EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Landestrost

Geschichte:

Die Stadt Neustadt war eine Gründung der Grafen von Wölpe, die darin vermutlich schon eine Burg errichtet haben, wenn die Nennung eines "nova domus" im Jahr 1231 in dieser Weise gedeutet und auf Neustadt bezogen werden kann. Der Übergang an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1302 bedeutete gleichzeitig eine Aufwertung des Rechtsstatus vom Flecken zur Stadt. Möglicherweise wurde damals die Burg auch an die heutige Stelle verlegt. Ausdrücklich wird eine Burg erst 1320 erwähnt. Die Burg wird ab 1443 mit dem Namen "Rouvenberg" bezeichnet. Ab 1501 diente Neustadt Herzog Erich I. von Calenberg als eine seiner Residenzen. 1562 ist die Burg teilweise abgebrannt. 1573 begann Herzog Erich II. mit dem Neubau des Schlosses, das er "Landestrost" nannte, vollendet wurde es erst unter seinem Nachfolger Herzog Julius. Der Leineflügel diente seit 1636 als Amtssitz. 1675 fiel Neustadt nach dem Ende der Calenberger Linie an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach 1885 war das Schloss der Sitz des Landkreises Neustadt bzw. ab 1974 eine Außenstelle des Landkreises Hannover. 1923 wurde an der Stelle des Südflügels ein Gebäude für die Kreissparkasse errichtet, 1985 gegenüber dem Schloss ein modernes Verwaltungsgebäude. Seit 1997 ist das Schloss im Besitz der Stiftung Kulturregion und beherbergt unterschiedliche Einrichtungen kultureller wie verwaltungstechnischer Art sowie eine Sektkellerei. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Vermutlich hat eine erste Burganlage nördlich der heutigen bestanden, der Zeitpunkt der Ortsverlagerung ist aber unbekannt. Der Vorgängerbau brannte 1562 teilweise ab, sein Südflügel wurde beim zwischen 1573 und 1587 erfolgten Neubau im Weserrenaissancestil übernommen. Ausgeführt wurden von der geplanten Vierflügelanlage aber nur der Nord- und Ostflügel. Gleichzeitig fand ein Ausbau von Schloss und Stadt zu einer der stärksten Befestigungen Norddeutschlands statt. Aber schon gegen Ende des 17. Jhs. war das Schloss baufällig. Der Südflügel stürzte bald nach 1720 ein, ein Teil des Nordflügels wurde im 19. Jh. abgebrochen. Die erhaltenen Teile haben verschiedene Umbauten erfahren. 1923 wurde ein neuer Südflügel ergänzt und 1985 auf der anderen Hofseite ein modernes Betongebäude errichtet, das mit dem Schloss durch eine Brücke verbunden ist.. Zwischen 1985 und 1991 erfolgte eine aufwendige Renovierung. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Es wird vermutet, dass die ursprüngliche Burg nördlich des heutigen Schlosses am Ort des späteren Vorwerks lag. Wenn diese schon unter den Grafen von Wölpe existiert haben sollte, so dürfte eine Verlegung an die heutige Stelle in den Jahren nach 1302 geschehen sein. Für die spätmittelalterliche Burg wird eine annähernd quadratische Befestigung mit Wassergraben angenommen.
Das heutige Schloss befindet sich auf einer überwiegend aus Schutt- und Kulturschichten bestehenden, künstlich aufgeschütteten Anhöhe, die von einem mauergestützten, 37-42 m breiten Wall eingefasst ist. Davor liegen an der Süd-, West- und Nordseite bis zu 50 m breite Gräben, die heute bei normalem Wasserstand trocken liegen; an der Ostseite fließt der ehemalige Mühlenkanal entlang. Der ca. 80 m nördlich des Schlosshofes gelegene Graben geht vermutlich auf die mittelalterliche Burgbefestigung zurück. Der südliche Bereich wird durch einen Ravelin zusätzlich gesichert. Die Festungsanlage mit dem Schloss bildete nach 1573 den Südteil der Neustädter Stadtbefestigung.
Vom Dreiflügelbau im Weserrenaissancestil aus dem Ende des 16. Jhs. steht noch der Ost- und ein kleiner Teil des Nordflügels. Der zweistöckige Ziegel-Sandstein-Mischbau ist mit seinem Erdgeschoss auf der Rückseite in den Wall hineingebaut. Hofseitig befinden sich zwei polygonale Treppentürme.
Bei Restaurierungsarbeiten stieß man auf Reste vom Nordturm und Südflügel des 1563 abgebrannten Vorgängerbaus und auf Teile des abgerissenen Nordflügels. 1990 wurden vor dem Mittelportal des Ostflügels Teile eines Schwellbalkenbaus aus der ersten Hälfte des 14. Jhs. freigelegt. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Baubeobachtungen 1987/88, 1990, 2009, 2011, 2013.