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Goslar, Pfalz

Geschichte:

Der Zweck der Pfalzgründung in Goslar lag in der Stabilisierung der Königsherrschaft in Ostsachsen, da dort mit dem Bergbau im Harz eine bedeutende königliche Ressource bestand. Sie löste in ihrer Bedeutung als königlicher Aufenthaltsort die Pfalz in Werla ab. In welcher Zeit und an welchem genauen Ort der Ursprung der Goslarer Pfalz zu suchen ist, ist seit jeher Gegenstand von Forschungskontroversen. Ins Blickfeld der historischen Überlieferung tritt der 1005 erstmals belegte Ort Goslar mit Heinrich II. (1002-1024), von dem sieben Aufenthalte in Goslar belegt sind. Spätestens mit der Reichsversammlung 1009 müssen repräsentative Bauten in Goslar vorhanden gewesen sein.
1017 wurde bei einer Reichsversammlung unter Heinrich II. der Beschluss gefasst, die Pfalz Goslar auszubauen. Zum Zentrum der deutschen Königsherrschaft wird die Pfalz Goslar unter Heinrich III. (1039-1056). 1065 wurde die Pfalz durch ein Feuer beschädigt oder zerstört. Nach Friedrich Barbarossa sinkt die Bedeutung der Pfalz stetig, der letzte König, der sich hier aufhielt, war Wilhelm von Holland 1253. Die Pfalz diente nur noch als Sitz einer Reichsvogtei und als Versammlungsstätte. 1290 wurde nach einem verheerenden Brand die Vogtei und sehr wahrscheinlich auch das Nutzungsrecht an der Pfalz an die Stadt Goslar verkauft, sie diente als Verwaltungssitz eines städtischen Vogtes.
1629 scheiterte die Einrichtung eines Jesuitenkollegs im Pfalzgebäude. In der Folgezeit diente das Kaiserhaus nur noch als Lager und wurde notdürftig instandgehalten. die Ulrichskapelle diente als Stadtgefängnis. Von 1868 bis 1897 wurde die Pfalz restauriert und frei rekonstruiert. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die frühesten Baustrukturen wurden vor dem Südende des Kaiserhauses freigelegt. Das erste Gebäude, ein turmartiger Bau, stammt aus dem späteren 10. Jh. Kurz vor dem Jahr 1000 ist es abgebrannt. Zeitlich folgte am selben Platz ein Saalgeschossbau, der durch 14C-Analysen in das 1. Viertel des 11. Jhs. datiert werden kann. Frühestens in der Mitte des 12. Jhs. erhielt er einen Anbau im Süden. Nach dem großen Pfalzbrand von 1289 wurde er um 1300 abgebrochen. Als früher Bestandteil des Pfalzbezirkes ist auch die vor 1053 gegründete Stiftskirche St. Simon und Juda anzusehen, die 1819 abgebrochen wurde. Auf die Zeit um 1050 geht auch der Kernbau des Kaiserhauses zurück. Ältere Baureste vor der Ostseite können in die ersten Jahrzehnte des 11. Jhs. gesetzt werden, sie gehören wahrscheinlich zu den unter Heinrich II. errichteten Bauten. Für das Jahr 1017 erwähnt Thietmar von Merseburg, dass Heinrich Baulichkeiten in Goslar vergrößern und verschönern ließ. 1019 wird anlässlich einer Synode eine Reichsversammlungsstätte mit südlich anschließender Kirche erwähnt. 1038 wird die Liebfrauenkapelle im Nordosten des Kaiserhauses erwähnt, die mit ihm durch einen Gang verbunden war. Im 11. Jh. wurde ihr südliches Pendant, die Ulrichskapelle errichtet, wobei das Obergeschoss aus der Mitte des 12. Jhs. stammt. Unter Heinrich III. wird die Pfalz in der Mitte des 11. Jhs. ausgebaut. Das Kaiserhaus erhielt damals seine grundsätzliche Gestalt, wann aber die prägnante Betonung der Mitte hinzugefügt wurde, ist umstritten. Im 12. Jh. wurde das Kaiserhaus wohl in Folge eines historisch überlieferten (Teil-)Einsturzes im Jahr 1132 umgebaut, möglicherweise entstand damals sogar ein kompletter Neubau. Zudem wurde es nach Süden um einen Vorsaal und ca. 1180 (dendrodatiert) um eine Tordurchfahrt erweitert. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Errichtung des jüngeren Wohnbaus zwischen Saalbau und Ulrichskapelle zur selben Zeit. 1289 wurde die Pfalz durch einen Brand schwer beschädigt, aber weitgehend identisch wiederaufgebaut. Für 1385 sind Bauarbeiten am Kaiserhaus belegt, 1477 folgte eine Erneuerung seiner hölzernen Bauteile. Die Datierung des nördlich an das Kaiserhaus anschließenden und im 19. Jh. umgebauten "älteren Wohnpalasts" ist weiterhin ungeklärt, einziger Hinweis ist ein Inschriftenstein mit der Angabe "1551". Die Restaurierung und Rekonstruktion ab 1868-1879 wurde teilweise sehr frei gehandhabt. Ihr ist die heutige Gestalt des Mittelbaus und der Verbindungstrakt zwischen Kaiserhaus und Ulrichskapelle zu verdanken. Zudem wurden die vorgelagerte Treppe hinzugefügt sowie die Reiterstandbilder und die Kopien des Braunschweiger Löwen aufgestellt. Eine erneute Restaurierung erfolgte von 1986 bis 1989. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Goslarer Pfalz wird heutzutage beherrscht durch den großen Saalbau, das sogenannte Kaiserhaus.
Dieser besteht aus einem zweigeschossigen Gebäude von 47,20 x 15,30 m Größe, der seinen heutigen Eindruck dem historistischen Wiederaufbau verdankt. Im Original erhalten sind große Teile der Mauern im Erdgeschoss und die Endpfeiler der Arkaden im Obergeschoss. Die daraus erfolgende Unkenntnis über die Details der ursprünglichen Gestalt mündete in zahlreiche Forschungskontroversen vor allem über den Zeitpunkt und die genaue Art und Weise der heute durch den Giebel erfolgenden Betonung der Mitte des Saalbaus. Im Saal selbst stand wohl gegenüber auf der ursprünglich fensterlosen Rückseite der Thron. Die Hofseite des Obergeschosses war in Arkaden unterteilt, in die Säulen-Bogen-Stellungen eingefügt waren, sodass diese als romanische Gruppenfenster wirken. Die niedrigen Fensterbrüstungen bedingten zusammen mit den offenbar fehlenden Fensterverschlüssen einen bemerkenswert offenen Charakter des Saals. Die heutige Ausmalung mit historistischen Wandbildern erfolgte von 1879-1896 durch den Düsseldorfer Maler Hermann Wislicenus. Im Untergeschoss ist eine Warmluftheizung eingebaut, die wohl noch aus dem 12. Jh. stammt, aber einmal umgestaltet wurde. An den Kaiserbau schließt im Norden ein Wohnbau von identischer Breite und 18 m Länge an, der seine heutige Gestalt einer frühneuzeitlichen Zwischennutzung als Speicherbau und der Restaurierung des 19. Jhs. verdankt. Auch bei ihm sind die Details seiner ursprünglichen Erscheinung unbekannt. Nördlich und südlich schlossen sich an das Kaiserhaus die nicht mehr existente Marienkapelle und die Ulrichskapelle an. Ergraben wurden die Grundmauern des sogenannten „Jüngeren Wohnpalasts“, der südlich an das Kaiserhaus anschloss. Der heute dort befindliche Treppenturm ist eine historistische Zutat. Noch vorhanden sind ein Verbindungsbau zwischen Kaiserhaus und der Ulrichskapelle im Süden, der laut der dendrochronologischen Datierung der dortigen Tordurchfahrt nachträglich hinzugefügt wurde. Mit seiner offenen Loggia dürfte er beim kaiserlichen Zeremoniell eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Weitere Aussagen über die mittelalterlichen Baulichkeiten des Pfalzgeländes sind archäologischen und geophysikalischen Untersuchungen zu verdanken. Das älteste rekonstruierbare Bauwerk ist ein quadratischer, unterkellerter Stein-Holzbau von ca. 7 m Seitenlänge und 0,70 m Mauerstärke. Ein Treppenaufgang deutet auf mindestens zwei Stockwerke hin. Die Westwand bestand nach Angabe des Ausgräbers aus einer Bohlenkonstruktion. Er wurde ersetzt durch einen Saalgeschossbau oder Wohnturm mit den Innenmaßen 9,80 x 12,60 m bei einer Mauerstärke von 1,10 m.
Bei geophysikalischen Prospektionen wurden 2009 im Bereich der Rasenfläche östlich der Pfalz Strukturen entdeckt, die auf eine bislang unbekannte Bebauung hindeuten, ohne dass über ihren Charakter und ihre Zeitstellung Aussagen getroffen werden können.
Eine Befestigung der Pfalz ist nicht überliefert oder bisher ergraben worden. Die Stadtbefestigung des 11. Jhs. umfasste nur Wall und Graben und sicherte wohl nur wenig mehr als den Pfalzbezirk. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1883, 1896/97, 1913/14, 1977-82.
Baubeobachtungen 1991
Bauuntersuchungen am Kaiserhaus 1992/93
Geophysikalische Prospektion im Bereich von Parkplatz und Rasenfläche 2007-2009