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Wittekindsburg bei Rulle

Geschichte:

Die Wittekindsburg gehört zu den frühgeschichtlichen Befestigungen, die von den Sachsen im 8. Jh. als Fluchtburgen errichtet wurden und später unter den Karolingern nach deren Eroberung Sachsens zur Herrschaftssicherung übernommen und neu befestigt worden sind.
Die erstmalige Erwähnung der Wittekindsburg in den Schriftquellen erfolgte erst nach dem Ende der Belegungszeit. In einer Urkunde des Klosters Rulle von 1253 ist von einem Bauernhaus in der Wittekindsburg die Rede. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die Wall-Graben-Anlagen außerhalb der Kernburg werden wegen ihrer einfacheren Bauweise als sächsische Wallburg aus der Zeit vor der fränkischen Eroberung angesprochen. Möglicherweise ist ihr eine Siedlungsschicht in der Kernburg zuzuweisen, die C14-Daten von 635 bis 840 n. Chr. bzw. 605 bis 825 n. Chr. aufweist. Die Kernburg kann vom ausgehenden 8. bis zum späten 10. Jh. datiert werden. Die C14-Datierung eines Pfostenhauses ergab einen Wert von 920 bis 1020 n. Chr. Eine Mehrphasigkeit ist an der Nordostecke abzulesen, auch sprechen Ausbesserungs- und Stabilisierungsmaßnahmen am Südwestturm für ein längeres Bestehen der Anlage. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Wittekindsburg bei Rulle ist die größte frühgeschichtliche Befestigungsanlage Niedersachsens. Sie liegt auf einem Sporn des Wiehengebirges und ist im Norden und Südwesten durch steile Hänge natürlich gesichert.
Die Westseite der 140 x 110 m großen Hauptburg ist durch eine 85 cm starke Trockenmauer mit Wallhinterschüttung gesichert, vor der ein bis zu 3,15 m tiefer Spitzgraben liegt. Nord- und Südseite sind ähnlich gesichert, nur ist im Süden noch ein zweiter Graben vorgelagert. Die gefährdete Ostseite wird durch eine max. 1,15 m starke Mörtelmauer mit Wallhinterschüttung und einen bis 3,90 m tiefen Spitzgraben geschützt. In der östlichen Vorburg und der Hauptburg befindet sich jeweils ein Kammertor. In der Südwestecke ist ein nicht vorspringender Rundturm in die Umfassungsmauer einbezogen. Ein quadratischer Turm mit 6,75 m Seitenlänge befindet sich in der Nordostecke. Er ist in die Ostmauer einbezogen, die Nordmauer bildet aber an dieser Stelle einen gangartigen Durchlass, der evtl. zu einer Wasserstelle am Hang führte. Die mehrphasige Innenbebauung bestand aus Holz- und Steinbauten, die nicht näher angesprochen werden können.
Die östliche Vorburg ist ebenfalls durch eine Mörtelmauer mit Wallhinterschüttung gesichert. Westlich ist der Hauptburg ein ungleichmäßiger Wall mit ausgebrochener Blendmauer vorgelagert. Die Vorfeldsicherung übernehmen mehrere Wall-Graben-Systeme mit einem Zangentor. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1890, 1892 durch Carl Schuchhardt, 1968 - 1972 durch Hans-Günter Peters, Sondagen 2001.