EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Dankwarderode

Geschichte:

Die 1134 erstmals erwähnte Burg Dankwarderode war, bevor sie durch Heinrich den Löwen ausgebaut wurde, ein Herrschaftsmittelpunkt des bedeutenden sächsischen Adelsgeschlechts der Brunonen. Ihre Anfänge im 10. Jh. liegen allerdings im Dunkeln. Über die Erbauer der Befestigung und ihre ursprüngliche Funktion lassen sich keine gesicherten Aussagen treffen.
Die Brunonen starben in männlicher Linie 1090, in weiblicher 1117 aus. Eine von der älteren Forschung aufgrund von Braunschweiger Chroniken angenommene Besetzung der Burg durch Heinrich IV. im Jahr 1090 und anschließende Zerstörung der Burg durch die Braunschweiger Stadtbevölkerung bezieht sich sehr wahrscheinlich auf spätere Ereignisse. Im Jahr 1115 fiel sie im Konflikt Heinrichs V. mit der sächsischen Fürstenopposition vorübergehend in die Hände des Kaisers. Lothar III erwarb die Burg von seiner Frau Richenza, der Tochter der letzten Brunonin Gertrud. Heinrich der Löwe, Enkel Lothars III., baute die Burg um 1160 bzw. 1175 neu. 1252 ist die Burg bei der Hochzeit König Wilhelms von Holland erneut abgebrannt. Bis 1282 war sie herzogliche Residenz, bevor es - für die Herzöge im Fürstentum Braunschweig - Wolfenbüttel wurde. Wie die Stadt Braunschweig gehörte die Burg Dankwarderode seit der Teilung des Herzogtums Braunschweig 1267/69 in zwei - und später drei weitere - Fürstentümer zum Gemeinschaftsbesitz aller Linien des welfischen Herzogshauses. In der ersten Hälfte des 16. Jhs. ist der Palas abgebrannt. Es erfolgte keine Reparatur aufgrund der gespannten Beziehungen zwischen Stadt und Welfenhaus und weil sich die anderen Teilfürstentümer nicht an den Kosten beteiligen wollten. Mit der Eroberung der Stadt Braunschweig durch den braunschweigisch-wolfenbüttelschen Herzog 1671 kam auch die Burg in den Besitz dieser Linie. Von 1690 bis 1700 wird die Burg durch Herzog Anton Ulrich umgebaut. Mit der Errichtung des neuen Schlosses ab 1717 spielte Dankwarderode nur noch eine Nebenrolle für den braunschweigischen Hof. Von 1808 an wurde die Burg bis zum Brand 1873 als Kaserne genutzt. Die rekonstruierte Burg wurde 1906 wieder eingeweiht. Nach Beseitigung der 2. Weltkriegsschäden wird sie für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt und ist seit 1963 Dependance des Herzog-Anton-Ulrich-Museums. (Gudrun Pischke)

Bauentwicklung:

Die Frühzeit der Burg Dankwarderode lässt sich nur anhand der unter schwierigen Bedingungen stattgefundenen Ausgrabungen im Viehweghaus erschließen. Demnach ist als ältestes mittelalterliches Zeugnis eine Siedlungsschicht aus der 2. Hälfte des 9. Jhs. angetroffen worden. Im 10. Jh. ist ein Wall errichtet worden, der nach einem Brand wohl vor 1030 durch eine vorgeblendete Steinmauer verstärkt wurde. In der 2. Hälfte des 11. Jhs. ist dieser Wall mit Blendmauer durch eine fundamentierte Wehrmauer ersetzt worden. In der 2. Hälfte des 12. Jhs. ist das Torhaus der Burg abgebrochen worden, wahrscheinlich im Zuge eines historisch bezeugten Neubaus der Burg unter Heinrich dem Löwen. Das Datum der Erbauung des Palas ist umstritten, die Datierungsansätze schwanken zwischen 1155 und 1175. 1253/54 wurde das abgebrannte Gebäude erneut aufgebaut. 1584 wird das westliche Burgtor erneuert. Nach jahrhundertelangem Verfall ist zwischen 1616 und 1640 ein nach Süden verlängerter Neubau (63 m x 15 m) errichtet worden, der im 18. Jh. Umgestaltungen erfuhr. Von 1690 bis 1700 ließ Herzog Ulrich einen Altan auf Säulen auf der vollen Länge der Westfassade errichten und die Kapelle abreißen. 1763-65 wurde der südliche Teil des Hauptgebäudes und der Altan abgerissen und der sog. "Ferdinandsbau" errichtet. 1797/98 wurde das Burgtor abgerissen. Der romanische Ursprung ist im Laufe der Jahrhunderte bis zur Unkenntlichkeit verändert worden und drohte nach dem Brand in der Nacht 21./22. Juli 1873 endgültig unterzugehen. Der Wiederaufbau der Burg erfolgte von 1887 bis 1906 in historisierender Weise. (Gudrun Pischke/Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Bei der ersten Burganlage muss es sich um eine ca. 140 x 120 m große, ovale Wallburg gehandelt haben, die auf einer Sandinsel direkt am westlichen Okerufer lag. Der ältere Burggraben besaß eine Tiefe von mind. 3,50 m und eine Sohlbreite von ca. 4,50 m. Der ursprüngliche Zugang zur Burg erfolgte im Südwesten.
Über die Bebauung in der Zeit vor der Umgestaltung durch Heinrich den Löwen ist sehr wenig bekannt. Ein Saalbau als Zentrum der brunonischen Herrschaftsrepräsentation ist bisher archäologisch nicht erfasst worden. Möglicherweise bestand ein Wohntum im Bereich des Kleinen Mosthauses im Nordosten. Nach der Umgestaltung durch Heinrich den Löwen erfolgte der Hauptzugang zur Burg durch ein Torhaus im Westen. Gegenüber von ihm lag der ca. 42 x 15 m große Palas. Das beheizbare Erdgeschoss war durch Arkaden in zwei Schiffe gegliedert. Die Westfassade war mit dreigliedrigen Arkadenfenstern mit Blendbögen versehen. Vor dem doppelten Portal des Erdgeschosses bestand ein Vorbau mit unbekannter Gestalt. Südöstlich schloss sich an ihn die Burgkapelle und weitere Steingebäude wie die herrschaftlichen Wohnräume und eine Kemenate an. Der südliche Teil des Burghofs wurde durch den 1173 begonnenen Dom St. Blasii mit Kapitelhaus und Kreuzgang eingenommen, davor stand dort die 1030 errichtete Stiftskirche St. Peter und Paul. Die Nordseite wurde durch Wirtschaftsgebäude eingenommen, die zu Adelshöfen und schließlich zu Bürgerhäusern wurden.
Von der hochmittelalterlichen Burganlage ist, abgesehen vom Burgplatz mit der Kopie des Löwen, nichts erhalten. Der Palas im Osten, ein 1887 nach einem Brand erfolgter Wiederaufbau in Formen der Romanik, ist ein zweigeschossiger Saalbau: Rittersaal im Obergeschoss, Knappensaal im Untergeschoss. Im Süden steht noch der Dom St. Blasii. (Gudrun Pischke/Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Grabungen 1949-1951, 1981-1985, 1990-1991