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Greene

Geschichte:

Die Geschichte der weithin sichtbaren Höhenburg Greene reicht - zieht man die gesicherte urkundliche Überlieferung heran - bis in das beginnende 14. Jahrhundert zurück Urkundlich erwähnt wird die von den Edelherren von Homburg gegründete Höhenburg erstmals 1306. Der unweit von der Burg entfernt gelegene gleichnamige Ort Greene weist ein wesentlich höheres Alter auf. Es handelt sich um den Mittelpunkt des kleinen Greingaues. Bedeutung erlangte Greene vor allem frühzeitig als Transitort des vom Rhein zur Elbe führenden Hellwegs, der hier die Leine überquerte. Unterstrichen wird die herausragende Stellung des Ortes u. a. durch die Wallbefestigung der Hü(nen)burg südlich des Ortes. Ferner handelt es sich bei dem Ort Greene um den am weitesten nach Norden vorgeschobenen Diakonatssitz der Erzdiözese Mainz. Bis zum Ende des Mittelalters war Greene Sitz eines Mainzer Diakonats. 980 übertrug Kaiser Otto II. den Burgenbau zu Greene dem als liudolfische Familienstiftung anzusprechenden Stift Gandersheim. 1021 überließ Heinrich III. die Grafenrechte im Greingau ebenfalls dem Reichsstift Gandersheim. Gandersheim belehnte mit Besitzungen im Raum Greene Dynastenfamilien. So u.a. die Grafen von Northeim, deren Besitz Mitte des 12. Jahrhunderts schließlich auf dem Erbweg an die Welfen fiel. Von Norden stießen die Bischöfe von Hildesheim in die Region vor und zwischen beiden Parteien gelang es den Edelherren von Homburg in Greene Fuß zu fassen und dort ihre Herrschaft auszubauen. Auf die Herren von Homburg geht auch die oben erwähnte Burggründung des frühen 14. oder ggf. bereits im 13. Jahrhundert erfolgte Burggründung zurück. Nach dem Aussterben der Herren von Homburg 1409 gelangte die Burg zunächst an das Hochstift Hildesheim, das seine Position nach längeren Auseinandersetzungen schließlich Ende des 15. Jahrhunderts den Welfen einräumen musste, die die Burg zum Mittelpunkt eines eigenen Amtes machten. 1553 wurde die Burg durch Graf Vollrad von Mansfeld zerstört, jedoch recht bald wieder hergestellt. Burg Greene überstand den Dreißigjährigen Krieg und diente bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Sitz eines Braunschweig-Wolfenbütteler Amtes. Die Herzöge Anton Ulrich und Rudolf August ordneten 1694 die Aufgabe der bereits baulich vernachlässigten Burg Greene an, die schließlich 1704 mit der Verlegung des Amtssitzes ins Tal endgültig zur Ruine wurde. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der in Spornlage wohl vor 1400 entstandenen Burg Greene bedarf noch einer umfassenden Untersuchung. Folgt man der urkundlichen Überlieferung, so handelt es sich um eine spätmittelalterliche Anlage der Edelherren von Homburg. Zum ältesten noch erhaltenen Baubestand gehört sehr wahrscheinlich noch der quadratische Bergfried, der zum Schutz des Tores als Frontturm konzipiert wurde. 1553 erfolgte die Zerstörung der Anlage, die jedoch zügig wieder hergestellt wurde. Der Mitte des 17. Jahrhunderts entstandene Kupferstich Merians zeigt noch eine wohlerhaltene Burg, die jedoch 1704 als Sitz eines Amtes aufgegeben wurde und verfiel. Der Baubestand wurde durch Steinraub dezimiert. 1880 erfolgten erste Restaurierungen der Anlage. In den 1950er Jahren erfolgte eine weitere Instandsetzung der Burgruine, die als Gedenkstätte des Verbandes der Spätheimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg mit Archiv und Glocke im Bergfried eingerichtet wurde. Im Zuge dieser Restaurierungmaßnahmen wurde das Gelände der Hinterburg aufgeschüttet und für die Aufführung von Burgfestspielen vorbereitet. Unter der Auffüllung sind Mauerfundamente erhalten geblieben. 1961 erfolgte die Verlegung des Archivs und der Glocke nach Goslar. Bei der Anlage eines moderen Toilettenhäuschens mit Abwasserleitung in unmittelbarer Nähe des Bergfrieds wurde ein zwei Meter breiter Mauerstreifen freigelegt. (Jens Friedhoff

Baubeschreibung:

Die spätmittelalterliche Burg Greene liegt etwa 800 m südwestlich des Ortskerns auf einem nach Norden, Westen und Osten steil abfallenden Bergsporn. An die über einem annnähernd trapezförmigem Grundriss aufgeführte Vorburg an der südlichen Zugangsseite der Burg schließt sich die Haupt- bzw. Hinterburg an, die in Nord-Süd-Richtung eine Fläche von 88 x 65 m einnimmt. Das Gesamtareal der zweiteiligen Anlage misst 110 m. Als Annäherungshindernis an der Zugangsseite diente der in den Kalkfelsen geschlagene ehemalige Halsgraben von 18 m Breite und 3 m Tiefe. Die Vorburg war durch ein Tor mit Zugbrücke zugänglich. Von den zwei großen Wirtschaftsgebäuden bieb nach der Aufgabe der Burg 1704 kaum etwas erhalten. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Südwestecke ein Tagelöhnerhaus ein, das 1914 durch Brand zerstört wurde. Das Tor zur Hauptburg schützte der schlanke quadratische Bergfried, der bei einem Seitenmaß von 9 m eine Höhe von 25 m erreicht und hofseitig einen Hocheingang aufweist. Außer dem Bergfried und der Toranlage sind weitere Reste der Ringmauer zum Teil mehrere Meter hoch erhalten. Ein Mitte des 17. Jahrhunderts entstandener Kupferstich von Merian zeigt außer dem langgzogenen Wohngebäude mit mehreren Gauben und Aborterkern an der Nordseite einen weiteren viereckigen Turm mit steiler Haube. Der Turm ist auch auf einer Karte von 1730/35 noch deutlich zu erkennen. Heute sind von dem Bauwerk nur noch wenige obertägige Reste zu sehen. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Beim Bau eines neuen Toilettenhäuschens in der Nähe des Bergfrieds stieß man 1993 auf einen Mauerzug.