EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Jever

Geschichte:

Die ursprüngliche Häuptlingsburg wurde um 1370 von Edo Wiemken d. Ä. gebaut. Durch Sibet Papinga, dem Enkel Edo Wiemkens, wurde 1417 eine Vorburg hinzugefügt. 1420 eroberten die Ostfriesen unter Ocko II. tom Brok die Burg, die nach dem 1427 geschlossenen Friedensvertrag geschleift werden musste. Aber nur ein Jahr später begann der Wiederaufbau durch Häuptling Hajo Harlda, der einen mächtigen Bergfried errichten ließ. 1435 machte er die Burg nach der Zerstörung der Sibetsburg zum Häuptlingssitz. Zur ständigen Residenz wurde sie aber erst unter Edo Wiemken d. J. (1468-1511). 1495 wurde die Burg bei einem Einfall des Grafen von Oldenburg belagert. Um die davor erfolgte Verstärkung der Befestigung zu finanzieren, wurde eine Abgabe erhoben, die sich zur ersten ständigen Steuer in Friesland entwickelte. 1546 schließlich kam es unter Fräulein Maria von Jever zu einer Verstärkung der Befestigungsanlagen. Nach Fräulein Marias Tod 1575 fiel die Herrschaft Jever an die Grafschaft Oldenburg. Nach dem Aussterben des dortigen Grafenhauses erbte das Fürstentum von Anhalt-Zerbst Jever. Bei der Zerbster Teilung von 1793 wurde Jever der Zarin Katharina d. Gr. , einer gebürtigen Anhalt-Zerbst, zugesprochen. Nach kurzzeitigen Besitzerwechseln aufgrund der Napoleonischen Kriege wurde die Herschaft Jever 1818 dem Herzogtum Oldenburg übergeben, deren Herzöge das Schloss als Nebenresidenz nutzten. Seit 1921 befindet sich im Schloss ein Museum. (Frank Both, Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die erste Burganlage bestand vermutlich aus einem Steinhaus und einem quadratischen Turm von 14 m Höhe. Letzterer bildet heute noch den Kern des heutigen runden Bergfrieds, der im Rahmen des Neubaus ab 1428 errichtet wurde. Unter Edo Wiemken d. J. begann der Ausbau der baufälligen Burg zu einem Schloss. 1546 begann eine Verstärkung der Befestigungsanlagen mit einem inneren Graben, Streichwehr und Zwingern an zwei Ecken. An der Nordecke der Burg wurde 1572 der runde sog. "kleine Zwinger" gebaut. Der "große Zwinger" entstand an der Südecke 1579 bis 1581. Der innere Graben wurde erst 1794 zugeschüttet und der Wall eingeebnet. Die Wirtschafts- und Wehrbauten der Vorburg wurden 1818 abgebrochen. Das Schloss selbst wurde in der 1. Hälfte des 19. Jhs. umgebaut. (Frank Both)

Baubeschreibung:

Aus der Burg mit dem mächtigen runden Bergfried ist vom 15. bis 16. Jh. eine unregelmäßige Vierflügelanlage entstanden. Fräulein Maria gab den prächtigen Innenausbau in Auftrag. Der Rittersaal z. B. erhielt eine Kassettendecke im Stil des niederländischen Manierismus. Zwischen 1730 und 1736 bekam die Anlage einen barocken Turmaufsatz. Das heutige Erscheinungsbild mit den zwei Torhäusern und einer an die italienische Renaissance erinnernden Fassade des Historismus entstand etwa um 1830.
Der Burggraben war seit der Mitte des 16. Jhs. mit einer äußeren und wahrscheinlich auch einer inneren Stützmauer versehen. Der Eulenturm, eine Bastion an der Südecke, ist am Ende des 16. Jhs. zu Wohnzwecken umgebaut worden. Die Vorburg ist heute nicht mehr existent.
(Frank Both)

Arch-Untersuchung/Funde:

Baubeobachtungen am Turm 1998.