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Oldenburg in Oldenburg, Schloss

Geschichte:

Urkundlich wird die Burg im Jahr 1108 in einem Brief des Grafen Egilmar I. erwähnt. Ob damit aber schon die heutige Anlage gemeint war, ist unbekannt, da die Urkunde keine Lokalisierung zulässt. Graf Christian nennt sich bereits 1149 "de Aldenburg". Deshalb ist zu vermuten, dass bereits zu dieser Zeit eine Burg als Herrschaftsmittelpunkt bestanden hat und sich an der heutigen Stelle befand. 1167 hat Heinrich der Löwe die Burg belagert, aber nicht eingenommen.
Die Burg und namengebende Residenz der Grafen von Oldenburg wird dann für 1275 im ältesten Oldenburger Lehnsregister direkt erwähnt. Hier ist von einem Altar die Rede, was auch auf eine Burgkapelle verweist. Etwa um 1400 wird die Niederungsburg unter Graf Dietrich dem Glückseligen zur Wasserburg mit umlaufenden Gräben umgestaltet. Maßnahmen zur Umwandlung der Anlage in ein modernes Wasserschloss leitete Graf Anton Günther ab 1607 ein. Schon 1608 wurden der leicht abgesackte Bergfried und ein marodes Wirtschaftsgebäude abgebrochen, das Gebäude durch einen Neubau ersetzt. Abgesehen von kleineren Maßnahmen konnten die Pläne des Grafen letztlich aber nicht umgesetzt werden. Nach Anton Günthers Tod 1667 fiel der größte Teil seines Herrschaftsgebietes - da er keine legitimen Erben hatte - für über hundert Jahre an das verwandte dänische Königshaus. Im Schloss residierte ein dänischer Statthalter. 1773 schließlich wurde das Herzogtum Oldenburg erschaffen, das Haus Holstein-Gottorf übernahm die Herrschaft und das Schloss wurde bis 1860 wieder Residenz. Dann siedelte der Großherzog Nikolaus Friedrich Peter ins Prinzenpalais um und der Erbgroßherzog Friedrich August nutzte das Schloss als Wohnsitz. Nach der Novemberrevolution 1918 verwaiste der Bau, wurde zum Landesmuseum bestimmt und 1923 der Öffentlichkeit übergeben. (Frank Both)

Bauentwicklung:

Zunächst bestand hier eine Niederungsburg am Zusammenfluss von Hunte und Haaren, die nach den archäologischen Ergebnissen kurz nach 1100 errichtet wurde. 1313 ist der Bergfried urkundlich bezeugt, 1345 ein Wirtschaftshof im Bereich der Vorburg. Diese Anlage wird um 1400 in eine Wasserburg mit umlaufenden Gräben umgestaltet. 1573 galt die Burg als baufällig und wurde nach und nach renoviert. Der Turm hatte aufgrund des morastigen Untergrundes schon 1599 Schräglage eingenommen und musste deshalb 1608 abgebrochen werden. Besaß die Oldenburger Anlage bis dahin den typischen Charakter einer Burg, sollte im 17. Jh. ein Umbau zum Wasserschloss als zeitgemäßer Residenz erfolgen. Das scheiterte aber an den Kosten. Immerhin konnten vier Gebäude unter einen Dachverband gebracht werden und eine einheitliche Fassade mit Renaissanceelementen geschaffen werden. Von der ursprünglichen Raumaufteilung des Schlosses im 17. Jh. ist heute wenig übrig geblieben. 1698 wurde das Hauptgebäude wegen Baufälligkeit abgetragen. Im 18./19. Jh. fanden grundlegende Änderungen statt. Die letzten Reste der mittelalterlichen Burg wurden beseitigt und der Burggraben zum größten Teil zugeschüttet. Die Dänen fügten 1744 an den Kernbau einen schlichten Annex an, den sog. Kanzleiflügel. Die Gottorfer Herzöge bauten 1775 einen Erweiterungsbau mit Festsaal. Unter Herzog Peter Friedrich Ludwig kam im 19. Jh. ein weiterer Flügel mit Hofküche und Bibliothek dazu. 1893 wurde der dänische Kanzleibau abgebrochen und an seiner Stelle ein Flügel im Barockstil mit Eckturm errichtet. (Frank Both)

Baubeschreibung:

Die mittelalterliche Gestalt der Burg ist unbekannt. Der frühneuzeitliche Zustand der Burg ist durch eine Abbildung des Jahres 1598 bekannt. Demnach bestand sie aus einer rundlichen Anlage, die von einem Wassergraben und Außenwall umgeben war. Zwei Zugänge führten in die Burg. Einer von Süden, der andere von der nordwestlichen Stadtseite mit einer Zugbrücke über den Burggraben zur bastionsartig ausgebauten "Hohen Pforte". Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude waren entlang der Ringmauer angeordnet. Die gräfliche Kemenate und der Palas nahmen dabei die entgegengesetzten Seiten des Platzes ein. Als isolierter Bau befand sich mittig auf dem Schlossplatz ein Bergfried, ein wuchtiger sog. Butterfassturm mit brustwehrgeschütztem Umgang am oberen Ende.
Der Kernbau des heutigen Schlosses wurde 1607 von J. Reinhard begonnen und von A. Spezia fortgeführt. Erhalten ist die Fassade. Die drei Geschosse sind durch Gesimse getrennt, die Ecken pilasterartig vorgezogen und reich mit Skulpturen verziert, die auf L. Münstermann und die Werkstatt des Bildhauers J. Prange zurückgehen. Von 1737 und 1743 wurde die Fassade verändert. G. Stallknecht vergrößerte das Portal, fügte das sog. Attikageschoss dazu und änderte das Dach. 1774 bis 1778 kam der "Holmersche Flügel" als Anbau dazu. 1817-1821 wurden der Bibliotheksflügel und die Remisen unter C. H. Slevogt errichtet. Der Festsaaltrakt in den Formen der Renaissance konnte Ende des 19. Jhs. ausgebaut werden, wobei ohnehin ab 1817 eine völlige Neugestaltung des Inneren durchgeführt worden war, wovon zwei klassizistische Treppenhäuser erhalten sind. (Frank Both)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen fanden 1984/85 im Anton-Günther-Bau des Schlosses in 6 Räumen statt. Dabei wurde bis auf den anstehenden Boden gegraben und die Stratigraphie geklärt. Der moorige Untergrund war mit Pfahl- und Kassettenrosten gesichert und mit Plaggen oder hölzernem Flechtwerk abgedeckt worden. In einem Bereich konnten darauf noch Findlingssetzungen nachgewiesen werden. Keramikscherben aus den untersten Schichten datieren in das 12./13. Jh.
Baubegleitende Untersuchungen fanden 1990 statt, wobei Mauerzüge von Aus- und Umbaumaßnahmen seit dem 17. Jh. nachgewiesen werden konnten. Bei kleinen Ausgrabungen an der Nordseite erfasste man den Innengraben und Funde des 17. Jhs. Bei Grabungen im Schlosshof konnte eine Wasserleitung erfasst werden, die wohl zur 1605 angelegten Fontäne gehörte. (Frank Both)