EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Wahrenholz

Geschichte:

Bischof Bernward von Hildesheim ließ die Burg um 995 als militärischen Stützpunkt gegen die Slawen errichten, wie seine Vita berichtet. Er stationierte eine Mannschaft in der Anlage, die den Nordosten der Diözese gegen die Raubzüge der Liutizen schützten sollte. Im Jahr 1013 ließ er sich den Besitz der Burg und des Scultatiums, einer Art Burgbezirk, von König Heinrich II. bestätigen. Die Burg bestand bis in die zweite Hälfte des 11. Jhs. und wurde dann durch ein Feuer zerstört. (C. Frey)

Bauentwicklung:

Die Burg wurde am Fluss Ise auf einem Schwemmsandhügel als sächsischer Ringwall mit einer Holz-Erde-Mauer erbaut. Im Graben gefundene Konstruktionsbalken lassen vermuten, dass der mit einer Kastenkonstruktion errichtete Wall sehr wahrscheinlich mehrphasig war. Sicher zweiphasig ist der Ringgraben, bei dem ein näher am Wall gelegener Graben von 2,2 m Breite und 6 m Tiefe durch einen 9-10 m breiten und 0,8 m tiefen Graben überschnitten wurde. Die erste Phase - wahrscheinlich handelte es sich um einen Doppelgraben - ist nicht sicher datiert, zu ihr kann ein früher geborgener, dendrochronologisch auf 1005 (Waldkante) datierter Pfosten gehören. Die Dendrodaten der aus der zweiten Phase des Burggrabens geborgenen Hölzer sprechen für eine Zeitstellung um 1078. (C. Frey/S. Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burgstelle zeichnete sich am Anfang des 20. Jhs. als 2,40 m hohe, kreisrunde Erhebung von ca. 30 m Durchmesser ab.
Die Burg war als typischer sächsischer Ringwall ausgeführt. Der Wall mit einem Durchmesser von 50-55 m war als 12-16 m breite Holz-Erde-Konstruktion errichtet. Der Sohlgraben war ungewöhnlich flach, was aber in Verbindung mit der feuchten Niederung und der Zuführung von Wasser aus der Ise zur Verteidigung ausreichte. Im Inneren zeugen Pfostenlöcher von einer Wohnbebauung. Eine Fundamentierung aus Flusssteinen in der Mitte der Burg könnte hypothetisch zu einer in der Vita des Bischofs Bernward erwähnten Kapelle gehört haben. (C. Frey)

Arch-Untersuchung/Funde:

Erste Untersuchungen erfolgten 1873. Carl Schuchhardt vermaß die Burg vor dem Ersten Weltkrieg und machte 1919 eine Ausgrabung. Neuere Forschungen erfolgten durch Hans-Wilhelm Heine und Christian Frey ab 2011. Im Jahr 2014 erfolgte eine Forschungsgrabung der Uni Göttingen und der TU Braunschweig (Biermann & Frey). Die nur 74 dabei geborgenen Keramikscherben stammen aus dem 10./11. Jh. Ein Bruchstück eines Hufeisens deutet auf die Anwesenheit von Reitern hin. (C. Frey)