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Leerort

Geschichte:

Die Festung Leerort verdankt ihre Entstehung der Möglichkeit, mittels ihrer Lage auf dem Sporn zwischen der Ems und der Mündung der Leda im Süden von Leer den Schiffsverkehr auf beiden Flüssen zu kontrollieren.
1435 begannen die Hamburger mit dem Bau eines Blockhauses in Leerort, möglicherweise haben sie auch eine 1432 durch Edzard und Ulrich von Cirksena errichtete Befestigung übernommen. Der endgültige Ausbau zur Festung geschah aber erst in der Zeit der zweiten Hamburger Besetzung Ostfrieslands von 1447 bis 1453. 1453 ging der
gesamte Hamburger Besitz in Ostfriesland einschließlich der Festung Leerort an den Häuptling und späteren Grafen Ulrich Cirksena über. Die Burg wurde Sitz des gräflichen Drosten und Amtmannes. Die Leeraner mussten für die Festung Burgdienste leisten. 1493 löste Graf Edzard I.
alle noch bestehenden Rechte der Hamburger über die Burg ab. Um 1500 wurde eine Schlossanlage im Renaissance-Stil errichtet. 1514 fand eine Belagerung Leerorts durch den Herzog Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolfenbüttel statt. Da der Herzog tödlich verwundet wurde, brach man die Belagerung aber ab. 1571 wurden zehn Seeräuber hier hingerichtet, 1590 zwei der Zauberei angeklagte Menschen verbrannt. Ende des 16. Jhs. war die Festung Stützpunkt von Graf Johann, der mit seinem verfeindeten Bruder Edzard II. im Streit lag. Von 1611 bis 1744 wurde in Folge des Osterhusischen Akkords eine niederländische Besatzung in der Festung stationiert. Das Burggebäude blieb gräfliche Residenz, aber den Amtssitz verlegte man nach Leer. 1712 wurde das Schloss abgebrochen und 1749 die Festung durch die Preußen aufgegeben. (Frank Both, Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Zunächst als Festung angelegt, begann man unter Graf Edzard dem I. um 1500 mit dem Bau einer Schlossanlage als gräflicher Residenz, der sog. "Oberburg". Von 1528 bis 1531 wurde die Anlage um die Hälfte erweitert, eine Mauer vor den Wall gezogen, ein dritter Turm hinzugefügt und mindestens die Hälfte der schließlich sechs Bastionen angelegt. Verbunden damit war eine wohl durch einen Landabbruch verursachte Verschiebung der Befestigung nach Norden, bei der ältere Baustrukturen durch den neuen Wall überdeckt wurden. 1532 kam der sog. halbe Mond, eine weitere Bastion, hinzu. 1540 bildete der Bau des Burggrafenhauses den vorläufigen Endpunkt der Ausbaumaßnahmen. Gräfin Anna fügte noch das Drostenhaus und zwei weitere Wachttürme hinzu. Graf Edzard II. ergänzte das Hauptgebäude um einen Renaissanceflügel und einen Treppenturm. Außerdem verstärkte er die Befestigung an der Wasserseite. 1611 wurde mit der Einquartierung niederländischer Truppen an der Landseite ein weiterer Ausbau mit Wall und Graben fällig, der 1726 nochmals verstärkt wurde. (Frank Both, Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Festung Leerort besaß ihre Keimzelle in einem Blockhaus der Hamburger, das bei Sondagen am Ende der Landspitze lokalisiert wurde. Erfasst wurden dabei die Reste eines Rondells aus Backstein. Die spätere "Oberburg" war ein vierflügeliges, zweigeschossiges Steinhaus mit zwei Türmen, das von zwei Wällen und Gräben geschützt wurde. Später kamen ein dritter Turm und sechs Bastionen dazu. Den äußeren Punkt der Befestigung bildete der sog. halbe Mond, der später den Kern der Ortschaft Leerort bildete. Im 17. Jh. wurden ein weiterer Wall und ein Graben hinzugefügt. Der große Graben auf der Landseite ist heute in Form eines Teiches noch vorhanden; in ihn ragt der sog. Weiße Zwinger herein. Ansonsten sind Reste der früheren Wälle, vor allem der inneren Umwallung, zu erkennen. Außendeichs ist zur Ems hin noch die sog. Neue Contrescarpe auszumachen. Der Deich verwendet hier den nördlichen Wall des alten Kastells wieder. (Frank Both, Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Um 1810 wurden bei Abbrucharbeiten in dem Kastellwall in einem Keller 17 ungefähr 2,4 m lange Kanonen gefunden. 1865 wurden bei Deicharbeiten mehrere Münzen des
14. bis 15. Jhs., eine Lanzenspitze und ein Morgenstern aufgelesen.
1907 Funde von Kanonenkugeln und vier kleinen Handkanonen.
1993 Funde von Kanonenkugeln bei einer Raubgrabung, die der Bezirksarchäologe Dr. Eckert bei einem Spaziergang beobachtete.
1998 Baubeobachtung mehrerer Keller während eines Neubaus.
2011 wurde der Bastionsbereich "weißer Zwinger" untersucht, 2012 der zentrale Schlossbereich. Dabei konnten eine Vorgängeranlage - ein sog. Blockhaus der Hamburger Gründungsphase - erfasst werden und Fundamente des Schlosses sowie Teile der Wehranlagen dokumentiert werden. (Frank Both, Stefan Eismann)