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Lutter bei Königslutter/Elm

Geschichte:

Das "castrum Lutter" findet 1279 erstmals urkundliche Erwähnung, seine Entstehung wird aber allgemein für die Zeit um 1200 angenommen. Vorgänger war wahrscheinlich eine 1143 und 1192 erwähnte curtis der Welfen. Von der Burg Lutter aus sollte die Fernhandelsstraße zwischen Braunschweig und Magdeburg gesichert werden. Ein Johannes von Lutter wird für das Jahr 1263 erwähnt.
1279 wird von einer Belagerung durch den Markgrafen von Brandenburg berichtet, 1284 fiel die Burg in den Besitz von Bischof Siegfried II. von Hildesheim. Noch 1300 verpflichteten sich die damaligen Burgherren Burchard und Luthard von Meiersen, dem Hildesheimer Bischof zu Diensten zu sein. Doch schon 1316 wurde urkundlich belegt, dass das "Haus Lutter" in braunschweigischen Besitz übergegangen war. In diesem Jahr übertrug Herzog Heinrich von Braunschweig-Grubenhagen den Burgmännern Wedekind von Gerstenbüttel und Johann von Oberg das Burglehen. Die Burg wurde zu einem der ersten Amtssitze des Herzogtums Braunschweig. Im Jahre 1359 beginnt nun mit der Verpfändung der Burg durch Herzog Magnus I. von Braunschweig an den Grafen Gerhard von Woldenberg und dessen Frau eine fast dreihundert Jahre dauernde Phase immer neuer Verpfändungen des "Hauses Lutter".
Während der Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Braunschweig und den Herzögen werden Burg und Stadt Königslutter durch die Stadt Braunschweig im Jahre 1432 belagert und zerstört. Davon zeugen die provisorischen Ausbesserungen am Mauerwerk und zudem die Geschosse und andere Kugelreste, die während der Ausgrabung im Jahre 1997 in Schuttschichten aus dem 14./15. Jahrhundert gefunden worden sind.
Bis in das Jahr 1637 wurde die Burg aus finanziellen Gründen von den Braunschweiger Herzögen an verschiedene Adelsfamilien verpfändet. Danach wurde sie von Amtmännern verwaltet. Von der Mitte des 19. Jhs. bis 1959 war sie Sitz des Amtsgerichts. Einige Gebäude dienen heute als Justizvollzugsanstalt. (Sandy Bieler)

Bauentwicklung:

Die erste Phase der Burganlage ist um 1200 zu datieren. Keramik, die vor der Grauen Irdenware zu datieren ist, fand sich in einem Graben, der damals die Anlage in ihrer Mitte durchschnitt. In diesen setzte man später Teile des Turmfundamentes.
Da die "Braunschweiger Reimchronik" angibt, dass die Burg einer Belagerung im Jahre 1279 standhielt, ist zu dieser Zeit eine Wall-Graben-Anlage zum Schutz der Burg anzunehmen. Weitere Ausbauten sind anzunehmen. Während des Jahres 1432 wurde die ursprüngliche Anlage geschliffen, später aber wiederaufgebaut. Dazu benutzte man Reste der älteren Gebäude. Trümmer, die man dafür nicht gebrauchen konnte, nutzte man zur Erhöhung des westlichen Burgbereiches. Weitere Ausbauten erfolgten im Jahre 1516, dazu gehört z. B. ein neues Nebengebäude im Osten der Burg.
Um diese Zeit, im 15./16. Jahrhundert wurde auch das letzte Hauptgebäude errichtet. Der einstige Burgturm wurde in die Westseite dieses Gebäudes integriert. Es fungierte als Amts- und Wohnhaus. 1637 war das Schloss in einem halbverfallenen Zustand. Bei einem um 1780 erfolgten Neubau des Amtshauses kann es sich auch um die größere Renovierung und Umgestaltung eines älteren Gebäudes gehandelt haben. Im Jahre 1967 wurde es schließlich, nachdem es lange Zeit als Amtsgericht gedient hatte, abgerissen. Die Fundamente ließ man unangetastet, füllte sie mit Sand auf und erhielt sie so für spätere archäologische Untersuchungen. Der Standort des Hauptgebäudes diente von da an als Parkplatz.
Der Umbau im 18. Jahrhundert betraf auch die Vorburg. So fielen alle Gebäude, die zwischen dem Haupttor und einem zweiten Tor an der Amtsgasse lagen, diesen Maßnahmen zum Opfer. Der Bereich wurde in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum sogenannten "Amtsplatz" umgestaltet. Ab 1885 wurden darauf verschiedene Gebäude wie eine Zuckerfabrik oder ein Feuerwehrhaus errichtet, die später wieder abgerissen wurden.
Heute zieht eine Straße durch das ehemalige Burggelände, zudem findet sich Wohnbebauung und eine "Umweltburg" des NABU. (Sandy Bieler)

Baubeschreibung:

Die Wasserburg in Königslutter war im Norden durch ein ausgedehntes Sumpfgebiet geschützt. Der Zugang erfolgte im Süden durch die Vorburg.
Von der ehemals mächtigen Wasserburg zeugen nur noch wenige Reste. So ist an der Amtsgasse 1 noch ein Torhäuschen erhalten. Außerdem führt ein Graben von südwestlicher Richtung nach Nordosten.
Noch am Beginn des 20. Jahrhunderts war die Form der Burg als unregelmäßiges Viereck, das von Wassergräben umgeben war, gut zu erkennen. Zudem war noch ein Teil der Umfassungsmauer und der innere Spitzbogen des Tores vorhanden. (Sandy Bieler)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabungen fanden im Bereich der Vorburg im Jahre 2004/05 durch die Kreisarchäologie Helmstedt statt. Es fanden sich Reste der mittelalterlichen Bebauung in Form von Pfostengruben und Flechtwänden, die in die älteste Phase der Burg um 1200 zu datieren ist.
Im Jahre 2005 wurde dann innerhalb der Hauptburg gegraben. Es konnten zahlreiche Baustrukturen nachgewiesen werden, darunter auch die Fundamente eines turmartigen Gebäudes. (Sandy Bieler)