EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Vörde

Geschichte:

Bremervörde liegt an einem verkehrsgeographisch bedeutsamen Ort. Hier konnte die große Moorsenke im Elb-Weser-Dreieck auf einem Geestrücken überquert werden, zudem ermöglichte eine Furt den Übergang über die Oste. Dieser verdankt die Burg ihren Namen "Vörde"; erst gegen Ende des 16. Jhs. erhielt sie als Zusatz den Namen ihrer landesherrlichen Zugehörigkeit zum Erzstift Bremen.
Über die Ursprünge der Burg in Vörde existieren unterschiedliche Nachrichten in den Chroniken, die aber alle von einer Gründung durch Lothar von Supplingenburg ausgehen. Nach Albertus Stadensis ist die Burg 1112 errichtet worden, nach dem Chronisten Wolter geschah dies 1122. Ihre Aufgabe ist die einer Grenzbefestigung gegen die Grafen von Stade gewesen. Vörde scheint 1154 vorübergehend in bremischer Hand gewesen zu sein, denn sie wird unter den Befestigungen genannt, die Bischof Hartwig von Bremen zur Verteidigung gegen Heinrich den Löwen instand setzen ließ. Danach erscheint die Burg in den Quellen erst wieder nach dem Tod Heinrichs des Löwen in den Händen seines Sohnes, des Pfalzgrafen Heinrich. 1218 wurde die Burg von den Bremern in einer Fehde mit dem Pfalzgrafen durch eine List eingenommen und blieb fortan in den Händen des Erzbistums. Nach dem Erwerb der ehemaligen Grafschaft Stade 1236 bildete sie den Kern des Erzstifts Bremen. Außerdem wurde hier der Brückenzoll für die Osteüberquerung eingenommen. 1310 wollte Heinrich von Borch in einer Fehde der bremischen Ritterschaft mit dem Erzbistum die Burg, auf der er als Vogt fungierte, nicht übergeben und musste gewaltsam von ihr vertrieben werden. Im weiteren Verlauf des Konflikts wurde die Burg von den Ministerialen verwüstet, blieb aber im Besitz des Erzbistums. Das Schloss wurde in der Folgezeit zur erzbischöflichen Residenz und stellte den Sitz der Regierung und Verwaltung des Erzstifts. 1547 wurde es im Schmalkaldischen Krieg von den protestantischen Truppen des Grafen von Mansfeld beschossen und eingenommen.
Im 30jährigen Krieg war Bremervörde zwischen Schweden und Dänemark umstritten und wechselte mehrfach den Besitzer. Mit dem Westfälischen Frieden wurden Stadt und Burg Schweden zugesprochen. Königin Christine belehnte als neue Landesherrin Feldmarschall Wrangel mit der Burg. Die Verlegung des Verwaltungszentrums nach Stade bedeutete gleichzeitig einen massiven Bedeutungsverlust. 1680 fiel Bremervörde wieder unter die direkte Herrschaft der schwedischen Krone. 1682 ordnete der schwedische König Karl XI. den Abbruch der Schlossgebäude sowie die Schleifung der Befestigung an. Diese Maßnahme erstreckte sich offenbar über einen langen Zeitraum, denn noch 1768 wurde ein verfallenes, als Pulverturm bezeichnetes Gebäude abgerissen. Das Kanzleigebäude und der ehemalige Marstall blieben erhalten und fungierten später als Amts- und Kreishaus. Heute beherbergen sie das Bachmann-Museum. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Unter den Erzbischöfen Nikolaus und Balduin erfolgte von 1421 bis 1441 ein massiver Neubau der Burg. 1471 wurde die Burg mit einem Wall umgeben. Anlässlich des Amtsantritts von Erzbischof Heinrich von Sachsen-Lauenburg fanden 1567/68 auf dem Schloss zahlreiche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen statt. Unter anderem wurde ein alter Marstall abgerissen und aus seinem Baumaterial eine Kanzlei und das "untere Tor" errichtet. 1603 ist das komplette Schloss mit Ausnahme des "Artilleriehauses" abgebrannt. Mit dem Wierderaufbau wurde im Folgejahr begonnen. Im Zuge dessen wurde 1615 die Festung durch Bollwerke verstärkt. 1610 entstand in der Vorburg das heutige Alte Kreishaus, das ursprünglich die Kanzlei, den Marstall und ein Haus für Ballspiele umfasste. Nach seiner Belehnung mit dem Schloss 1648 entfaltete Feldmarschall Wrangel eine umfangreiche Bautätigkeit. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg lag auf dem heutigen Schlossberg, einer künstlichen, etwa 7 m hohen Erhebung. Über die mittelalterliche Gestalt der Burg existieren keine Aufschlüsse. 1618 war das Schloss mit einem hohen Wall und einem breiten Wassergraben befestigt.Von den Befestigungsanlagen des 17. Jhs. sind Reste der Gräben und Erdwälle rund um das heutige Kreishaus vorhanden. Die ehemalige erzbischöfliche Kanzlei in der Vorburg beherbergt heute das Bachmann-Museum. Sie ist um 1610 als zweigeschossiger Winkelbau aus Backstein errichtet worden. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Suchschnitte 2005.