EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Cloppenburg

Geschichte:

Die Cloppenburg ist eine Gründung der Grafen von Tecklenburg, die damit ihre Herrschaft im Tecklenburger Nordland sichern wollten. Zunächst wurde zwischen 1236 und 1297 zunächst ein Steinhaus errichtet, das spätestens am 7.1.1297 unter Graf Otto III. von Tecklenburg durch eine neue Burg ersetzt wurde. Auf diesen Tag ist eine Urkunde datiert, in der dem Alexanderstift in Wildeshausen als Ersatz zugesprochen wird für ein Erbe in Hemmelsbühren, auf dem eine "neue Burg, die Cloppenburg genannt wird", errichtet wurde. 1297 wird schon ein Vogt auf der Burg genannt, was die ihre Rolle als Verwaltungsmittelpunkt verdeutlicht. Eine dritte Bauperiode mit dem Umbau zu einer kastellförmigen Befestigungsanlage datiert in die Zeit zwischen 1400 und 1411, nachdem die Bischöfe von Münster und Osnabrück nach etlichen Fehden mit den Tecklenburger Grafen die wichtigsten Burgen des Tecklenburger Nordlandes (Schnappenburg bei Barßel, Friesoythe und die Cloppenburg) im Jahr 1393 eroberten und das Niederstift Münster gründeten. Der Ausbau der Cloppenburg geht auf den Fürstbischof von Münster, Otto IV. von Hoya zurück. Sie war Sitz des münsterschen Drosten und bildete den Verwaltungsmittelpunkt des Amtes Cloppenburg.
Mitte des 15. Jhs. wurden der Burgwall und der äußere Ringgraben angelegt, der von der Soeste gespeist wurde. 1716 brannte die Anlage ab und verfiel. (Frank Both)

Bauentwicklung:

Durch verschiedene Untersuchungen konnten für die Cloppenburg drei Hauptbauphasen ermittelt werden. Im 13. Jh. entstand zunächst ein Steinhaus in Form eines Rechteckbaus (Palas) aus Findlingen, die wiederum auf einen Kantholzpfahlrost gesetzt waren. Das Haus wurde mit einem Wassergraben geschützt. Mit dem 1297 vollendeten Neubau begann die zweite Phase der Cloppenburg. Er bestand aus Ziegelsteinmauern, die in der Südwestecke der Burg auf Schwemmsand der Soeste gesetzt wurden und sich im Winkel an das vorhandene Gebäude der ersten Phase anlehnten. Die dritte Phase dokumentiert den um 1410 erfolgten Umbau zu einer kastellartigen Befestigung mit Ringmauer und großem Rundturm aus Ziegelsteinmauerwerk. Da nach bisherigem Kenntnisstand nur ein Eckturm errichtet wurde, blieb der Bau gegenüber anderen münsterschen Kastellburgen wie Bevergern offenbar unvollendet. 1547 wurde die Befestigung durch den Bau von zwei Zwingern und einer um den Burggraben verlaufenden Steinmauer weiter gesichert. 1569 wurde der äußere Burgwall abgetragen. 1588 war eine größere Reparatur am Turm notwendig geworden.
Von großem Wert sind die Zeichnungen von G. Faber aus dem Jahr 1632, die detailliert die Burggebäude zeigen. 1805 wurde der Burgturm gesprengt und ein Amtshaus teilweise auf den Fundamenten der alten Burggebäude errichtet. 1909 wurde das Amtsgericht und 1960 das Kreisamt auf dem früheren Burggelände errichtet. 1984 wurden die Fundamente des Burgturms wiederhergestellt. (Frank Both; Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die mittelalterliche Burg besaß ehemals einen doppelten Wassergraben mit mächtigem Innenwall auf einer Gesamtfläche von max. 200 (in N-S-Richtung) x 180 m. Der Graben wurde im Norden durch den Lauf der Soeste gebildet, sodass sich mit dem südlichen Arm eine Art Inselsituation ergab. Die Burg wurde vollständig abgetragen, die Wassergräben verfüllt. Heute sind lediglich die Grundmauern eines großen Rundturmes freigelegt und restauriert zu sehen. Der Durchmesser des Turmes beträgt 9,70 m bei einer Mauerstärke von 2,50 m. Die Fundamentierung erfolgte durch einen Pfahlrost, auf dem an der wasserumspülten Außenseite ein Sandsteinsockel gesetzt wurde, bevor der Aufbau aus Ziegeln folgte. Der Turm bildete gleichzeitig das Südwesteck der Burg, östlich schloss sich der aus Findlingen errichtete Palas an. Der östliche Flügel des L-förmigen Hauptgebäudes zeichnet sich heute im auf seinen Grundmauern stehenden, Landgerichtsgebäude ab. Der Zugang erfolgte auf der Westseite über eine Zugbrücke und vermutlich einem Torzwinger. Ein bei den Ausgrabungen aufgefundener Pfahlrost im Südwesteck zeugt von einer älteren Bebauungsstruktur.
Die 50 x 60 m große Vorburg im Südwesten war durch eine 1 m dicke Findlingsmauer befestigt, auf ihr stand offenbar nur ein Gebäude.
(Frank Both)

Arch-Untersuchung/Funde:

Der Burgplatz wurde 1959 in Teilbereichen untersucht. Baubegleitende Maßnahmen fanden 1984, 1989 und 1994 statt.
1987 wurde die Vorburg untersucht.
Die Grabungen erbrachten etliches an Fundmaterial: Keramik, Ofenkacheln, Metall wie z. B. ein vergoldeter Löffel des 17. Jhs., Armbrustbolzen u. a. m., Glas und organisches Material. (Frank Both)