EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rethem

Geschichte:

Die Burg Rethem ist vermutlich zu Beginn des 14. Jhs. von den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg als Grenzburg gegen Hoya und Nienburg errichtet worden. Für eine vorangegangene Rolle als Burg der Grafen von Wölpe existieren keine Indizien. 1311 werden ein Burghauptmann und Burgmänner zu Rethem erwähnt, eine ausdrückliche Nennung der Burg selbst geschieht im Jahr 1314. Die 16 Burgmännerfamilien hatten ihre Sitze größtenteils in der Junkervorburg, wo auch ein bis 1630 bezeugtes Versammlungs- und Gerichtsgebäude der Burgmänner stand. Von 1316 bis 1322 war die Burg vorübergehend an die Brüder von Riden verpfändet. 1350 saß ein herzoglicher Vogt auf der Burg. 1371 wurde die Burg an das Bistum Verden verpfändet, die Herzöge behielten aber das Öffnungsrecht im Kriegsfall. Der Bischof durfte auf Rethem 100 Mark für Steinwerke verbauen. Allerdings scheint der Herzog schon im nächsten Jahr das Pfand wieder eingelöst zu haben. 1382 wurde die Burg erneut verpfändet. Von ihr ging dennoch im Folgejahr ein Kriegszug gegen die Grafen von Hoya aus. Von 1426 bis 1561 Jahre war die Burg an die Stadt Lüneburg verpfändet. 1548 wird die Burg im Schmalkaldischen Krieg eingenommen und beschädigt. 1565 wurde das Amt Rethem ins Leben gerufen, das 1859 aufgelöst wurde. Seit 2004 dient die Burg als "Kulturforum Burghof Rethen". (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Ob die ursprüngliche Burg 1371 vom Bistum Verden als Pfandnehmer tatsächlich ausgebaut wurde, ist unbekannt. Im Zuge des Kriegs gegen die Grafen von Hoya wurde am "großen Steinwerk" 1382/83 gearbeitet, ein Verzeichnis der Ausgaben ist überliefert. Vor 1393 hat der Lüneburger Vogt mindestens ein weiteres Gebäude auf der Burg errichtet. Untersuchungen an der Südwestecke des bestehenden Außenmauerwerks haben einen Bauzeitpunkt um 1500 ergeben. Nach der Einnahme 1548 im Schmalkaldischen Krieg ist die Burg ausgebessert worden. Bis in die Mitte des 16. Jhs. ist die Burg mit Bastionen, Wällen, Gräben und wohl auch Palisaden zur Festung ausgebaut worden. Das Burghaus hat im 30jährigen Krieg stark gelitten und war danach nur noch als Lagerraum zu verwenden. 1653 ist das Dach und das Sparrenwerk abgetragen und niedriger gemacht worden. Die Gebäude der Vorburg sind im 30jährigen Krieg "verwüstet" worden. 1661 wurde das zweiflügelige Amtsgebäude von Grund auf renoviert. 1716 wurden die Befestigungsanlagen planiert. 1704 ist das Amtshaus abgerissen worden, der von 1720 bis 1724 errichtete Neubau ist 1930 abgebrannt. 1741 ist der Reisigenstall durch einen Neubau ersetzt worden. Kurz nach 1819 ist das Steinwerk abgerissen worden. 2004 erfolgte der Neubau des Kulturforums unter Einbeziehung alter Mauerreste. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg Rethem lag am Westufer der Aller, ihre Wassergräben wurden von dieser gespeist. Nördlich von ihr erstreckte sich die Junkernvorburg mit den Sitzen der Burgmannen, während die Wirtschaftgebäude, die sogenannte Amtsvorburg, westlich zum Ortskern hin lagen. Die Hauptburg war im 30jährigen Krieg mit Wassergraben und Wall umgeben. Der quadratische Burgplatz besaß eine Seitenlänge von ca. 50 m. 1315 muss ein Wohnturm bestanden haben, dessen 2,40 m breites Findlingsfundament bei den Ausgrabungen erfasst wurde. Laut einer Handskizze des damaligen Pfandnehmers Dietrich von Mandelsloh aus dem Jahr 1552 betrat man die Burg damals durch einen ummauerten Vorhof. Rechts von diesem stand ein Turm, während die gegenüberliegende Seite vollständig von einem großen Gebäude eingenommen wurde. An den anderen Seiten standen kleinere Gebäude. Diese Einteilung findet sich im Erbregister des Amtes Rethem von 1669 wieder. Der Turm bezeichnet den Ort des sog. Steinwerk, einem "großen, viereckigen, mit großen, dicken und hohen Mauern ausgeführtem Gebäude". In der Tat waren die Mauern des 20 x 16 m großen Gebäudes 2,40 m stark. Dieses Steinwerk wurde bei einer Ausgrabung erfasst, es ist älter als die Burgmauer und steht offenbar auf einer künstlichen Aufschüttung. Das eigentliche Amtsgebäude im Norden war zweiteilig, wobei der östliche Teil älter war. Beide Teile bestanden außen aus dicken Mauern, auf der Innenseite hingegen aus Fachwerk. Rechtwinklig dazu erstreckte sich im Osten ein Wirtschaftsgebäude mit Küche sowie Back- und Brauhaus. Gegenüber dem Amtsgebäude stand der Reisigenstall mit Kornböden. In dieser Zeit existierte auch ein steinernes Pforthaus mit Gewölbekeller. In einer Amtsbeschreibung des Jahres 1669 wird auch ein Ravelin als Befestigungsbestandteil erwähnt. Auf einem Plan von 1750 sind die ehemals aneinander angrenzenden Gebäude durch Einzelbauten ersetzt und die Fläche der Befestigung wird durch Gartenanlagen eingenommen.
Reste der Burggebäude sind in drei heute auf dem Burgareal befindlichen Gebäuden des 19./20. Jhs. verbaut. Der Neubau des Kulturforums von 2004 integriert Teile der Ringmauer und die ergrabenen Fundamente des Steinwerks. Zudem steht noch das auf der ehemaligen Amtsvorburg befindliche, frühere Amtsschreiberwohnhaus von 1685. Der Graben ist nur noch in Spuren auszumachen. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bauhistorische Untersuchung 2000.
Ausgrabungen 2000/01, 2009