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Pipinsburg bei Osterode

Geschichte:

Über die im 8./9. Jh. reaktivierte vorgeschichtliche Befestigung der Pipinsburg ist aus den historischen Quellen wenig bekannt. Es wird vermutet, dass sie als Fluchtburg für den nahen Königshof Lasfelde diente. Später gelangten die Welfen in ihren Besitz. Ihr Ministeriale Werner von Berkefeld wohnte hier 1134.
Nach einer Überlieferung ist die Pipinsburg in einer Fehde zwischen dem Herzog von Braunschweig-Grubenhagen mit dem Mainzer Erzbischof und den Landgrafen von Thüringen 1136 zerstört worden. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Der Innenwall lässt sich in vier Befestigungsphasen unterteilen. Die erste Phase aus der frühen Eisenzeit bestand aus einer Aufschüttung mit Pfostenfront. In der Mittellatènezeit wurde darauf ein Lehmwall aufgeschüttet, der wiederum eine Palisade als Außenfront besaß. Diese Holz-Erde-Konstruktion ist durch Brand zerstört, aber wieder erneuert worden. Die nächste Phase, eine Erdaufschüttung mit nicht näher definierbarer Holzkonstruktion, lässt sich dem Frühmittelalter zuordnen. Aus dem Hochmittelalter stammt die letzte Phase in Form einer Lehmaufschüttung, deren oberen Abschluss eine Brustwehr in Form einer Trockenmauer bildete. Im Westabschnitt des Innenwalls ist nur die letzte Bauphase vorhanden. Der Mittelwall weist ebenfalls vier Bauphasen auf, von denen die jüngste aus dem Hochmittelalter stammt. Das Frühmittelalter scheint hier zu fehlen. Die Verfüllung des Grabens um das Kernwerk zeigte zwei deutlich voneinander getrennte Versturzschichten, woraus zu schließen ist, dass die Mauer zweimal zerstört worden ist. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die mehrphasige Befestigungsanlage liegt auf einem 100 m ins Sose-Tal vorspringenden Ausläufer der Osteroder Kalkberge. Die gesamte Befestigung besitzt eine Ausdehnung von 500 x 350 m und nimmt eine Fläche von ca. 10,5 ha ein. Das eigentliche mittelalterliche Kernwerk an der Nordspitze misst ca. 75 x 60 m. Es liegt ca. 0,5 m höher als das umgebende Areal und ist mit einem ca. 2 m tiefen, hufeisenförmigen Spitzgraben und einer ca. 1,80 m starken Mörtelmauer befestigt.
Der max. 4 m hohe Innenwall schloss die Bergzunge in vorgeschichtlicher Zeit und im Frühmittelalter gegen das Hinterland ab. Im Hochmittelalter ist er erhöht und am westlichen Steilhang entlang verlängert worden. Er endet an der Nordspitze an einer künstlichen Terrasse, an deren Außenrand eine Palisade stand. Hochmittelalterlich ist ebenfalls das Zangentor im Innenwall, das zwei ältere Bauphasen überlagert.
Der Mittelwall scheint im Frühmittelalter nicht ausgebaut worden zu sein, im Hochmittelalter bekam er eine Holz-Erde-Konstruktion im Form eines Rahmenwerks aufgesetzt, das mit einer Stein-Erde-Mischung gefüllt war.
Es wurden zwar zahlreiche Pfostenlöcher dokumentiert, doch lassen sich daraus keine Hausgrundrisse rekonstruieren.
(Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 1953-1960, 1973/74.
Aufgrund der verkarsteten Oberfläche sammelten sich die Funde vor allem in Senken und Eintiefungen an. (Stefan Eismann)