EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Celle

Geschichte:

Die Geschichte der Stadt Celle beginnt im Jahr 1292 mit ihrer Verlegung vom Ort des heutigen Altecelles an ihren jetzigen Standort. Auch die Errichtung der Burg wird gemeinhin in diese Zeit datiert, zumal sie erstmals 1315 erwähnt wird. Allerdings ist laut einer 1822 veröffentlichten, seitdem aber verschollenen Chronik aus der Mitte des 15. Jhs. bereits unter Herzog Johann (+ 1277) eine erste Burg an dieser Stelle angelegt worden. Gestützt wird dies durch die 14C-Datierung eines 1966 unter der gotischen Halle gefundenen Pfahlrosts, die einen Zeitraum zwischen 1040 und 1275 (wohl uncalibriert) ergab.
Nachdem 1371 die Burg auf dem Kalkberg bei Lüneburg von den Lüneburgern Bürgern abgerissen worden war, diente das Celler Schloss zwischen 1378 und 1705 als Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg. Mit den wechselnden Bewohnern fanden auch immer wieder Veränderungen an der Bausubstanz des Schlosses statt. Nach den barocken Umbauten, welche dem Schloss sein heutiges Aussehen gaben, verliert das Schloss an Bedeutung, als 1705 der Celler und Calenberger Teil des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg mit Hannover als gemeinsamer Residenz vereinigt wurden.
Von 1772-1775 residierte die dänische Königin Caroline Mathilde nach ihrer Scheidung von Christian VII. im Schloss. 1839/40 wurde der Bau abermals erneuert und zur Sommerresidenz des Hofes des Hannoverschen Königreiches ausgebaut. Nachdem Hannover 1866 an Preußen gelangte, verliert Celle seine Rolle als Residenz. Ab 1934 zieht der preußische Landeserbgerichtshof in das Schloss. Bis 1988 wird es für das Oberlandesgericht genutzt.
Heute dient das Schloss als Museum und bietet Raum für eine Ausstellung zur welfischen Geschichte und für Wechselausstellungen. (S. Bieler, S. Eismann)

Bauentwicklung:

Die älteste Gestalt der Burg und etwaiger Vorgängerbauten ist unbekannt. Die bekannte Baugeschichte bezieht sich auf die Zeit nach der Erhebung zur Residenz 1378. Die Befestigung wurde in Form eines mit einer Palisade gekrönten Walls angelegt. Der älteste erhaltene Teil der Burg ist der Stumpf des Bergfrieds unter dem heutigen Schlosstheater. Zu ihm gehörte auch ein Wohnbau, dessen Osthälfte im heutigen Eingangsbereich mit dem großen Treppenhaus integriert ist.
Friedrich der Fromme ließ in der 1. Hälfte des 15. Jhs. viele Veränderungen vornehmen, zu denen ein Saal, ein Sommerhaus und eine 1424 erwähnte Kapelle im Bergfried gehörten. Eine neue, gotische Schlosskapelle wurde 1485 geweiht und 1568 umgebaut. Von 1452 bis 1454 wurde im Winkel zwischen Burgturm und Palas ein zweigeschossiges Haus gebaut, dessen Obergeschoss die Küche einnahm. Zur selben Zeit sind auch die Gräben verbreitert und die Wälle erhöht worden. Baumaßnahmen in der 2. Hälfte des 15. Jhs. betrafen vor allem Aufstockungen und Umbauten im vorhandenen Bestand. 1492 wurde nach der Errichtung eines neuen Vorwerks das alte aufgegeben und der Bereich in die Befestigung einbezogen. Vor den neuen Wällen entstand ein Zwinger. Ende des 15. Jhs. hatte das Schloss schließlich die heutige Ausdehnung erreicht. Heinrich der Mittlere ließ im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts die Befestigungsanlagen ausbauen und einen mit Rondellen vesehenen Erdwall aufschütten. Ab 1533 wird das Schloss im Stil der Renaissance umgebaut, sodass es als ein wuchtiger, vierflügeliger Bau mit Ecktürmen und einem dominierenden Hauptturm erschien.
Zwischen 1665 und 1680 wurden unter Herzog Georg Wilhelm Süd-, West- und Nordflügel im barocken Stil durch italienische Baumeister neu errichtet. Dabei wurde auch das Schlosstheater eingebaut, in welchem heute wieder Aufführungen stattfinden.
Zwischen 1785 und 1827 wurden die Außenbastionen abgebrochen. Das Material wurde in den Wassergraben geschüttet, um diesen in Tiefe und Breite zu verringern. Der Park wurde 1829/30 angelegt, dabei verschwanden die östlichen Überreste der Wälle. Ab dieser Zeit fanden auch kleinere Umbauten statt, beispielsweise wurde der Treppenturm im Innenhof erneuert.
Um 1900 wurde der Park erheblich verkleinert, um Wohnraum zu schaffen. Ab 1973 wurde begonnen, die Substanz des Schlosses zu erneuern und zu erhalten. Seit 2010 wird wieder im großen Maße am und im Schloss saniert. (S. Bieler, S. Eismann)

Baubeschreibung:

Die gesamte Schlossanlage besitzt mit Park eine Größe von 7 ha. Das eigentliche Schloss ist von einem bis zu 25 m breiten Wassergraben umgeben. Der rechteckige Wassergraben ist nachträglich verengt und verfüllt worden. Nur auf der westlichen Seite ist der Wall erhalten. Der Wall erreicht eine Breite von 50 m und eine Höhe von 15 m. Zum Graben ist der Wall steiler angelegt. Die ehemaligen Bastionen sind modern überformt und im Gelände nicht mehr auszumachen.
Die ursprüngliche Gestalt der Burg ist weitgehend unbekannt. Aus Schriftquellen lässt sich die Existenz eines Wehrturms sowie von Wohngemächern und einem Back- und Brauhaus in der Hauptburg entnehmen. Marstall, Remise, Ställe und ein Ziehbrunnen lagen in der Vorburg, die zusammen mit der Hauptburg von einer Holzbefestigung geschützt war. Die Burg war zu keinem Zeitpunkt von einer Steinmauer umgeben. Bausubstanz der ältesten Burganlage ist im Nord- und Ostflügel des heutigen Schlosses erhalten; am markantesten ist dabei der Rest des Turmes im Nordflügel unter dem Schlosstheater. Der Zugang erfolgte durch zwei Torhäuser, von denen das innere Bestandteil der Hauptburg war.
Das Schloss selbst erscheint heute als eine Mischung von Elementen aus Gotik, Weserrenaissance und Barock. Typisch für die Renaissancebauphase sind zum Beispiel die Halbkreisaufsätze der Zwerchgiebel von ca. 1520/30. Besonders auffällig unter den barocken Umbauten sind die Kuppeln der vier Ecktürme und die Giebeldächer.
(S. Bieler)

Arch-Untersuchung/Funde:

Seit 1973 wird im Schloss saniert und dabei konnten zahlreiche Funde geborgen werden. So konnten zum Beispiel 1985 aufgrund eines Schadens am Fußboden in der Schlosskapelle Knochen, Keramik und Metallfunde gemacht werden. So erfolgen stetig weitere archäologische und bauarchäologische Untersuchungen im Einklang mit den Sanierungen. (S. Bieler)