EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Lüchow

Geschichte:

Die urkundliche Ersterwähnung der Burg fällt in das Jahr 1144, als die Burg neuer Sitz der Grafen von Warpke war, die sich nun nach ihrem neuen Wohnort "von Lüchow" nannten.
Die Burg weist aber schon eine slawische Geschichte auf, die keinen Niederschlag in Schriftquellen gefunden hat. Die Dendrodaten der bei den Ausgrabungen geborgenen Hölzer geben für den Bau des ersten slawischen Walles die Jahre 1037 und 1042 an. Aus dem Jahr 1058 stammen die Hölzer für die Palisade am Graben. Um das Jahr 1072 wurde die Burg das erste Mal zerstört, doch schon zwei Jahre später schüttete man erneut einen Wall auf. 1085 wurde die Burg dann abermals geschleift.
Im Hochmittelalter entstand eine neue Burg, deren Aussehen nicht mehr rekonstruiert werden kann. Sie wurde ab ca. 1144 zum Sitz der Grafen von Lüchow, die vorher in Warpke saßen. 1274 wurden Stadt und Burg Lüchow von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg an die Markgrafen von Brandenburg verkauft. 1318 starb der letzte Angehörige des Lüchower Grafengeschlechts. 1320 ging die Grafschaft durch Kauf an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Diese verpfändeten die Burg in der Folgezeit an wechselnde Pfandnehmer, zudem war sie ab 1370 Sitz eines herzoglichen Vogtes. Im 15. Jahrhundert wird aus der veralteten und wenig genutzten Burganlage ein Schlossbau. Dieser geht auf die Gräfin Anna von Nassau-Dillenburg zurück, die von 1471 bis 1473 in Lüchow lebte und dort später auch zwischen 1496 und 1504 ihren Witwensitz besaß.
Zuletzt diente das Schloss im 17. und 18. Jh. als Sitz des Lüchower Amtsmanns. Doch der Bau verfiel immer mehr und so entschloss man sich im 18. Jahrhundert, den Südflügel sowie die Türme des Westflügels abzureißen.
1811 brannte das Schloss bei einem verheerenden Stadtbrand ab. Nur der Amtsturm und die Außenwände des Schlosses blieben stehen, diese wurden dann Mitte des 19. Jhs. abgetragen.
1930 wurde das erste Museum des Landkreises im Turm eingerichtet. (S. Bieler)

Bauentwicklung:

Bei den Ausgrabungen konnten vier slawische Wallphasen des 11. Jhs. nachgewiesen werden. Die Wälle I und II wurden aus mit Erde überschütteten Holzkästen in Blockbauweise errichtet. Die Funde von Keramik der Menkendorfer Gruppe legen aber nahe, dass es noch eine vorangegangene Befestigung gegeben hat, die bei den Ausgrabungen nicht erfasst wurde.
Nach der slawischen Nutzung wurde die Burg als deutsche Grafenburg erneuert. In dieser Zeit entstand auch der aufgeschüttete Burghügel, der noch heute zu sehen ist.
Größere Umbauten fanden unter Gräfin Anna von Nassau-Dillenburg in den Jahren 1471 bis 1473 statt. Aus dem Jahr 1474 ist beispielsweise ein Neues Haus belegt. Auch der Amtsturm soll auf diese Bauherrin zurückgehen. Er war einer von zwei Ecktürmen des ehemaligen Schlosses und ist dessen letzter Überrest. (S. Bieler)

Baubeschreibung:

Die früheste Burganlage aus slawischer Zeit war ein Ringwall von ca. 75 m Außendurchmesser. Die mit Erde gefüllten Holzkästen stabilisierten den Wall, welcher mit Palisade und vorgesetztem Graben geschützt war.
Es folgte die nicht rekonstruierbare Grafenburg, welche auf einem aufgeschütteten Burghügel errichtet wurde. Auf diese wiederum folgte der Aus- und Umbau der Gräfin Anna. Nach den Angaben von Merian aus dem Jahr 1654 und einem Plan des 18. Jhs. bestand die Burg aus einer Vierflügelanlage, deren Nordflügel eine Durchfahrt besaß und mit zwei Rundtürmen an den Enden versehen war. Der heute noch bestehende sog. Amtsturm war der nordöstliche Eckturm und ist fünf Geschosse hoch. Er steht auf einem Sockel aus Feldsteinen und besitzt bis zu 3,5 m breite Mauern aus Backstein. Einst besaß er einen hohen Turmaufsatz, welcher heute nur noch teilweise erhalten ist. Dieser Turmtyp wird als Butterfassturm bezeichnet. Diese sind untypisch für den norddeutschen Raum. Man findet sie im 14. und 15. Jh. eher im rheinischen Raum, der Heimat der Burgherrin.
Noch heute sind am Turm bis zu 10 m hohe Maueransätze zu erkennen, welche zur ehemaligen Mauer und den anstehenden Gebäuden gehörten. (S. Bieler)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Grabungen konnten sechs Nutzungsphasen nachweisen. In den 1980er Jahren konnte erstmals der slawische Burgwall als früheste Anlage nachgewiesen werden. (S. Bieler)