Der Südflügel mit dem Bergfried wurde 1817 zur Pfarrkirche St. Katharina umgebaut. Der heutige Westflügel ist erst nach 1970 errichtet worden. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Im Niedermoor westlich der heutigen Innenstadt wurde für den Bau der Burg nach dem Abtrag der Torfschicht eine 4 m hohe, annähernd quadratische Sandaufschüttung von 40 m Seitenlänge vorgenommen. Eine 1-1,5 m starke Bruchsteinmauer stützte diese Insel zum 13 m breiten und bis zu 2 m tiefen Wassergraben hin ab. Der Graben wurde durch einen 10 m breiten Wall umrahmt, dessen Innenseite durch eine 3 m breite und noch 1,5 m hoch erhaltene Plaggenmauer mit vorgeblendeter Palisade stabilisiert wurde. Der erste Bergfried stand in der Südwestecke der Insel. Um 1500 ist in den Burggraben ein 1,80 m hoher, umlaufender Gang gemauert worden. Nach Anlage des Ganges ist der Burggraben bis auf einen kleinen Abschnitt an der Südwestecke zugeschüttet worden.
Unter dem Ostflügel wurden Reste von älteren Gebäuden dokumentiert. Entgegen der in Sumpfgebieten sonst üblichen Gründung mit Pfahlrosten sind die Gebäude mit großen Findlingen fundamentiert.
Von den Eckbastionen sind offenbar nur die Nordost- und Südwestbastion in Stein ausgebaut gewesen. An den anderen beiden Ecken befanden sich Erdwerke ohne Einbauten.
Das heutige Schloss aus der Mitte des 16. Jhs. ist ein nach Westen offener Dreiflügelbau, in dessen Hof vom Tor im Osten eine Durchfahrt führt. Die zweigeschossigen Gebäude sind aus Sandstein mit Kalkputz gemauert. Der heute als Kirchturm genutzte Bergfried befindet sich vor dem Westgiebel des Südflügels. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Baubeobachtungen während der Umbauarbeiten 1975-77. 1982 Ausgrabung im Bereich des ehemaligen Torhauses im Osten und 1986 Ausgrabung und Restaurierung der Bastion.