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Hardenberg bei Nörten-Hardenberg

Geschichte:

Die weithin sichtbare Burgruine Hardenberg zählt zu den bedeutendesten Burgen des Kreises Nörten-Hardenberg. Ihre Anfänge reichen sehr wahrscheinlich bis in das letzte Drittel des 11. Jahrhunderts zurück. Als problematisch erweist sich das in der älteren Literatur immer wieder als Ersterwähnung in Anspruch genommene Jahr 1098. In diesem Jahr soll der Mainzer Erzbischof Ruthard sich auf der "Hartisburch" aufgehalten haben, die Kaiser Otto I. seinem Sohn Wilhelm, der von 954 bis 968 den erzbischöflichen Stuhl zu Mainz innehatte, zum Geschenk gemacht haben soll. Zuverlässiger ist eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1103, als Erzbischof Ruthard auf der Burg Hardenberg die Stiftungsurkunde für das Kloster Steinau austellte. Ungeachtet dessen wird man die Gründung der Burg Hardenberg, die durch das Erzstift erfolgte, in das letze Drittel des 11. Jahrhunderts setzen dürfen. Reicher fließen die Schriftquellen ab dem 13. Jahrhundert. 1287 versetzt der Mainzer Erzbischof Heinrich II. Burg Hardenberg an Dietrich von Hardenberg und Detmar von Hardenberg, die als mainzische Funktionsträger auf der Burg ihren Dienst leisten sowie an Friedrich von Rosdorf für eine Summe von 600 Mark Silber. Bedingt durch die Beteiligung der Herren von Hardenberg, die sich an zahlreichen Fehden des Spätmittelalters beteiligen, ist die Burg im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach Ziel kriegerischer Aktionen. Besondere Beachtung verdienen die Belagerung der Burg durch Herzog Wilhelm von Sachsen im Jahr 1447 sowie eine weitere Belagerung und Beschießung des Hardenberg während der Hildesheimer Stiftsfehde 1485/86. Die Burg wurde von einem Aufgebot der Stadt Göttingen belagert, die der Stadt Hildesheim in dem Konflikt beistand. 1495 bis 1499 waren die Hardenberger und ihre Burg abermals in kriegerische Händel verstrickt, als der Hildesheimer Bischof gegen Hans von Hardenberg vorging, den er verschiedener Übergriffe gegen die Hochstifte Halberstadt, Magdeburg und Hildesheim beschuldigte.
Für die Nutzungsgeschichte und die bauliche Entwicklung der Burg war von allem eine 1408/09 durch Dieter von Hardenberg vollzogene Teilung der Anlage von Bedeutung. Im Zuge dieser Teilung entstanden die Linien Vorderhaus und Hinterhaus. Der Teilungsvertrag nennt jedoch lediglich den Baumgarten sowie ein Haus im "Vorwerk", während detaillierte Angaben zum Baubestand der Burg fehlen. 1530 wird eine vermutlich ältere Kapelle erwähnt, die den Heiligen Drei Königen geweiht war. Den baulichen Zustand in der Mitte des 17. Jahrhunderts zeigt ein 1654 veröffentlichter Kupferstich von Matthäus Merian. Der Einsturz von Teilen des zu dieser Zeit noch bewohnten Vorderhauses leitet 1698 den allmählichen Verfall der Burg ein. Das so genannte Hinterhaus war noch 1720 bewohnt, geriet in der Folgezeit jedoch infolge mangelnder Bauunterhaltung in Verfall. Unterhalb des Burgberges entstand vor 1720 der als "Hinterhaus" bezeichnete Wirtschaftshof. Ebenfalls unterhalb der Burg wurde um 1700 ein heute noch bestehendes, von den Grafen von Hardenberg bewohntes Barockschloss erbaut (Vorderhaus). In den 1840er Jahren erfolgte die romantische Entdeckung der Ruine Hardenberg. Der Architekt C. F. A. Rohns führte bauliche Veränderungen der Anlage durch und baute einen spätmittelalterlichen Treppenturm im Bereich des Hinterhauses zu einem Aussichtsturm aus. Die Burg bildete einen Bestandteil des großzügigen englischen Landschaftsparks. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die Hardenburg zeichnet sich durch eine bis ins Hochmittelalter zurückreichende bauliche Entwicklung aus, die zumindest ansatzweise im Rahmen einer bauhistorischen Untersuchung der Anlage in den 1960er Jahren rekonstruiert werden konnte. Seit März 2000 folgten baubegleitend zu den Sanierungsmaßnahmen Untersuchungen des Objekts. Im Zuge archäologischer Untersuchungen stieß man südwestlich unterhalb des Burgberges auf hoch- und spätmittelalterliche Keramik sowie auf Keramik der vorrömischen Eisenheit, die eine frühe Besiedelung des Areals nahelegen. Von der ersten Anlage des ausgehenden 11. Jahrhunderts haben sich keine nennenswerten baulichen Reste erhalten. Die ältesten noch aufgehenden Bauteile befinden sich im Bereich des Hinterhauses. Es handelt sich um die Außenwand des Gebäudes, die aus lagerhaftem Sandsteinquadermauerwerk aufgeführt wurde, das im 19. Jahrhundert ergänzt wurde. Zu den wichtigsten Befunden gehört ein gekuppeltes romanisches Fenster mit Zwischensäule und Würfelkapitell, das stilistisch in die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Das so genannte Mainzer Haus in diesem Teil der Burg wurde unter Verwendung älterer Bauteile wohl im 14. Jahrhundert errichtet (östlicher Teil) und vermutlich um 1400 (westlicher Teil) erweitert. Der Hinweis auf einen Turm, der sich in einer Urkunde von 1397 findet, deutet nicht auf einen Bergfried, der im Befund nicht nachweisbar ist, sondern vermutlich auf einen Treppenturm, der sehr wahrscheinlich mit dem noch erhaltenen 1840-42 zur Aussichtplattform ausgebauten Turm identisch ist. Die Nutzung als Ganerbenburg ab dem frühen 15. Jahrhundert zog erhebliche bauliche Veränderungen nach sich, die jedoch im Einzelnen im Rahmen interdisziplinärer Forschungen zu untersuchen sind. In das beginnende 15. Jahrhundert ist wohl auch der Vorder- und Hinterhaus trennende Graben innerhalb der Burg zu setzen. Im Bereich des Vorderschlosses entstand nördlich des Grabens ein Haus, dessen Außenwand im Zuge einer Erweiterung 3,50 m in den Graben hineingeschoben wurde. Im Nordwesten befindet sich ein weiterer Wohntrakt, der nach Baubefund der Zeit um 1500 angehört. Ein Wappenstein der Grafen von Hardenburg (Eberkopf) mit der Jahreszahl 1616 wurde als Spolie oberhalb der heutigen Toranlage im Nordwesten der Burg angebracht. An die Stelle des Tores an der Nordostecke der Burg trat Mitte des 19. Jahrhunderts eine schlichte Toranlage. 1962 erfolgte eine grundlegende Sanierung der Burg mit begleitender Bauforschung. Weitere Sanierungen setzen 2002 ein. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die östlich von Nörten-Hardenberg gelegene Burg Hardenberg nimmt einen steilen Bergsporn des Weinberges (Burgberges) ein. Die sehr wahrscheinlich bis in das ausgehende 11. Jahrhundert zurückgehende Höhenburg diente im Spätmittelalter als Ganerbenburg und ist daher als Doppelburg anzusprechen. Die beiden Burgteile Vorder- und Hinterhaus werden durch einen bis zu 20 m breiten und 5 m tiefen Graben voneinander getrennt. Die ältesten noch im aufgehenden Mauerwerk erhaltenen Bauteile weist das Hinterhaus auf. Es handelt sich um ein gekuppeltes romanisches Fenster mit Zwischensäule und Würfelkapitell, das in die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Das Haus entstand auf einer Grundfläche von 13,5 x 9,5 m. Das Untergeschoss wurde aus dem gewachsenen Felsen gehauen. Teile der Außenwände wurden im 19. Jahrhundert ergänzt. Südlich schließt sich ein zweiter Trakt über unregelmäßigem Grundriss an (Länge 22 m, Breite 9,5 m). Ein Knick in der Außenwand verweist auf zwei Bauphasen. Bauspuren eines Bergfriedes fehlen und die urkundliche Erwähnung eines Turmes 1397 bezieht sich mit ziemlicher Sicherheit auf den Treppenturm, der 1840-42 zu einem Aussichtsturm umgestaltet wurde. Jenseits des Grabens liegen die Gebäude des Vorderhauses. Es handelt sich u. a. um einen 27 m langen unterkellerten Bau von 11 m Breite, der ein flaches Tonnengewölbe aufweist. Die Westwand der Ruine erreicht noch eine Höhe von 17 m und zeigt Fensterformen des 16. Jahrhunderts. Nach Nordwesten schließt sich ein dreigeschossiger Wohntrakt mit einer Grundfläche von 24 x 12 m an, dessen Mauerwerk in die Zeit um 1500 datiert. Informationen über die tiefer gelegene, sich anschleßende Vorburg fehlen bislang. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

In den 1980er Jahren fanden erste Begehungen der Burg bzw. des Burgareals statt.