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Steterburg

Geschichte:

Die Steterburg ist 938 erwähnt worden, als die Burgbesatzung bei einem Ausfall ein Kontingent ungarischer Reiter zurückschlug, wovon Widukind von Corvey in seiner Sachsengeschichte berichtet. In der späteren Überlieferung - so schon in der um 1200 geschriebenen Steterburger Chronik - ist dies Geschehen zu Kämpfen mit den Hunnen unter Attila verzerrt worden.
Wohl seit der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts ist die Steterburg im Besitz eines Grafen Altmann von Ölsburg aus dem Umfeld der Immedinger, dessen Tochter mit dem Bischof von Hildesheim um das Jahr 1000 hier ein Kanonissenstift gründete, das nach neuesten Erkenntnissen in der Vorburg errichtet wurde. (Gudrun Pischke)

Bauentwicklung:

Die Grabungsschnitte durch den Graben der Kernburg ließen mehrere Phasen erkennen. Die erste Phase des Spitzgrabens war zumindest temporär wasserführend. Streckenweise ist dieser einmal erneuert worden. In die Verfüllung dieser Phase ist ein 5-6 m breiter und bis zu 3 m tiefer Sohlgraben ausgehoben worden. Dieser entspricht in seinen Dimensionen ziemlich genau dem Graben um die Vorburg (Suburbium). Da die dort geborgene Keramik aus der 2. Hälfte des 10. und dem 11. Jh. stammt, handelt es sich offenbar um eine spätere Ausbauphase. Offenbar ist die Burg nach einer Phase der Vernachlässigung in der 2. Hälfte des 10. Jhs. durch den Grafen Altmann wiederhergestellt worden. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Steterburg liegt auf dem Osthang eines flachen Sporns, der sich von Westen in das Tal des Thedebachs vorschiebt.
Die eigentliche Burg war eine fast kreisrunde Anlage mit einem Innendurchmesser von ca. 128 m und lag westlich der Stiftsgebäude. Der Spitzgraben war ungewöhnlich mächtig: bis zu 4,80 m tief mit einer ursprünglichen Breite von bis zu 8,50 m. Nach innen schloss sich nach einer befestigten Berme ein wohl ebenso mächtiger Wall an, dem eine Steinmauer vorgeblendet war. Im Inneren der Burg wurden keine archäologischen Befunde beobachtet, da das Gelände tiefgreifend gestört war.
Pfarrkirche (= ehemalige Stiftskirche) und ehemalige Stiftsgebäude liegen im Bereich der Vorburg. Diese war mit einem heute noch 0,60 m hohen und 5 m breiten Wall und einem 3 m tiefen sowie 5 m breiten Sohlgraben befestigt. Wall und Graben sind im Osten und Süden auf 460 m Länge noch recht gut zu erkennen, der komplette Verlauf ist noch nicht erforscht. Im Inneren wurde ein Grubenhaus des späten 10./beginnenden 11. Jhs. ergraben; es ist anzunehmen, dass von dieser Gebäudeart noch deutlich mehr vorhanden war.
Westlich der Hauptburg wurde ein weiteres Grabensegment aufgedeckt, das erst in der frühen Neuzeit verfüllt wurde. Es ist unklar, ob es hier in Verlängerung der Vorburgbefestigung eine doppelte Befestigungslinie bildet oder ob es nicht zur frühmittelalterlichen Burg gehört.
Im Bereich der Hauptburg befand sich die Domäne, unter deren erhaltenem Verwalterhaus die Toranlage der Kernburg vermutet wird. Ansonsten stehen hier seit diesem Jahrtausend Wohngebäude. (Gudrun Pischke/Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Prospektion 1996.
Grabungen 1998-2003 ergaben ein Grubenhaus des 10. Jhs. und Keramik des 10. Jhs.