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Hämelschenburg

Geschichte:

Der Ursprung der Hämelschenburg liegt in einer durch die Grafen von Everstein auf dem Berg Woldau bzw. Hünenschloss errichteten Höhenburg. Bei der Ersterwähnung der Burg Waldau 1324 wird auch das "opidum Hemerschenborch" erwähnt. Dies kann nur bedeuten, dass damals schon im später wüst gefallenen Ort Hemersen - wohl östlich des heutigen Schlosses gelegen - eine Burg existierte. Somit dürfte die Hämelschenburg nicht in Folge der Zerstörung der Burg Woldau gegründet worden sein, sondern beide Anlagen haben eine Zeitlang parallel existiert. Der ursprüngliche Name Hemersenburg verschliff sich später unter dialektalem Einfluss zu Hämelschenburg. Die erste explizite Erwähnung der Hämelschenburg erfolgte 1399, als Graf Hermann VIII. von Everstein die "Hemelschenborch" zu seinen Schlössern zählte. Die Welfen waren seit 1408 im Besitz der Burg und vergaben sie zunächst 1414 an die Kannen von Lügde als Lehen und 1437 an die Familie von Klencke. In der Großen Stadtfehde war sie unter den Gegnern der Welfen und wurde 1485 durch Herzog Wilhelm von Braunschweig zerstört. Die Burg wurde wiederhergestellt, doch 1544 in einer Feuersbrunst endgültig zerstört. 1556 wurde von Ludolf Klencke der heute noch vorhandene Wirtschaftshof über der Emmer errichtet, der auch vorübergehend zu Wohnzwecken diente. Ab 1588 errichtete Jürgen Klencke das bestehende Schloss, das bis heute im Besitz dieser Familie ist. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Über die Baugeschichte der ursprünglichen Burg ist nichts bekannt. 1405 und 1420 wird die Kapelle erwähnt. 1563 wurde ein Neubau wohl auf den Grundmauern des gotischen Vorgängers errichtet, was ihre schräge Lage in Bezug auf das Schloss erklären würde. Das heutige Schloss entstand von 1588 bis 1613 beginnend mit dem Nordflügel in einem Zug. Als mögliche Baumeister wurden früher aufgrund von Baudetails Cord Tönnis und Johann Hundertossen vermutet, mittlerweile wird der Bau Eberhard Wilkening zugeschrieben. 1845-50 wurden der Wall im Osten und Westen sowie der Graben im Norden beseitigt. Bei der ab 1887 erfolgten Restaurierung wurde die ursprüngliche Dachdeckung aus Sollingplatten durch Schieferschindeln ersetzt und kleine Dachgauben hinzugefügt. Der bemalte Putz wurde abgeschlagen und die Innenräume vollständig umgebaut. Dabei wurde die außen an der Küche liegende Pilgerhalle nach innen und die Auslucht vom Nord- an den Westflügel versetzt. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Das Schloss Hämelschenburg gilt als Hauptwerk der Weserrenaissance. Die Gestalt seines Vorgängers ist nicht bekannt, er ist noch nicht einmal sicher lokalisiert. Kiesow vermutet ihn auf einem südwestlich des Mittelflügels gelegenen Plateau, Albrecht und Heine im Bereich des Vorwerks. Am Ende des 18. Jhs. sollen oberhalb des Dorfkrugs noch Reste einer Wall-Graben-Befestigung zu sehen gewesen sein.
Der heutige Dreiflügelbau besteht heute noch größtenteils in der Gestalt aus dem Ende des 16. Jhs. Der zweigeschossige Nordflügel beherbergte die Gerichtsstube für Nieder- und Obergericht und auf der gesamten Fläche des Obergeschosses den Rittersaal. Der Mittelbau besaß ursprünglich drei Geschosse, in ihm waren Pferdeställe, Küche und Lagerräume untergebracht. Der dreigeschossige Südflügel diente als Wohntrakt. Das Ende des Südflügels ist leicht abgeschrägt, es nahm ursprünglich Rücksicht auf ein nicht mehr erhaltenes Torhaus aus Fachwerk. Den Abschluss der Bautätigkeit bildet das 1613 errichtete Brückentor. Das Schlossgebäude ist äußerst reichhaltig verziert und weist vier Giebel, 17 Zwerchhäuser, zwei Türme, zwei Erker und mehrere Portale auf.
Das Schlossgelände ist heute noch mit einer Bruchsteinmauer umgeben. Ursprünglich bildete die Mauer den äußeren Abschluss eines Walls mit darauf gesetzter Palisade. Davor befand sich auf drei Seiten ein 5 m breiter Wassergraben, im Norden ist er von einem noch heute existierenden Teich ersetzt. Die Wälle sind im 19. Jh. abgetragen worden, der Graben ist mit Ausnahme der Südseite verfüllt. Vom Schlossteich führt eine 20-30 m breite Rinne zur Emmer, sie schützte offenbar ursprünglich das Vorwerk nach Norden.
Der 1556 errichtete Wirtschaftshof besteht aus zwei großen Steingebäuden an der Ost- und Westseite, die mit Buntsandsteinplatten aus dem Solling gedeckt sind und nur sparsam durch Gesimse gegliedert sind. Ein Erker und zahlreiche Fenster verraten seine zeitweilige Nutzung für Wohnzwecke. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine