EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Ritzebüttel

Geschichte:

Die Burg Ritzebüttel wurde von der Ministerialenfamilie Lappe vermutlich im Zuge der Marschbesiedlung an einem damals noch schiffbaren Priel erbaut. Vermutlich nannte sich die Familie Lappe ursprünglich von Duhnen und von Hadeln. Sie war nach H. G. Trüper wohl ursprünglich edelfrei, wofür ihre großen Allodialen und Rechte einschließlich der hohen und niederen Gerichtsbarkeit zeugen. 1324 erpfändeten die Lappe für 200 Mark von Herzog Erich I. von Sachsen-Lauenburg die Kirchspiele Wolde und Groden.
Urkundlich bezeugt ist 1189 erstmals Odoko von Duhnen. Allgemein als Stammvater der Lappe wird Alverich I. von Hadeln angesehen. Die Familie gehörte der bremischen Ministerialität an. Wolderich II. Lappe war der erste, der sich 1310 Lappe und nach Ritzebüttel nannte (Wolericus Lappe de Ritzbutil) (Sudendorf VII, Nr. 29.1). 1342 wurde die Burg erstmals genannt: "Datum et actum in castro nostre dicto Stemborch" (UB Hamburg III). Zum Jahr 1355 wurde in den Quellen ein Steinhaus der Lappe im Land Hadeln genannt, das sie dem Herzog von Sachsen-Bergedorf zur Verfügung stellten (Sudendorff II, Nr. 524). Es ist aber nicht eindeutig, ob hiermit das Schloss Ritzebüttel gemeint war, es könnte sich auch um ein anderes Haus im Lande Hadeln gehandelt haben. So besaßen die Lappe in dieser Zeit Anteile am unteren Schloss von Bederkesa (siehe, Bederkesa). Der Name des Schlosses Ritzebüttel erscheint erstmals 1370 (Sudendorf IV, Nr. 50). 1371 wurde die Steenborg als in Ritzebüttel gelegen bezeichnet.
Die Familie Lappe kam im Verlauf des 14. Jahrhunderts zunehmend in Geldnot, weshalb sie ihre Besitzungen verpfändete. 1349 verpflichteten sich die Lappe gegenüber dem Hamburger Rat, die Kaufleute auf der Elbe sowie den von Hamburg errichteten Turm auf der Insel Neuwerk zu schützen (UB Hamburg III, Nr. 377) (siehe auch Hamburg, Neuwerk). 1372 verpfändeten sie die Kirchspiele Groden und Altenwalde an den Hamburger Rat und versprachen erneut, die Schifffahrt zu schützen. 1379 lieh ihnen Hamburg 200 Mark, als Gegenleistung verpfändeten sie an die Stadt ihre Burg Ritzebüttel und die dazugehörigen Dörfer mit der Auflage, diese nicht an andere zu verkaufen. Die Familie Lappe gelangte so zunehmend in Abhängigkeit von Hamburg. Um ein Gegengewicht zu schaffen, traten sie vermutlich 1380 dem Bündnis zwischen dem Bremer Domkapitel sowie den Städten und Mannschaften des Erzstifts bei und trugen ihr Kirchspiel Nordleda dem Herzog von Sachsen-Lauenburg auf und erklärten ihre Burg Ritzebüttel für diesen als offenes Haus.
1393 brannten die Lappe den Hamburger Turm auf der Insel Neuwerk nieder, worauf diese im Bündnis mit dem Land Wursten die Burg Ritzebüttel eroberten und Wolderich VII. Lappe den Tod fand. Hamburg nötigte darauf Wolderich VI. und Alverich IX. am 31.07.1394 zu zwei Verträgen. Hamburg erhielt für 2000 Mark die Burg Ritzbüttel mit allen Pertinentien. Ferner wurden der Stadt Hamburg ihre Pfandrechte der Kirchspiele Altenwalde und Groden bestätigt. Die Lappes erhielten als Pfandzins jährlich 180 Mark, bis 1419 Hamburg das Pfand vollständig ausgezahlt hatte und nun der rechtskräftige Besitzer der Burg Ritzebüttel und seiner Besitzungen war. 1427 wird die Familie Lappe letztmals genannt.
Aus den Besitzungen der Familie Lappe sowie den Kirchspielen entstand das Hamburgische Amt Ritzebüttel, das ab 1400 von einem auf sechs Jahre gewählten Amtmann verwaltet wurde. Die Stadt Hamburg begann schon bald mit dem Um- und Ausbau des Turmes, davon zeugen archivalisch überlieferte Lieferungen von großen Mengen Backsteinen und Dachpfannen sowie die dendrochronologischen Datierungen (siehe Bauentwicklung). Dem Amtmann oblagen administrative, richterliche und militärische Funktionen, die erst 1864 mit einer Verwaltungsreform im Zuge der Gewaltenteilung aufgelöst wurden: Verwalter des Grundbesitzes, Gerichtsherr, Führer der militärischen Mannschaft sowohl auf Ritzebüttel als auch auf dem Turm auf der Insel Neuwerk, zuständig für die Befeuerung und Betonnung der Elbfahrrinne sowie dem Schutz des Strandgutes. 1937 ging das Amt und Schloß Ritzebüttel mit Ausnahme eines kleinen Gebiets im Hafen an das Land Preußen. 1947 fiel es an das Land Niedersachsen. In einem Grundstückstausch übernahm 1981 die Stadt Cuxhaven das Schloss.
(M. Jansen)

Bauentwicklung:

Phase 1: Um 1340 Errichtung eines rechteckigen, zweigeschossigen Steinbaus aus Backsteinen im Klosterformat (8 x 15 x 30 m) auf einem Fundament aus Feldsteinen und Findlingen in den Ausmaßen 16,20 x 10 m durch die Familie Lappe. Mauerstärke: 1,40 m. Der Aushub des Fundamentgrabens wurde zur Erhöhung des Erdgeschosses um einen Meter genutzt.
Phase 1 ist indirekt über eine dendrodatierte Bohle in die Zeit um 1340 datiert. Im Erdgeschoss wurde ein kastenförmiger Brunnen freigelegt, neben dem sich die genannte Bohle fand, die als Rest eines älteren Brunnens angesprochen wird und im Schichtzusammenhang mit dem Felsfundament stand. Keramikfragmente aus Auffüllungen im Keller stammen aus dem 14. Jh. Vermutlich handelt es sich um die urkundlich erwähnte Steenborg der Lappes, einen eindeutigen Bezug des Baus zur Steenborg gibt es allerdings nicht. In der älteren Forschung (u. a. K. Weidemann) wird eine frühere Errichtung um 1300 vermutlich in Bezug auf die Erstnennung der Familie Lappe und Ritzebüttel angenommen, jedoch gibt es bislang keine Belege für einen solchen Bau.
Phase 2: Nach der Übernahme Ritzebüttels durch Hamburg 1394 Ausbau des festen Hauses. Der Backsteinbau wird mit einer auf Pfählen gegründeten Backsteinmauer ummantelt und diese drei Geschosse weiter hochgeführt. Die Ausmaße des neuen Hauses: 13 x 19 m, Mauerstärke: etwa 3 m. Das feste Haus oder Turm war um 1400 fertiggestellt. Der Um- bzw. Ausbau ist durch zahlreiche dendrochronologische Daten der Pfahlgründung, des Dachstuhls, des Innengerüsts sowie der Deckenbalken abgesichert.
Der Hauptzugang lag auf der Nordseite im 1. Obergeschoss, wahrscheinlich erfolgte der Eintritt über eine Rampe mit Zugbrücke. Auf der Südseite ist archäologisch ein Sanitäranbau nachgewiesen.
Erdgeschoss: Es wurde als Keller genutzt und damals mit einem sechsjochigen Rippengewölbe ausgestattet, die übrigen Geschosse haben Balkendecken. Ein Raum war mit massiven Wänden abgetrennt.
1. Obergeschoss: Es war mit einem grün-gelb glasierten Tonfliesenboden ausgestattet und einer mittig an der Ostseite sitzenden Herdstelle, eine Raumunterteilung ist nicht nachgewiesen.
2. Obergeschoss: Es diente seit dem 16. Jahrhundert gesichert als Wohnung des Amtmannes; hier sind jüngere Raumeinteilungen (2 Stuben, Küche, Flur) nachgewiesen; eine ältere Raumeinteilung wird vermutet.
3. Obergeschoss: Sitz der 1396 erstmals genannten Kapelle im Amtshaus, abgeleitet durch die Bezeichnung 'beim heiligen Geist' in Inventaren des 16./17. Jahrhunderts für das Arsenal und Speicherraum.
4. Obergeschoss: Nutzung als Speicher.
Dachstuhl: Er stammt aus dem Umbau der Zeit 1394-1400, ist aber mehrfach ausgebessert und im 19. Jahrhundert konstruktiv verändert worden.
Eine hölzerne Uferbefestigung konnte dendrochronologisch auf um 1409 datiert werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Burg unmittelbar am Mauerwerk von einem etwa 5 m breiten Wassergraben gesichert.
Phase 3: Anfang des 17. Jahrhunderts wurde auf der Nordseite ein Fachwerkbau vorgesetzt. Im 16./17. Jahrhundert kam es zur Anlage eines aufwendigen Wall- und Grabensystems um den Turm. Ferner wurde im 17. Jahrhundert ein Torhaus errichtet und spätestens um die Mitte des 17. Jahrhunderts der innere Wassergraben verfüllt. Die Zuschüttung des inneren Wassergrabens wird in einem Zusammenhang mit der Anlage des heute noch erhaltenen großen Walls gesehen, dessen Aufwurf teilweise bereits ins 16. Jahrhundert (andere Datierung: 1. Hälfte 17. Jahrhunderts) datiert wird.
Phase 5: 1752-55 wurde der Fachwerkbau durch einen noch heute stehenden Backsteinbau ersetzt.
Zwischen 1814/17 und 1821: Niederlegung des Nordabschnitts des inneren Walls, Abbruch des Torhauses mit Zugbrücke über den inneren Graben.
Vermutlich schon im 18., besonders aber um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Außenmauer ausgebessert und erneut 1982/83 saniert. Bei letzterer wurde die Südfassade grundlegend erneuert.
(M. Jansen)

Baubeschreibung:

Das Schloss Ritzebüttel steht auf einer ca. 17 m starken Schicht aus Torf und Marschenklei, erst darunter stehen die eiszeitlichen Sande an. Das mehrphasige Steinhaus stammt zum größten Teil aus dem Mittelalter (genaue Beschreibung siehe Bauentwicklung).
Die gesamte Schlossanlage weist die Ausmaße wohl der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf, als sie fortifikatorisch mit einem doppelten Wall- und Grabensystem ausgestattet wurde, deren Ausmaße 8,61 Hektar betrugen. Im Norden sind der Wall abgetragen und der innere Schlossgraben zugeschüttet.
Die weiteren Gebäude auf der Anlage stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Östlich des Amtshauses befindet sich ein aus dem 17./18. Jahrhundert stammender zweigeschossiger Fachwerkbau, der als Marstall oder Kornboden bezeichnet wird.
(M. Jansen)

Arch-Untersuchung/Funde:

1931/32 (?): Beobachtung eines Wassergrabens durch Karl Waller während Reparaturarbeiten.
1981-1996: Sanierung des Schlosses, in deren Verlauf immer wieder archäologische und bauhistorische Untersuchungen und Beobachtungen stattfanden. Funde: zahlreiche organische Funde (Tierknochen, Fischgräten, Muschel- und Eierschalen), Holzfunde, Lederreste, Fensterglasscherben (mit Resten von Bleieinfassungen), Trinkglas- und Glasflaschenreste, Keramik (rottonig, glasierte Irdenware, grautonige, unglasierte Irdenware, helltonig, glasierte Irdenware, Siegburger Steinzeug).
(M. Jansen)