EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Große Harzburg

Geschichte:

Die Harzburg war um 1065 von König Heinrich IV. erbaut worden und galt zu seiner Zeit als bedeutendste und wehrtechnisch fortschrittlichste einer Reihe von Reichsburgen im Harzgebiet. Als Höhenburg mit königlicher Residenz und Kollegiatsstift verkörperte sie einen neuen Burgentypus. Ihre Aufgabe lag vor allem in der Sicherung des Hinterlandes der Kaiserpfalz Goslar. Der Erbauer der Burg musste sich 1073 während des Sachsenaufstandes von Goslar auf die Burg flüchten. Ein Jahr später wurde sie von der örtlichen Bevölkerung zum erstenmal samt des Stifts und der Grablege der königlichen Familie zerstört, die Burgstelle lag danach wüst. Erst unter Friedrich Barbarossa wurde sie ab 1180 wieder errichtet, wobei das Kollegiatstift ins Tal umgesiedelt wurde. Burggrafen wurden die Grafen von Wöltingerode. Im Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. stand die Burg zunächst auf der Seite Philipps, erst nach dessen Ermordung öffnete sie sich Otto. Dieser verbrachte 1218 seine letzten Lebenstage auf der Harzburg und bestimmte dort testamentarisch, dass sie Reichsburg bleiben solle. Im 13. und 14. Jh. erwarben die zunächst als Burgvögte eingesetzten Grafen von Wohldenberg nach und nach den Besitz über die Burg. 1269 verpfändeten die Erben des kinderlos gestorbenen Grafen Hoier II. die Burg an die Grafen von Wernigerode. 1370 wurde sie in der Fehde zwischen Herzog Otto dem Quaden von Braunschweig und den Wernigeröder Grafen von dem Welfen erobert. Den Grafen verblieb danach nur noch die Hälfte der Burg als Braunschweiger Lehen. Die Herren von Schwicheldt wurden dann zunächst Amtmänner für den herzoglichen Teil, besaßen aber bald beide Hälften als Lehen. Aufgrund ihrer Nutzung der Burg als Basis für Raubzüge wurde sie 1412 und 1413 zweimal belagert, beim zweiten Mal auch gewaltsam erobert. Zahlreiche Besitzstreitigkeiten und Verpfändungen führten zum Niedergang der Burg. 1547 war sie schließlich im Alleinbesitz des Herzogs Heinrich d. J.von Braunschweig-Lüneburg. 1573 wurde das herzogliche Amt ins Tal nach Bündheim verlegt. Planungen aus der Zeit um 1574, die Burg zur Festung auszubauen, scheiterten an der Finanzierung. Die seitdem funktionslose Burg ließ 1650/51 Herzog August d. J. von Braunschweig abbrechen. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die Burg wurde zwischen 1065 und 1068 wahrscheinlich unter dem Baumeister Benno, dem späteren Bischof von Osnabrück, errichtet. Im Sachsenaufstand ließ Heinrich IV 1074 zunächst nur die Mauern niederlegen, woraufhin durch die Bauern der Umgebung die übrigen Gebäude zerstört und geplündert wurden. Ab 1180 wurde sie wieder aufgebaut, wobei im Ostteil die Wohnsitze der zahlreichen, im Testament Ottos IV. genannten Lehnsträger und Burgmannen standen. Zum "Petersilienbleek" genannten Gemüsegarten ist der Ostteil wohl erst nach dessen Zerstörung in der Fehde gegen die Herren von Schwicheldt 1408 geworden. Der ergrabene Baubestand in der Ostburg gehört somit zum Gründungsbau, während auf der Westburg unterschiedliche Bauphasen erfasst wurden. Zur ursprünglichen Burg gehören dabei eine Mauer, die den Westteil in zwei Abschnitte trennt, eine Feuerstelle und ein Mauerwinkel, der evtl zu einem Turm gehörte. Der große Halsgraben zwischen den beiden Burgteilen wurde wahrscheinlich erst in dieser Phase geschaffen. In seinem Testament von 1218 erwähnt Otto IV., dass er die Burg um einen großen Eckturm habe erweitern lassen. Wohl im 14. Jh. wurde die Kapelle in der Westburg errichtet. Bei der Belagerung 1412 wurde im öden Ostteil der Burg ein Belagerungswerk errichtet, die Steuerburg. Das selbe wiederholt sich bei der erneuten Belagerung im Folgejahr, als wohl wiederum auf der Fläche der Ostburg ein hölzerner Turm namens "Altona" erstellt wurde.
Nach den ersten archäologischen Untersuchungen wurden von 1905 bis 1907 verschiedene Baustrukturen wiederaufgemauert. Weitere Konservierungsmaßnahmen der ergrabenen Befunde erfolgten nach 1975. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Harzburg liegt auf einer fast isolierten, langgestreckten Bergkuppe, die auf drei Seiten Steilhänge aufweist. Ihre Lage beherrscht das nördliche Harzvorland bis zur Pfalz Werla.
Das Gesamtareal der Burg von ca. 55 x 220 m Größe war durch einen 10 m breiten, tief eingeschnittenen Halsgraben in einen kleineren östlichen und größeren westlichen Abschnitt getrennt. Eingefasst war die Gesamtanlage durch eine ursprünglich 10 m hohe, an der Basis 1,80-2,30 m starke Ringmauer. Im Osten war sie gegen den Sattel zum höheren Sachsenberg durch einen Zwinger zusätzlich gesichert. An der steilen Nord- und Südflanke wird sie zusätzlich durch einen Graben mit Vorwall verstärkt, der nach Westen zu ausläuft. Den Zugang bildete ein Kammertor im Südosten. Dahinter standen der Bergfried und im Osten ein donjonartiger Zweiflügelbau, der mit seiner Außenecke gegen die Angriffsseite gerichtet war. Dieser war mit dem Bergturm sehr wahrscheinlich durch Mauern von der übrigen Anlage abgetrennt, so dass sich eine Art Kernburg ergab. Auf der Nordseite schloss sich der dreiräumige Palas an.
In der Westburg stand vermutlich das ursprüngliche Kollegiatsstift, von dem, da wohl in Holz-Fachwerk-Konstruktion errichtet, keine Reste mehr vorhanden sind. Kernstück der Burgbebauung aus der Zeit Friedrich Barbarossas und Ottos IV. war der quadratische Bergfried in der Mitte der Quermauer. Seine Außenmaße betragen 9,35 x 9,45 m bei einer Mauerstärke von 3,85 m.
Die Zufahrt erfolgte jetzt durch einen Torzwinger und Torbau im Westeck. Westlich stand der Palas. Zu den Burggebäuden gehörte auch die Burgkapelle, ein Amtshaus, das Brauhaus und Kammer integrierte, sowie ein Wohnbau. Die Wasserversorgung erfolgte außer durch einen Brunnen auch durch eine tönerne Wasserleitung aus dem oberen Stübchental. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1902-1904, 1958-60, 1970-75