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Pipinsburg bei Sievern

Geschichte:

Archivalisch ist die Pipinsburg und ihr ursprünglicher Name nicht überliefert. Die Bezeichnung 'Pipinsburg' taucht erstmals 1604 auf einer Karte des Amtes Bederkesa von Wilhelm Dillich auf ('Pipinsborch'). 1755 fertigte Martin Mushard einen ersten Plan der Pipinsburg an.
In der Forschung ist umstritten, ob die Pipinsburg identisch mit der urkundlich überlieferten Siverdesburg ist. Flurnamen im Ort Sievern könnten auf eine dortige Burganlage deuten.(siehe Siverdesburg). Letztendlich ist der Sachverhalt aber noch nicht zufriedenstellend geklärt.
C. Schuchhardt sah auf Grundlage einer falschen frühen Datierung ins späte 8. Jh. und einem archäologisch nachgewiesenen Brandhorizont anfangs in der Burganlage eine sächsische Herrenburg, die während der Kriegszüge Karls d. Gr. 797 zerstört worden sei; später eine Burg von sächsischen Grafen, die unter fränkischer Herrschaft das Land verwalteten und gegen die Normanneneinfälle sicherten. Er nahm eine ständige Nutzung der Hauptburg bis ins 11. Jh. an, während die Vorburg nur als Refugium gedient haben sollte.
Eine Neudatierung der Keramik revidierte die Zeitstellung der Pipinsburg. Ihre Errichtung wird jetzt um 1000 angesetzt mit einer ersten Nutzungszeit im 11. und 12. Jh. Ein zweiter Fundkomplex datiert ins 14. Jh. und wird mit dem Bau der Siverdesburg in Zusammenhang gebracht. Darauf beruht u. a. die Gleichsetzung der Pipinsburg mit der Siverdesburg.
K. Weidemann sah in der Pipinsburg ehemaliges Reichsgut, das von Ministerialen der Stader Grafen in Besitz genommen worden war. B. U. Hucker möchte sie hingegen in Verbindung mit dem Burgenbau des Bremer Bischofs Adalbert I. um 1063 bringen. In diesem Jahr erhielt die Bremer Kirche von Heinrich IV. die Kurie Lesum. Der Billunger Graf Hermann hatte erwartet, diese als Lehen übertragen zu bekommen. Da Erzbischof Adalbert aber nicht vor hatte, diese aus der Hand zu geben, zog er gegen Bremen und zerstörte alle Burgen, die Adalbert in Voraussicht in verschiedenen Gegenden erbaut hatte, wie Adam von Bremen berichtet. Die Burgen werden namentlich nicht genannt. Hucker meint, der Brandhorizont könnte aus dieser Zeit stammen.
(M. Jansen)

Bauentwicklung:

Phase 1: Errichtung der Anlage um 1000. Erste Nutzungszeit im 11./12. Jh. auf Grundlage der Keramikfunde (ältere Kugeltopfware, Pingsdorfer Ware).
Phase 2: Im 14. Jh. erneute Nutzung der Anlage auf Grundlage der Keramikfunde (harte grautonige Irdenware, Steinzeug).
Dichte Brandspuren weisen auf eine Zerstörung der Anlage durch Feuer. Aus den Berichten ist allerdings nicht ersichtlich, ob diese der Phase 1 oder 2 zuzuordnen ist.
1890-1893 wurde durch den Bau einer Chaussee der westliche Wallteil der Hauptburg gestört.
1945 Einbau eines Bunkers.
(M. Jansen)

Baubeschreibung:

Die Pipinsburg liegt halbinselartig auf einem von Nordost nach Südwest sich erstreckenden Geestrücken, der von einem feuchten Niederungsgebiet umgeben ist. Nur von Nordost reicht die hohe Geest heran. Hier lag der natürliche Zugang.
Die Burganlage gliedert sich in Haupt- und zwei Vorburgen.
Die Hauptburg besteht aus einem kreisförmigen Ringwall von 65–68 m Durchmesser von Wallkrone zu Wallkrone. Zur Niederung hin weist der Wall noch eine Höhe von 2–2,5 m über dem Innenraum auf, der Geestabhang gab mit einem Gefälle von bis zu über 6 m zusätzlichen Schutz. Nach Nordosten war der Wall besonders stark gesichert: hier ist er noch bis 5,5 m Höhe erhalten. Die Breite des Wallfußes beträgt dort 25 m. Laut C. Schuchhardt war sein Kern aus Plaggen aufgeschichtet worden, dessen Außenfront dreifach abgestuft durch Holzwände befestigt war. Ein Wehrgang auf der Vorterrasse war über ansteigende Gänge vom Innenraum her zugänglich. Der Raum zwischen dem Wallkern aus Plaggen und den äußeren Holzwänden war mit Sand und Aushubmaterial aus den Gräben verfüllt. Diese Rekonstruktion der Wallfront und ihre Einphasigkeit wird heute in Frage gestellt. Aufgrund der aus dem Fundmaterial erschlossenen zwei Nutzungsphasen der Burganlage ist eine Mehrphasigkeit der Wallbefunde realistischer, die damals von Schuchhardt und seinen Mitarbeitern nicht erkannt wurde. Der Zugang erfolgte durch eine mit Holz ausgeschalte, 2,5–3 m breite und 17,5 m lange Torgasse von Süden aus. C. Schuchhardt legte bei seinen Ausgrabungen 11 bis 12 Reste von Holzgebäuden frei, die entlang der Innenseite des Walls kreisförmig im Innenraum der Hauptburg errichtet worden waren. Sie werden als Wohngebäude, Pferdestall und Speicher interpretiert.
Nach Nordosten ist die Hauptburg zudem durch einen bogenförmigen Doppelgraben von jeweils 12 m Breite und 2,5 m Tiefe gesichert. Davor erstreckt sich die erste kleinere Vorburg, die 50 m weiter nordöstlich durch einen 7–15 m breiten und 2–5 m tiefen Graben und einen noch in Resten vorhandenen, vorgelagerten Erdwall gesichert war. An diesen schließt nach Nordosten die zweite größere Vorburg an, von ihr sind Reste einer bogenförmigen Wall-Graben-Befestigung im Nordosten zur Absicherung zur hohen Geest hin erhalten. Ob ihre Längsseiten zur Niederung hin befestigt waren, ist unklar.
(M. Jansen)

Arch-Untersuchung/Funde:

Zufalls-/Lesefunde: 1859, 1875 und 1964.
1871: Grabungen durch die Abteilung für bremische Geschichte und Alterthümer des dortigen Künstlervereins sowie durch den Lehrer Rosenbrock.
1906-1908 Ausgrabungen durch C. Schuchhardt (Funde verloren, Dokumentation vorhanden).
1978 Beobachtungen bei umfangreichen Pflegearbeiten durch den Kreisarchäologen Hans Aust.
(M. Jansen)