EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Montabaur

Geschichte:

Der in der frühen Neuzeit zu einer vierflügeligen Schlossanlage ausgebauten hochmittelalterlichen Burg aus dem ersten Viertel des 13. Jhs. ging eine konradinische Burggründung aus der Mitte des 10. Jhs. voraus. In einer Urkunde von 959 wird ein "castellum humbacense" erwähnt, das sich mit ziemlicher Sicherheit am jetzigen Standort des Schlosses Montabaur befand. Als Initiator des Burgenbaus ist Herzog Hermann von Schwaben anzusehen. Der Trierer Erzbischof Poppo (reg. 1006-47) erwarb 1018 den vormals konradinischen Besitz, der den Hof Humbach (Montabaur) und den dazugehörigen Forst "Spurkenberg" umfasste. Das Gebiet entwickelte sich im Hochmittelalter zu einer wichtigen Ausgangsbasis der erzstiftisch-trierischen Territorialpolitik im Westerwaldgebiet. Zu Beginn des 13. Jh. errichtete Erzbischof Theoderich II. von Wied zur Sicherung des Besitzes der Trierer Kirche an der Stelle der Vorgängeranlage eine hochmittelalterliche Burg und gab seiner neuen Burggründung zu Humbach den Namen "Mons Tabor" nach der im fünften Kreuzzug heftig umkämpften Bergfeste im Heiligen Land. In der urkundlichen Überlieferung werden Ort und Burg Humbach 1227 erstmals als "Muntabaur" bezeichnet. Die Siedlung zu Füßen der kurtrierischen Landesburg erhielt 1291 Stadtrechte und wurde um 1300 ummauert. Im Spätmittelalter diente die bereits 1235 mit 28 Burglehen ausgestattete Burg - die Burgmannensitze befanden sich z.T. in der Stadt - zeitweise den Erzbischöfen von Trier als Nebenresidenz. Bauliche Aktivitäten verschiedener Kirchenfürsten veränderten vom 15. bis zum ausgehenden 17. Jh. das Erscheinungsbild der kastellförmigen Anlage, die sich dem heutigen Besucher als vierflügelige Schlossanlage mit drei Eckrundtürmen und hochaufragendem Bergfried präsentiert. In nassauischer Zeit (1803-1866) diente Schloss Montabaur den Herzögen von Nassau häufig zu Jagdaufenthalten. 1851 beherbergte der Bau ein katholisches Priesterseminar und 1880 die Landratswohnung. 1930 ging Schloss Montabaur in den Besitz des Kreises über und diente 1946-1969 als Verwaltungssitz des neugegründeten Regierungsbezirks Montabaur, der 1969 aufgelöst und dem Regierungsbezirk Koblenz angeschlossen wurde. Seit 1970 beherbergt das vorbildlich sanierte Schloss die Akademie Deutscher Genossenschaften e.V. (Führungsakademie der deutschen Genossenschaftsorganisation). (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Von der konradinischen Burg aus der Mitte des 10. Jhs., deren Standort sehr wahrscheinlich mit der hochmittelalterlichen Burg identisch ist, haben sich bislang archäologisch keine Reste nachweisen lassen. Bei der Burgründung des Trierer Erzbischofs Theoderich II. von Wied - eine Urkunde von 1217 spricht von einer stattlichen Burg mit hochaufragendem Turm (Bergfried?) (noblie castrum cum edita turre) - handelt es sich vermutlich um einen Neubau. Von dieser Anlage blieben im Wesentlichen der runde Bergfried sowie Teile der Ringmauer mit den drei runden Flankentürmen erhalten (Kastelltyp). Der östliche und nördliche Teil der den Burgberg umfassenden Vorburgringmauer datiert sehr wahrscheinlich, wie der Baubefund und verschiedene, der Montabaurer Stadtbefestigung ähnliche architektonische Baudetails nahelegen, in die Zeit um 1300. Die niedrigen Türme an der Nordseite der Hauptburg entstanden Ende des 14. bzw. Anf. des 15. Jhs. Der Trierer Kurfürst und Erzbischof Johann von Baden (reg. 1456-1503) ließ 1482 den etwa 70 m tiefen Burgbrunnen anlegen. Ein Wappen des Kurfürsten Richard von Greiffenklau (reg. 1511-1531) am Küchenbau verweist vermutlich auf dessen bauliche Aktivitäten im Bereich der Kernburg. Unter Jakob von Eltz wurde die Zwingermauer erneuert. Dessen Amtsnachfolger, Kurfürst Johann von Schönberg, ließ bis 1584 die fünfeckige Bastion am Eingang zum Burgbereich und 1588 den Torbau errichten. Die bedeutendste Umgestaltung erfuhr das zeitweise als erzbischöfliche Nebenresidenz dienende Schloss im letzten Viertel des 17. Jhs. unter Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, der 1686 seinen Hofbaumeister Johann Christoph Sebastiani mit der Planung beauftragte. Im Bereich der Hauptburg entstand eine vierflügelige,zweigeschossige Anlage. Die z.T. mittelalterlichen Flankentürme erhielten glockenförmige Hauben, während der runde Bergfried im Innenhof 1687 um ein Stockwerk erhöht und ebenfalls mit einer barocken Bedachung bekrönt wurde. Bedingt durch die Wirren des Pfälzischen Erbfolgekrieges konnten die Bauarbeiten erst 1699 abgeschlossen werden. Das Torhaus zum Burgbereich erhielt 1690 nach Plänen von Sebastiani einen flankierenden Rundturm mit barocker Haube. Sebastianis Nachfolger, der Hofbaumeister Johann Honorius Ravensteyn gestaltete den Treppenzugang an der Innenseite des Torhauses. An der Ostseite des Burgbereichs entstand 1720 ein einstöckiger Marstall. Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff ließ in den 1750er Jahren an der Westmauer einen Barockgarten anlegen. Die Innenräume weisen z. T. aufwendige Stuckdekoration des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jhs. auf. Einer Restaurierung im Jahr 1947 folgte nach dem Übergang des Schlosses an die Akademie Deutscher Genossenschaften 1970 eine umfangreiche Sanierung der gesamten Anlage und der Bau neuer Nebengebäude im Außenbereich des Schlosses. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Das Gesamtbild der exponiert auf dem höchsten Punkt eines langgezogenen Berges gelegenen Schlossanlage von Montabaur wird im Wesentlichen durch die barocke Umgestaltung Ende des 17. Jhs. geprägt. Ab 1686 entstand unter Verwendung von großen Partien der hochmittelalterlichen Kastellburg eine zweigeschossige Vierflügelanlage, deren Außenwände z.T. mit der Ringmauer der Gründungsanlage aus dem ersten Viertel des 13. Jhs. identisch sind. Dem Bau des frühen 13. Jh. gehören vermutlich auch die drei runden Flankentürme sowie der 1687 um ein Stockwerk erhöhte runde Bergfried im Innenhof an. Um eine einheitliche Gesamtwirkung zu erzielen, erhielten die Türme in der Barockzeit glockenförmige Hauben. An dem renaissancezeitlichen Torhaus des Burgbereichs entstand ein weiterer runder Flankenturm, der ebenfalls eine barocke Haube erhielt. Dem spätmittelaterlichen Baubestand gehören sehr wahrscheinlich die beiden feldseitig vor die Nordfassade des Hauptgebäudes tretenden kleineren Türme an. An die Stelle eines vierten Eckturms der Hauptburg trat zu Beginn des 16. Jhs. der querrechteckige Küchenbau. Der Entwicklung und Effektivität moderner Feuerwaffen in der Frühen Neuzeit trägt die im 16. Jh. entstandene Bastion seitlich des Torhauses Rechnung. Die baulichen Aktivitäten des 18. Jhs. beschränkten sich auf den Neubau eines Marstalls an der östlichen Zwingermauer sowie die Anlage eines barocken Gartens im Westen des Schlossgeländes. Zu den beachtenswerten baulichen Details des Schlosses zählt der zu Beginn des 18. Jhs. als Holzgalerie konzipierte Zugang an der Innenseite des Torhauses. (Jens Friedhoff)