EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Peine

Geschichte:

Im Jahr 1134 - nach einer Abschrift aus dem 16. Jh. bereits 1130 - wird mit Berthold erstmals ein Angehöriger des Geschlechts von Peine ("de Painas", "de Pain") erwähnt. Berthold war ein Ministerial Kaiser Lothars von Süpplingenburg, was als Hinweis auf eine damalige Existenz der Peiner Burg gewertet werden kann, verstärkt noch durch die Nennung seines Sohnes Ludolfs als Graf von Peine. Im 12. Jh., besonders zur Zeit Heinrichs des Löwen, gelangte die Peiner Burg zu größerer Bedeutung. Um 1193 wurde die Burg von Heinrich zerstört, aber im gleichen Jahr von Ludolf II. wiederaufgebaut. Nach dem Tode Ludolfs II. kamen Burg und Grafschaft um 1200 an Gunzelin von Wolfenbüttel, Reichstruchsess König Ottos IV., der sie vermutlich umfangreich ausbauen ließ. Nachdem die Herren von Wolfenbüttel ihr Lehen verloren hatten, gelangten Burg und Grafschaft Peine 1260 an das Stift Hildesheim und waren seitdem ein wichtiger Hildesheimischer Machtstützpunkt am Nordrand des Territoriums. Die Burg widerstand mehreren Belagerungen durch die Welfen, insbesondere gegen Ende des Mittelalters in der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23). Die stark beschädigte Anlage wurde nach der Fehde in reduzierter Form wiederaufgebaut. Ab 1659 erfolgte die Umgestaltung zu einer hildesheimischen Schlossfestung mit vier Eckbastionen und breiteren Gräben. Das Schloss wurde, beginnend im 18. Jh. und insbesondere nachdem Peine 1803 preußisch geworden war, bis 1816 vollständig abgerissen. Es folgte im 19. Jh. die Abtragung der Bastionen und Verfüllung der Schlossgräben bis auf die südwestliche, die als Gartenanlage ("Amtmann- Ziegler Garten") erhalten blieb. 1998/99 erfolgte die Freilegung der Südwestbastion mit Schlossgraben und Torbrücke und die Umgestaltung zum Burgpark. (Thomas Budde)

Bauentwicklung:

Die Bauentwicklung der Peiner Burg ist mangels erhaltener Überreste und des schlechten archäologischen Forschungsstandes nur grob anhand schriftlicher Erwähnungen und bildlicher Zeugnisse aus dem frühen 16. Jh. nachzuvollziehen. Über die zerstörte Anlage der Peiner Grafen des 12. Jh. sind keine Aussagen möglich. Der Grundriss und die wesentlichen Teile der mächtigen spätmittelaltlichen Burganlage dürften dem Wiederaufbau und Ausbau unter Gunzelin von Wolfenbüttel in der 1. Hälfte des 13. Jh. zuzuschreiben sein. Gegen Ende des Mittelalters erfolgten weitere Um- und Ausbauten. (Thomas Budde)

Baubeschreibung:

Die Burg Peine liegt am Ausläufer einer lang gestreckten nordwestlichen Landzunge, die in einem ausgeprägten Niederungssporn endet. Das Gelände ist weithin von den Mooren der Fuhseniederung im Westen und der Landgrabenniederung im Osten umgeben. Der einzige trockene Zugang ist von Süden möglich. Seit der Gründung der Stadt Peine im frühen 13. Jh. bildete die Burg den markanten nordwestlichen Abschluss der Peiner Altstadt. Die siedlungstopographische Situation der früheren Zeit ist mangels archäologischer Forschungen nicht bekannt. Es wäre mit einem Abschnittsgraben zur südlich anschließenden Landzunge und eventuell mit einer Vorburg und einem Suburbium zu rechnen. Das kartografisch gut fassbare, ab der zweiten Hälfte des 17. Jh. zu einer Festung mit vier großen Eckbastionen ausgebaute Burgschloss, lässt noch den runden Grundriss der hoch- bis spätmittelalterlichen Burg erkennen. Weiter reichende Aussagen sind mangels erhaltener Bausubstanz jedoch nicht möglich. Heute erscheint die Burgstelle als deutliche Erhebung, die im Kern mit dem Gebäudekomplex des Amtsgerichts bebaut ist. Die Zugangssituation mit der Torbrücke im Süden zur Stadt hin ist seit der Freilegung der südwestlichen Schlossbastion 1998/99 im Rahmen des „Burgpark-Projekts“ wieder erkennbar gemacht und sicher auch auf die mittelalterliche Burg zu beziehen. Bildquellen wie die „Peiner Hochzeitsschüssel“ von 1534 (Belagerungsszene aus der Hildesheimer Stiftsfehde 1519-1522), zwei Gemälde mit Darstellung der Belagerungen 1521 und 1522 und die Stadtansicht auf dem Grenzabriss des Amtes Meinersen von 1675 lassen erkennen, dass die Kernanlage der Peiner Burg ursprünglich einen runden Grundriss besaß. Der Burgentyp lässt sich nicht sicher erschließen, wobei Hochmotte oder Ringwall in Frage kommen. Die Darstellung auf der Hochzeitsschüssel lässt aufgrund der starken Abböschung des Burghügels ersteres vermuten. Die Hochzeitsschüssel und die Gemälde zeigen trotz stilisierter Darstellung glaubhafte Details der spätmittelalterlichen bzw. frührenaissancezeitlichen Anlage: Einen hohen, polygonalen Bergfried, einen breiten gedrungenen, ebenfalls polygonalen, auf der Hochzeitsschüssel aber rechteckigen Turm (Torturm?), einen Verbindungstrakt zwischen beiden Türmen und einen Palas. Die Belagerungsszenen von 1521 und 1522 zeigen noch einen dritten Turm, der Grenzabriss von 1675 ein großes rechteckiges Tor(?)-gebäude, das mit dem breiten gedrungenen Turm der älteren Darstellungen identisch sein könnte, falls es nicht erst nach der Stiftsfehde erbaut worden ist. Die Dachdeckung der Gebäude und Turmhelme scheint abwechselnd aus Schiefer und Ziegeln bestanden zu haben. Es spricht einiges dafür, dass solche dargestellten Details, wie auch die spätromanische bis gotische Bauornamentik (Zwerchhäuser, Gusserker, am Bergfried Lisenen, Rundbogenfries, Zwerchgiebel, Fenstersäulen) halbwegs realitätsgetreu wiedergegeben sind. Die Umwehrung dagegen nicht: Die Hochzeitsschüssel zeigt Faschinenwerk, das bei der Belagerung zusätzlich auf dem Burghügel platziert worden sein mag. Der Ansicht von 1675 ist zu entnehmen, dass es sich um eine umlaufende Ringmauer mit geschlossenen Gebäudetrakten gehandelt haben wird. Auf der Hochzeitsschüssel ist der Burghügel durch hinab laufende Palisadenzäune in Segmente unterteilt und weist Öffnungen von Kasematten auf. Am Hügelfuß ist eine hohe umlaufende Palisade dargestellt, die ebenfalls eine temporäre Zutat aus der Belagerungszeit der Stiftsfehde gewesen sein könnte. Der runde Burggraben dürfte recht breit gewesen sein, doch sind aufgrund der frühneuzeitlichen Überprägung durch die Festungsanlage keine genauen Maße zu ermitteln. Die mittelalterliche Kernburg dürfte ohne den Ringgraben ca. 90 Meter breit gewesen sein. In einem noch genutzten Regenwasserschacht im Südwestteil des Amtshofes verbirgt sich ein Sandsteinbrunnen, der wahrscheinlich auf die mittelalterliche Burg zurückgeht. Im Keller des östlich der Torbrücke gelegenen „Zehnerhauses“ (Am Amthof 7) ist ein gratiges Tonnengewölbe mit Quertonnen erhalten, das mit drei Schießscharten zur Bestreichung der Torbrücke ausgestattet ist. Ob die Bausubstanz der Gewölbe und anschließenden Räume des Zehnerhauses zum Teil noch auf die Burg zurückgeht, ist unklar. Sie wurden in der Festungszeit als Kasematte und Pulvermagazin genutzt. (Thomas Budde)

Arch-Untersuchung/Funde:

Im Bereich der Peiner Burg sind bisher nur kleinere Grabungen und Fundbergungen durchgeführt worden. Bei dem Burgparkprojekt 1998/99 (J. Koch/R. Holländer) wurden Funde aus dem Burggraben und den freigelegten Gebäuderesten geborgen. In einem Suchschnitt durch die Burgrabenfüllung wurden verschiedene Uferbefestigungen sichtbar, die älteste gehörte zu dem mittelalterlichen Burggraben. Aus einem noch ca. 1 m breiten Streifen am Grabenrand konnten Funde der ansonsten ausgeräumten spätmittelalterlichen Grabenfüllung geborgen werden, darunter Belagerungsgeschosse, Haushaltskeramik und Eisengeräte (Äxte, Haken). Beim Ausbaggern wurde außerdem ein spätgotisches Torbogenfragment aus dem frühen 16. Jh. geborgen. 1976 sind beim Ausschachten eines Kabelgrabens im Westteil des Amthofes menschliche Skelettreste gefunden worden. 2001 wurde bei Tiefbauarbeiten im Südteil des Amthofes ein segmentbogenförmiger Fundamentrest erfasst, bei dem es sich um einen Teil eines Burgturmes handeln dürfte (M. Oppermann, Bezirksarchäologie). Ebenfalls 2001 wurde bei Kanalbauarbeiten in der Straße am Amthof ein Profil des nordwestlichen Burghügels aufgenommen (T. Budde). Im oberen Bereich wurde eine Grabenstruktur festgestellt, bei dem es sich evtl. um einen oberen Burggraben (Trockengraben) handeln könnte. Die alte Hügelböschung war mit Dachschieferbruch von den Burggebäuden durchsetzt. Weitere zum Teil weit zurückreichende Bodeneingriffe im Burg- und Schlossbereich sind entweder schlecht dokumentiert oder erbrachten nur neuzeitliche Befunde und Funde. Die archäologische Gesamterfassung der Anlage erfolgte 2016 durch T. Budde auf Grundlage vorhandener Quellen und Daten. (Thomas Budde)