EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Langwedel, Bischofsburg

Geschichte:

Die Burg Langwedel ist als Grenzburg vom Erzbischof Gerhard II. gegen äußere Feinde, damals insbesondere den Herzog von Braunschweig, errichtet worden. Ausgangspunkt ist ein Vertrag von 1219 (Hamb. UB I, Nr. 432) zwischen dem Bremer Erzbischof Gerhard II. und dem Pfalzgrafen Heinrich, in dem Heinrich auf alle seine Rechte in der Grafschaft verzichtete. Heinrich erhielt aber auf Lebenszeit die Grafschaft als Lehen zurück. 1223 übertrug Heinrich seinen gesamten Besitz auf seinen Neffen Otto das Kind, wodurch der Besitz des Erzstifts erneut bedroht wurde. Eine Urkunde von 1226 (Bremer UB I, Nr. 142) berichtet, dass dem Erzbischof zu Ohren gekommen sei, dass Herzog Otto plane, ein castrum an einem Orte Langwedel zu erbauen. Diesem Vorhaben kam Gerhard II. zuvor und errichtete dort selbst eine Burg, die immer im Besitz des Erzstiftes bleiben sollte und weder von Bremer noch von fremden Kaufleuten Zoll erheben dürfe. Ferner dürften die Vögte im Rang nicht höher als Ministeriale sein, um einer Entfremdung vorzubeugen. Nach der Wortwahl der Urkunde ist von einem raschen Bau zwischen 1225 und 1227 auszugehen. 1226 muss die Burg allerdings gestanden haben, da in einem Rechtsstreit zwischen dem Verdener Bischof Iso und dem Bremer Erzbischof Gerhard II. um die kirchlichen Rechte an der Burg Ottersberg sechs Zeugen 'apud castrum Langwedele' geladen wurden (Verdener UB I, Nr. 288). Der Streit wurde endgültig 1257 in einem Vergleich niedergelegt, in dem Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg auf Langwedel, Erzbischof Gerhard II. hingegen auf Harburg verzichtete. Die Zollbefreiung galt, wenn überhaupt, nur für Bremer Bürger. Spätestens Erzbischof Gerhards II. Nachfolger erhob dort allgemein Zoll.
Die Burg liegt an einem strategisch günstigen Punkt, an dem die alte Straße von Verden nach Bremen eine 2 km breite, sumpfige Moorniederung queren muss, bevor sie wieder den Rand der hohen Geest erreicht. Die Burg wurde in der Niederung auf einer Sandinsel erbaut. Neben ihrer Funktion als Grenzburg, Zollstelle und Sicherung der Heer- und Handelsstraße versuchten die Erzbischöfe, Langwedel als Verwaltungsmittelpunkt auszubauen. Dafür wurden den Burgvögten das erzbischöfliche Tafelgut zwischen Weser, Wümme und Lessum unterstellt, um das Gogericht Achim unter ihre Kontrolle zu bekommen. Dies gelang ihnen bis über die Mitte des 14. Jahrhunderts durch die Wahl der Burgvögte als Gografen. Das Gografenamt fiel in der 1. H. des 15. Jhs. erblich an die Familie Clüver. Einem Großteil seiner Besitzungen beraubt, verlor die Burg Langwedel stark an Bedeutung.
Im 13. Jh. war die Burg häufig Residenz der Bremer Erzbischöfe. 1262 ist erstmals ein Erzbischof (REB I, Nr. 1100), 1265 ein Burgvogt (REB I, Nr. 1121) auf Burg Langwedel belegt.
Vermutlich 1356 wurde die Burg erstmals an Graf Heinrich von Neubruchhausen verpfändet. 1362 huldigten in Langwedel die Vertreter der Stadt Bremen dem neuen Erzbischof Albert II., der sich gegen den Administrator des Erzstifts Moritz von Oldenburg durchgesetzt hatte. Kurze Zeit scheint sie im Pfandbesitz der Herren von Verden gewesen zu sein. 1366 verpfändete der Erzbischof die Burg mit allen Pertinenzen für 1050 Mark Silber auf zehn Jahre an die Stadt Bremen. Aufgrund akuter Geldnot hielt sich der Erzbischof aber nicht an den Vertrag, sondern gab im Rahmen eines Darlehen u. a. den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg das Recht unter Auslösung des Pfands an die Stadt Bremen sofort die Burg Langwedel in Besitz zu nehmen. Bremen wehrte sich jedoch erfolgreich gegen den Vertragsbruch.
1366 verpfändete der Bremer Rat Burg und Vogtei an den Bremer Domdekan Johan von Slamstorp. 1396 war die Burg vermutlich von der antiwelfischen Partei des Bremer Rats und Domkapitels als Ersatz für eine Geldschuld an Statius von Mandelsloh übergeben wurde, die ein Jahr später von Heinrich von Braunschweig eingelöst wurde. 1399 erhielt der Erzbischof Otto II. gegen Zahlung von 3000 rheinischen Gulden die Burg zurück. Kurz darauf wurden Johann XII. Clüver und Arnd von Weyhe Burgvögte und für 1000 rheinische Gulden Pfandherren der Burg. 1426 scheint der Bremer Rat in den Besitz der halben Burg gekommen zu sein, als der Burgvogt/Amtmann Eggert von Bordeslo die Burg als Entschädigung für erzbischöfliche Kriegsverwüstungen anbot. Der Rat verpfändete 1430 seine Hälfte für 500 Mark an Gise und Alverich Clüver. Erzbischof Nikolaus verpfändete wiederum eine Hälfte an Heineke Klencke. 1432 löste der Erzbischof von allen dreien die Burg wieder aus und verpfändete sie zur gleichen Summe an Segebode Mundel. Der Vertrag wurde von den Ständen aber nicht angenommen, worauf Rat und Domkapitel von ihrem Recht gebraucht machten, den Pfandherren selbst zu bestimmen. Neuer Pfandherr wurde der Administrator Graf Otto von Hoya, der aufgrund der hohen Verschuldung des Erzbischofs Nikolaus auf Rat des Domkapitels und der Stadt Bremen eingesetzt worden war und die Schulden übernahm. 1434 wurde Graf Otto von Hoya Langwedel wieder mit Waffengewalt abgenommen und aus dem Erzstift vertrieben. Die hohen Kosten zwangen die Stadt Bremen, Langwedel sofort wieder an die Stadt Lüneburg zu verpfänden. Die Pfandschaft dauerte bis 1466 als sie gewaltsam wieder zurückgewonnen wurde. 1479 war sie an den Bremer Bürger Johann von Büren verpfändet.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war die Burg noch sechs Mal verpfändet, seit längerem hatte sie schon mehr die Funktion eines Finanzobjekts als einer militärischen Festung.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Festung mehrfach erobert und besetzt, 1644 geschliffen. 1666 bis 1668 wurde sie wohl teils im alten Zustand wieder aufgebaut. 1675 ergab sie sich beim Angriff der Reichsexekutionstruppen kampflos.
(M. Jansen)

Bauentwicklung:

Bei Baubeobachtungen und Grabungen in den 1930er Jahren, 1960- 1969 und 2006 kristallisierten sich vage drei Bauphasen heraus.
Phase 1: Die Burg wurde auf einer natürlichen Sandinsel in morastiger Niederung errichtet. Ein 5 bis 6 m hoher Burghügel wurde aus Kies und Sand aufgeschüttet. Die Hauptburg scheint nicht durch einen Graben gesichert worden zu sein.
Beim Abgraben in den 1930er Jahren kam Mauerwerk aus Backstein zum Vorschein, das in den Anfang des 14. Jhs. datiert. Dies kann aber nicht mehr aus der Anfangsphase der Burg stammen, denn Erzbischof Giselbert (1274-1306) soll sie nach späteren Quellen im Zuge seiner Burgenausbaupolitik neu erbaut und dort ein schönes Haus aus Holz errichtet haben (item castrum Langwedele de novo edificavit, domum ibidem ligneam pulcherrimam construxit). 1319 oder 1337/38 wurde die Burg (?) und das suburbium von den Verdenern niedergebrannt und die Vogtei gebrandschatzt und beraubt. Das Backsteinmauerwerk dürfte vom Wiederaufbau nach dieser Zerstörung stammen.
Phase 2: Hügelerweiterung nach Süden und weitere Aufschüttung des Burghügels um 0,5 m.
In den 1930er Jahren wurde Backsteinmauerwerk im Blockverband beobachtet, das ins 16. Jh. datiert wird.
Phase 3: "Wohl von 1647. Der Hügel wird an seinem Fuß mit einer Rasensodenmauer befestigt, erhaltene Höhe 1 m, erhaltene Breite 1 m" (J. Precht). (M. Jansen)

Baubeschreibung:

Von der mittelalterlichen Burg ist nichts mehr zu sehen.
Die Burg wird seit der Mitte des 16. Jahrhunderts - nähere Informationen fehlen hierzu - zur Festung ausbaut worden sein. Eine erste überlieferte bildliche Darstellung von 1627 zeigt noch eine Hauptburg mit spätmittelalterlich anmutenden Gebäuden und eine vorgelagerte kleinere Befestigung (Schanze/Vorburg), die durch einen Damm miteinander verbunden sind.
Wohl unter den Schweden wird die Anlage zur Festung aus- und umgebaut und überformt das Gelände sehr stark.
Die Hauptburg ist heute teils oberirdisch bis zu einer Höhe von 6 m in Wall- und Trümmerresten erhalten; auf ihrer Fläche befindet sich heute zum größten Teil ein Schwimmbad, dessen Bau 1964 die mittelalterlichen Baustrukturen vermutlich fast vollständig zerstört hat. Die Vorburg ist oberirdisch vollständig abgetragen worden, zeichnet sich aber in den Umrissen des dort gebauten Sportplatzes ab.
(M. Jansen)

Arch-Untersuchung/Funde:

In den 1930er Jahren fanden verschiedene Baubeobachtungen und Grabungen auf der Haupt- und Vorburg statt.
1960-1969: Baubeobachtungen und Grabungsschnitt durch die Hauptburg durch D. Schünemann.
2006: Ausgrabung im Vorfeld der Schwimmbadsanierung durch J. Precht.
(M. Jansen)