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Hollenstedt, Alte Burg

Geschichte:

Es sind keine historischen Quellen bekannt, die sich direkt auf diese Anlage beziehen. Eine früher vermutete Verbindung mit einem historisch bezeugten Aufenthalt Karls des Großen in Hollenstedt im Jahr 804 hat sich nach den Ausgrabungsergebnissen als inkorrekt erwiesen. Die Dendrodaten deuten vielmehr auf eine Errichtung am Ende des 9. Jhs. (Dendrodatum 982 n. Chr.) hin. Für diesen Zeitraum kommt eine Errichtung durch die Grafen von Harsefeld/Stade in Frage, was auch durch den lokalen Flurnamen "Grevenhorst" (= Grafenhorst) unterstützt wird.
Laux postulierte hingegen aufgrund der von ihm vorgenommenen Interpretation der Keramik und der Grabungsbefunde eine Errichtung durch eine ansonsten historisch nicht bezeugte slawische Herrschaft an der Unterelbe zu Beginn des 9. Jhs. und eine anschließende zweite Bauphase am Ende des 9. Jhs. Dies wird aber ansonsten abgelehnt, zudem sind die Grundlagen seiner Keramikdatierung mittlerweile überholt. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Bei der Ausgrabung haben sich keine konkreten Hinweise auf eine Mehrphasigkeit ergeben. Dendrodaten können darauf hinweisen, dass in der Mitte des 10. Jhs. zumindest Ausbesserungsarbeiten stattgefunden haben.
Schon 1769 war von der Burg nur noch die Südhälfte vorhanden, der Nordteil ist vermutlich einer Verlagerung des Flussbetts der Este zum Opfer gefallen. In den 1930er Jahren war bereits ein größerer Teil der nördlichen Innenfläche bis zu 1 m tief abgegraben. Der abgebaute Boden ist zur Erhöhung der Estewiesen verwendet worden. 1968 begann der damalige Pächter mit Genehmigung der Gemeinde mit der Anlage von Fischteichen im Norden und Osten der Burg. Dies verursachte zunächst Notgrabungen, nach dem Stopp der Arbeiten wurde das Burgareal von der Stadt Hamburg angekauft; es folgten reguläre Ausgrabungen.
1979/80 wurde der Ringwall wieder aufgeschüttet und der vorgelagerte Graben mit dem Bagger ausgehoben.
(Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Alte Burg liegt auf einer Geestnase, die sich vom Westen in das Tal der Este hinein schiebt. Um Raum für den runden Grundriss der Burganlage zu schaffen ist im Osten die Fläche durch eine künstliche Aufschüttung vergrößert worden. Die Burg besaß danach einen Durchmesser von ca. 80 m. Umgeben war sie von einem 4-5 m breiten und 0,80-1 m tiefen Graben, der von einem umgeleiteten Bach gespeist wurde. Die Grabenwände waren durch Holz- und Flechtwerkeinbauten gefestigt. Der umlaufende Wall bestand an seiner 6 m breiten und ca. 3 m hohen Basis aus meist radial verlegten Hölzern, an deren Außen- wie Innenseite jeweils 1 m breite und wohl max. 4 m hohe Plaggenpakete angesetzt waren. Der Wallkern war in seiner Konstruktionsweise nicht homogen, möglicherweise war er von unterschiedlichen Bautrupps mit dem jeweils vorhandenen Material ausgeführt worden. So wechseln sich rostartig aufgeschichtete Hölzer mit Strecken aus Sodenpackungen oder Sandaufschüttungen ab. Die aufgrund dieser Konstruktionsweise vorgenommene Deutung von Ahrens, dass es sich bei der Burg um eine improvisierte, kurzlebige Befestigung handelt, die stärker aussehen sollte, als sie es tatsächlich war, geht aber wohl zu weit.
Der Wall war durch den Grabenaushub abgedeckt, der vermutlich auf einer Bohlenabdeckung lagerte. Auf der Wallkrone stand eine ca. 3 m hohe hölzerne Brustwehr, die zum Teil mit dem Grabenaushub hinterschüttet war. An die Innenseite des Walls schloss sich eine offenbar durchgehende, kasemattenartige Bebauung von 3-4 m Breite mit plaggengedeckten Dächern an. Zudem wurden im Innenbereich mehrere Gebäude von ca. 16 m Länge und 4-5 m Breite aufgedeckt, die in der Mitte einen freien Platz ließen. Der Zugang wird auf der Westseite vermutet, wo ein Bohlenweg auf die Burg zuläuft. Die Lage des Tores lässt sich nur aus Indizien erschließen; die genaue Torkonstruktion ist ebenso unbekannt wie die Art der Überbrückung des Grabens. Die Anlage muss in einem Brand untergegangen sein, da die Hölzer im Innern des Walles verkohlt waren.
Schon zur Zeit der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1769 war nur noch ein halbkreisförmiges Wallstück erhalten.
(Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1968-72.
Nachgrabung 2014.