EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Plesse

Geschichte:

Für die Gründung der Plesse wurde lange Zeit ein Datum zu Beginn des 11. Jhs. erwogen, da in der um 1160 entstandenen Vita Meinwerci von einer Schenkung der Burg durch den Bischof an das Hochstift Paderborn berichtet wird. Da aber die zeitgenössischen Quellen keine Burg erwähnen und auch die Ausgrabungsergebnisse dagegen sprechen, liegt hier offenbar eine falsche Angabe des Verfassers vor.
Erst 1138 tritt die Burg mit der Nennung eines dortigen Burggrafen in das Licht der historischen Überlieferung. 1139 wird zudem Hermann II. von Winzenburg als Graf von Plesse bezeichnet. Offenbar nutzten die Winzenburger nach dem Verlust ihrer Stammburg 1130 die Plesse als Ausweichresidenz bis zur Rückübertragung der Winzenburg 1150. Seit diesem Jahr war die Burg Sitz der Edelherren von Plesse, die nach ihrer Übersiedlung aus Höckelheim den Namen ihres neuen Wohnsitzes annahmen. Nachdem das Winzenburger Geschlecht mit der Ermordung Hermanns II. 1152 erloschen war, kam die Burg als heimgefallenes Lehen zurück an Paderborn, die sie an die bisherigen Burgmannen, die Herren von Plesse, als Lehen vergaben. Kaiser Heinrich VI. tauschte 1192 die Burg Plesse gegen die Burg Desenberg bei Warburg (Westfalen) ein, aber der Tausch wurde schon 1195 wieder rückgängig gemacht. Seit dem 15. Jh. besaßen die Herren von Plesse ihre Herrschaft als Eigengut. Um sich aber gegen den ständigen Druck der welfischen Herzogtümer auf ihre Enklave zu erwehren, trugen sie im Jahre 1447 ihre Herrschaft dem Landgrafen Ludwig von Hessen zu Lehen auf. 1571 starb der auf der Burg ansässige Stamm der Herren von Plesse aus. Das heimgefallene Lehen ging an die Landgrafen von Hessen-Kassel, die auf der Burg einen Amtssitz einrichteten. 1660 wurde von diesen die Burg aufgegeben, 1713 war sie nur noch eine Ruine. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die ältesten Befunde auf der Burg - u. a. eine Mauer und eine Zisterne - können vielleicht noch in das 11. Jh. datieren. Mit der kurzen Zugehörigkeit der Burg zu Heinrich VI. begann ein größeres Bauprogramm auf der Burg. Der untere Bereich des Bergfrieds stammt noch aus dieser Zeit, dem Ende des 12. Jhs. Das darüber liegende, unregelmäßige Bruchsteinmauerwerk und der Zinnenkranz wurden bei den Restaurierungen des 19. Jahrhunderts ergänzt. Gleichzeitig mit ihm wurden mindestens ein Wohnturm an der Nordmauer, der mit einem Saalgeschossbau eine Einheit bildete, die Kapelle und drei Burgtore errichtet. Zur Befestigung wurde ein Graben östlich des Bergfrieds angelegt, dazu kamen ein äußeres Wall-Graben-System und eine Ringmauer mit Zwinger im Westen.
Ab 1821 wurden erste Renovierungen durchgeführt, zwischen 1853 und 1864 wurde die Burg umfassend restauriert. Viele der erhaltenen Baustrukturen verdanken ihre heutige Gestalt diesen Restaurierungsarbeiten. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg liegt auf einem nach Südwesten gerichteten Bergsporn, der gegen den Hang durch einen Halsgraben abgetrennt ist. Vor der Mauer zur Hauptburg befindet sich eine Mulde im Gelände, die wohl der Rest eines älteren Burggrabens darstellt, der beim Bau der Vorburg seine Bedeutung verloren hatte. Der Eingang zur Hauptburg erfolgt durch das mittlere Tor mit Torhaus. Im folgenden Hof befand sich ein Backhaus und eine Gewölbezisterne.
Am westlichen Ende der Hauptburg steht ein 22 m hoher Turm, der mit einem Durchmesser von ca. 7 m bei einer Mauerstärke von 2,25 m erheblich schlanker ausfällt als der Bergfried. Er wird auch als „Sydekum“ (Sieh’ dich um) bezeichnet, diente somit als Warte, aber auch zur Verteidigung des Eingangs zur Hauptburg. Der eigentliche Bergfried befindet sich im Osten der Burg zum Berghang hin. Er gehört mit einer Höhe von 23,80 m und einem Durchmesser von 15 m bei einer Mauerstärke von 4,11 m zu den mächtigsten Vertretern seines Typs.
Erhalten und im 19. und 20. Jahrhundert restauriert worden sind außer den beiden Türmen der Burggraben, das untere (äußere) Tor, das mittlere Tor mit Pforthaus und auf der Hauptburg das alte Herrenhaus (Steinhaus) und die Ruine der Kapelle. Auch von den Außenmauern sind erhebliche Reste erhalten – so die Mauer des „Caningartens“ in der Vorburg und Teile der Eckbastionen „Eichsfeld“ und „Catzengarten“. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Seit 1979 archäologische Untersuchungen durch den Verein "Freunde der Plesse".