EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Wittmund

Geschichte:

Die Burg wurde unter der Herrschaft des Häuptlings Sibet Attena 1461 gebaut. Wenig vorher, 1457, hatte er die Wehrkirche und Steinhäuser der Wittmunder Häuptlingsfamilie Kankena erobert, womit Wittmund für diese Familie verloren war. Schon 1455 nannte sich Sibet Häuptling zu Esens, Stedesdorf und Wittmund. Von 1522 bis zu seinem Tod 1540 war dessen Enkel Balthasar von Esens Häuptling der ostfriesischen Herrlichkeiten Esens, Wittmund und Stedesdorf, seine Residenz lag aber in Esens. Am 22. 7. 1537 schlug ein Blitz in den Schlossturm ein, worauf das Schloss zerstört wurde. Bis 1555 muss es aber wieder aufgebaut gewesen sein. Da Balthasar kinderlos war, ging das Harlingerland über seine Schwester an Graf Johann II von Rietberg. Dieser wurde wegen mehrerer Vergehen vom Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis 1557 zu Haft verurteilt, wo er 1562 verstarb. Daraufhin übernahm Gräfin Agnes die Regierung. Berühmt wurde die Anlage 1651, weil hier ein Justizmord geschah. Nach einem irregulären Prozess wurde der geheime Rat Johann von Mahrenholz im großen Saal enthauptet.
1764 ließ Friedrich II. von Preußen die Wittmunder Anlage schleifen, nur der innere Wall blieb größtenteils erhalten. (Frank Both)

Bauentwicklung:

Eine Bauentwicklung ist bei der derzeitigen Quellenlage nicht nachzuvollziehen. (Frank Both)

Baubeschreibung:

Das Schlossgelände umfasst ein viereckiges Areal von ca. 89 x 85 m Ausdehnung. Es existiert von der Anlage lediglich noch der ca. 25 m breite und 7 m hohe Innenwall, der nur im Norden abgetragen ist. Das vierflügelige Schloss stand in einem Hausteich auf der Innenseite des Walles. An seiner Nordostecke war ein runder Turm mit ca. 9 m Durchmesser integriert.
Eine Zugbrücke führte von Norden über den äußeren Graben auf den äußeren Burgwall, von dorterstreckte sich eine zweite Brücke über den sehr breiten Festungsgraben an den von vier Bastionen flankierten Innenwall. Der Wassergraben ist im Süden und Südosten als Ententeich in eine Grünanlage integriert worden, ansonsten ist er verfüllt.
(Frank Both, Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bohrprospektion 997.
Grabungsschnitt 2008, bei dem das 1,80 m breite Fundament der südlichen Außenwand der Burg und die Ausbruchsgrube des Fundaments der Nordwand des Südflügels erfasst wurden.
Bei verschiedenen Gelegenheiten wurden am Schlossplatz Keramikscherben, Backsteine im Klosterformat, ein Kanonenrohr, mehrere Kanonenkugeln und menschliche Knochen gefunden. (Stefan Eismann)