EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Grimersum, Osterburg

Geschichte:

Auf dem östlichen Rand der Dorfwurt lvon Grimersum lag eine Burg, die 1379 von Gerald Beninga, dem Häuptling des Ortes, erbaut wurde und die er auch bewohnte. Der vorherige Stammsitz der Beninga bei Wirdum war 1379 zerstört worden. Die Burg ging nach Geralds Tod an seinen Schwiegersohn Imel von Grimersum, der ein Anhänger Fokko Ukenas war. Im Krieg gegen Fokko zerstörten die Cirksena 1435/36 gemeinsam mit den Hamburgern die Anlage. Die Beninga mussten ins Exil gehen und konnten erst 1453 wieder auf ihre Besitzungen zurückkehren, nachdem sie Ulrich Cirksena als Herrscher über Ostfriesland anerkannt hatten. 1489/90 wurde die neu aufgebaute Burg zwischen Gerald II. und Folkmar II. geteilt; Gerald bekam die Osterburg, Folkmar die Westerburg. Der bekannteste Vertreter der Familie, Eggerik Beninga, wurde 1490 hier geboren, die von ihm verfasste "Chronica der Fresen" stellt eine wichtige Geschichtsquelle für Ostfriesland dar. 1548 nahm er einen Umbau der Burg zu einem Renaissance-Schloss vor. Er legte wohl auch den Grundstein für eine Bibliothek, die im 18. Jh. 800 Bücher umfasste. 1717 starben die Beninga im Mannesstamm aus, das Schloss ging an die Herren von Westerdorp. In diesem Jahrhundert begann auch der Niedergang der Anlage, ein Hauptflügel wurde abgerissen. Im 19. Jh. verfielen auch die anderen Flügel und stürzten teilweise ein. Anschließend diente das Gelände als Steinbruch. Die letzten Gebäudeteile verschwanden Anfang des 20. Jhs. (Frank Both, Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die ursprüngliche Burg wurde nach ihrer Zerstörung 1435 mehr als zwanzig Jahre später wahrscheinlich etwas westlich der alten Stelle neu errichtet. 1489/90 wurde sie geteilt. Nach einem Umbau 1548 zeigte sie sich als ein vierflügeliges Renaissanceschloss. (Frank Both)

Baubeschreibung:

Die Gestalt der ursprünglichen Burg ist unbekannt. Nach ihrer Wiederrichtung in der Mitte des 15. Jhs. bestand sie aus einem Saalbau mit einem Ausmaß von 30 x 10 m bei einer Höhe von 17 m. Aus dem Teilungsvertrag von 1489/90 ist der damalige Gebäudebestand bekannt. Die Westerburg enthielt ein Wohngebäude mit Saal, ein Backhaus, eine Scheune und im Südwesten einen "langen Turm". Zur Osterburg gehörten ein Steinhaus und ein weiteres Gebäude, zudem die Warf mit dem "alten Haus", wohl das ursprüngliche Burghaus.
Das Renaissance-Schloss war eine vierflügelige Anlage mit zwei Hauptflügeln im Nordosten und Südwesten sowie zwei Nebenflügeln. Ein kleiner Burghof war in der Mitte. Ein bis zu 30 m breiter Graben umgab das Schloss. Die Wirtschaftsgebäude (Schatthäuser) lagen um die Anlage verteilt.
(Frank Both, Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Aus Anlass einer Dorfsanierung 2002 bildete sich eine örtliche Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die Burgstelle herzurichten und zu einer touristischen Attraktion zu machen. Dazu wurde teilweise Schutt abgetragen und Mauerreste freigelegt. So kamen Außenmauern, ein Brückenfundament und ein Kellerraum zutage. Dazu kam Fundmaterial wie Keramik, rote und gelbe Irdenware, Porzellan, Fayencen, Münzen und Eisengegenstände. (Frank Both)